Warum verzichtete Jiddu Krishnamurti auf die ihm von gewissen Kreisen zugedachte Rolle des wiederverkörperten Christus und des Bodhisattva?

 

Aus den Memoiren von Maria Todorova (1898 – 1976) – Schülerin aus dem engen Kreis um Beinsa Douno, veröffentlicht im Buch „Der Sonnenaufgang der Weißen Bruderschaft – wie er singt und spielt, lernt und lebt“ – Bandreihe mit Memoiren der Schüler Beinsa Dounos, Band 1, Vergilij Krastev (Herausg.), Sofia, 1993.

„Magdalena und Krishnamurti

Magdalena war diejenige, die ab und zu in unsere Siedlung Izgreva („Der Sonnenaufgang“) aus der Stadt kam und dem Meister und der Bruderschaft den meisten Schaden anrichtete. Sie war diejenige, die von den Popen bestochen wurde und ein Schild mit der Aufschrift „Danovs Opfer“ durch die ganze Stadt spazieren trug. Jahrzehnte lang erinnerten sich Sofias Bürger an dieses Schild und lachten uns als Danovs Opfer aus, als sie erfuhren, dass wir vom Izgreva kommen. Außerdem wurde Magdalena von den Popen bezahlt, damit sie vor den Bürgern in Plovdiv den Meister verleumde und mit den widerwärtigsten Lügen und Beschimpfungen über ihn spreche. Es war furchtbar anzusehen, wie sie Gift und Galle spie. Es war, als spräche ein Biest durch sie, das bellte und zu beißen versuchte. Doch nach jedem Zwischenfall kam sie zum Meister, als wäre nichts passiert und als ginge sie das alles nichts an. Manchmal schimpfte der Meister mit ihr. Ein anderes Mal redete er ihr leise und mit belehrenden Worten zu. Einmal habe ich erlebt, wie er sie mit dem Spazierstock verprügelte. Die Freunde ertrugen sie nur schwer und wollten ein für allemal mit ihr abrechnen, sie aus der Bruderschaft vertreiben und ihr nicht mehr erlauben, in die Siedlung zu kommen. Das hatten sie fest beschlossen. Es ging eine Deputation zum Meister, um ihm mitzuteilen, was die älteren Freunde beschlossen hatten. Er hörte ihnen zu und sagte: „Was ihr erzählt, stimmt. Am einfachsten ist es, Magdalena zu vertreiben. Doch vorher muss jemand von euch freiwillig ihren Platz einnehmen. Denn sie stellt einen Kanal dar, durch den der ganze übelriechende Dreck abfließt, den die schwarze Bruderschaft gegen unsere (esoterische) Schule speit. Sie erfüllt diese Aufgabe sehr gut. Wählt einen von euch, der ihren Platz einnehmen soll und ich werde sie beseitigen.“ Die Freunde wechselten angstvolle Blicke und liefen entsetzt davon, ohne sich vom Meister zu verabschieden. Sie liefen weg, da sie Angst hatten, dass der Meister jemanden von ihnen dazu bestimmen könnte, Magdalenas Platz einzunehmen.

Einmal fragte sie der Meister: „Wieviel Lewa hat man dir bezahlt, damit du dieses Schild herumträgst?“ Sie antwortete ruhig: „Man hat mir 3000 Lewa versprochen, aber ich habe nur 1000 bekommen.“ Der Meister schüttelte den Kopf und sagte: „Du hast deine Seele sehr billig verkauft. Ich koste millionenfach mehr“. Sie fügte hinzu:“Ich wollte mehr haben, aber sie sagten mir, dass sie mich verwünschen und in die Hölle schicken würden“. Der Meister lachte und fuhr fort: „Die Diener der Hölle bezahlen den Preis der Verderbnis, damit sie so an das Licht jenes Glühwürmchens herankommen, welches durch deine Augen hindurch kann. Es ist ein Teil meines Wortes für die Diener der Hölle.“ Immerhin war in ihrem Bewusstsein ein Teil des Meisterwortes geblieben, obwohl es so winzig wie das Licht eines Glühwürmchens war.

Einmal rief der Meister Magdalena zu sich, die auf einen Spaziergang gekommen war, um zu schauen, was es Neues in Izgreva gab. Er fragte sie: „Kannst du eine Bitte erfüllen – als Kurier einen Brief von mir an Krishnamurti in Holland bringen und ihm aushändigen?“ „Klar kann ich das. Ich bin drei Kuriere wert, da ich drei Sprachen spreche – Englisch, Deutsch und Französisch. Ich kann sogar in einem einzigen Satz diese drei Sprachen benutzen.“ Der Meister lächelte und sagte: „ Ich weiß, dass du es kannst. Deshalb habe ich dich für diese Aufgabe ausgesucht. Ich warte auf dein Einverständnis.“ „Ich bin einverstanden, Meister, ich werde mich sofort auf den Weg machen.“

„Bereite deine Papiere vor, lass dir einen Ausweis ausstellen und kauf dir eine Fahrkarte“. Der Meister schickte sie zu Todor Stoimenov, der ihr den für die Reise und alle anderen Ausgaben notwendigen Betrag auszahlen sollte. Als dieser über die Sache erfuhr, lief er sofort zum Meister, denn er konnte seinen Augen und Ohren nicht glauben, dass diejenige Magdalena, die der Bruderschaft immer soviel Schaden zufügte, nun vom Meister als Kurier und als seine Botin zum Kongress der Theosophischen Gesellschaft in Holland geschickt wurde. Es gab keinen einzigen Menschen in Izgreva, der nicht über den demnächst abzuhaltenden Kongress Bescheid wusste.

Also lief Stoimenov zum Meister und Magdalena hinterher. Der Meister sagte ihm: „Sie wird mein Kurier sein und meinen Brief Krishnamurti bringen. Jeder Kurier wird von seinem Herrn bezahlt, der für die Ausgaben des Kuriers aufkommt. Deshalb sollst du ihr den Betrag für die Fahrkarte und alle möglichen Ausgaben auszahlen und sie wird ihn dir quittieren. Wenn sie zurückkommt, wird sie über das ausgegebene Geld Rechenschaft geben.“

Todor nickte, ging hin, gab ihr Geld und Magdalena fuhr nach Holland. Sie kam dort an und alles hat sich so eingerichtet, dass alle Türen, die für Unbefugte geschlossen und verschlossen waren, sich vor ihr auftaten. Magdalena war sehr dreist und packte niemanden in Watte. Sie kam dort an und ihr wurde ein Zimmer zugewiesen, das für die Delegierten aus den gehobenen Kreisen bestimmt war. Man sah, wie sie mit den Aristokraten auf gleicher Höhe kommunizierte, man hörte, wie sie drei Sprachen fließend sprach und daraufhin haben sich alle Türen vor ihr geöffnet. Schließlich traf sie Krishnamurti und übergab ihm den Brief des Meisters. Zuerst vermied Krishnamurti die Kontakte mit ihr, weil er es für unanständig hielt, sich als spiritueller Mann mit einer unbekannten Frau zu unterhalten. Er konnte sie kaum ertragen und wusste nicht, wie er sie loswerden konnte. Sie aber sagte zu ihm: „Was sind Sie denn für ein Meister- und Christus-Anwärter, wenn Sie mich nicht mal fünf Minuten lang ertragen können und mich ständig meiden? Mein Meister in Sofia erträgt mich schon so viele Jahre, obwohl ich ihm den größten Schaden zufüge.“ Und sie begann aufzuzählen, welche Unannehmlichkeiten sie dem Meister bereitet hatte. Krishnamurti begriff, dass die Sache kein Zufall ist und begann, Magdalena nach dem Meister und seiner Schule auszufragen. Sie hat ihm in aller Ausführlichkeit über alles berichtet. Danach las er den Brief des Meisters und traf schließlich seinen Entschluss.

Als alle ihn zum Weltlehrer ausrufen wollten, erklärte er, dass der Weltlehrer in Fleisch auf die Erde gekommen ist, sich in Bulgarien befindet und Peter Danov heißt. Eine der Zuhörerinnen, die dabei war und gehört hat, wie diese Worte ausgesprochen wurden, ist Magdalena Popova – die Kurierin ihres Meisters.

Sie kam zurück und berichtete, was sie dort gemacht und gesagt hatte, wo sie war und was geschehen war. Sie erzählte allerlei, doch keiner glaubte ihr, denn alle wussten wer Magdalena war und was für Probleme sie machte. Deshalb dachten die Freunde, dass sie auch dort etwas eingebrockt hat, um den Meister zu blamieren. Schließlich ging sie lachend zum Meister und erzählte ihm alles. Er hörte ihr die ganze Zeit aufmerksam zu und sagte dann: „Zum ersten Mal hast du ein Werk für Gott in der angemessenen Art erledigt. Jeder Schüler müsste über die Art und Weise stolz sein, wie du die Aufgabe erfüllt hast.“

Wir standen wie versteinert da und unsere Blicke wanderten von Magdalena zum Meister und zurück, ohne dass wir unseren Ohren und Augen glaubten. Aber sie hat ihre Aufgabe erfüllt und die beiden Vertreter des Meisters aus Bulgarien[1] konnten Krishnamurti auf zwei verschiedenen Wegen warnen und Magdalena hat ihm auch den Brief des Meisters überreicht. Wir waren von dieser Geschichte so verblüfft, dass wir Magdalenas Worten nicht glauben konnten, als wir sie von ihr hörten. Jemand hätte sie die ganze Geschichte ausführlich beschreiben lassen, berichten darüber, wie sie alles selbst erlebt hat.

Später kam Atanas aus Holland mit seiner neuen Frau und dem Kind zurück und erzählte, was sich in Holland zugetragen hatte. Dann begannen wir, allmählich an die von Magdalena erzählte Geschichte zu glauben. Als schließlich Sofroni Nikov[2] Georgi Kurtev gegenüber die Wahrheit zugab, hat sich der ganze Kreis dieser Geschichte geschlossen. Wir haben die Wahrheit begriffen und nun gebe ich sie den nächsten Generationen weiter.

Einmal hatte Magdalena wieder etwas angestellt und ein Bruder beschimpfte sie mit allen schlechten Ausdrücken, die ihrer feindlichen Tätigkeit in der Bruderschaft gerecht waren. Sie war aber nicht beeindruckt, sondern hat dem Bruder mit einer Anzeige gedroht. Sie war schon auf dem Weg zur Polizei, als der Meister, den man informiert hatte, herauskam und sich an mich wandte: „Gehe hin und hole Magdalena, sie soll nicht zur Polizei gehen und Mist bauen!“ Ich holte sie ein und sagte ihr, dass der Meister sie sprechen will, sie solle zu ihm gehen. Der Meister unterhielt sich mit ihr und konnte ihr das Vorhaben ausreden. Sie beruhigte sich und kam in die Siedlung zurück. Sie hätte wieder ein Feuer und dem Meister viel stärkere Unannehmlichkeiten verursacht. Es gab Kräfte, die einfach auf solche Fälle warteten und sie dann aufbauschten. Danach folgten Aktionen der Regierung und des Klerus gegen die Bruderschaft. Es gab viele solcher Fälle. Ein Mann hatte seine Frau verprügelt, weil sie „Danovistin“ war und sie lief von Zuhause weg. Daraufhin ging der Mann zur Polizei und sagte, dass ihm Danov die Frau gestohlen und sie in die Siedlung Izgreva geholt habe, damit sie seine Dienerin werde. Die Polizei nahm Untersuchungen auf, man hat den Izgreva aufgesucht und den Meister verhört. Am Ende hat sich erwiesen, dass die entlaufene Frau sich bei Verwandten befand, wo sie sich versteckt hatte. So wurde jeder einzelne Fall zum Angreifen und Beschuldigen des Meisters ausgenutzt. Solche Fälle waren sehr zahlreich.

Einmal kniete Magdalena vor den Meister hin und wollte von ihm, dass er sie in Anwesenheit aller segne. Vorher hatte sie wieder etwas angestellt, was einen ernsthaften Zwischenfall mit nachfolgender Hetzjagd und Verunglimpfung des Meisters verursacht hatte. Alle waren gegen sie, keiner wollte sie mehr dulden. Ein Bruder hatte sich sogar bereit erklärt, ihr Kreuz auf sich zu nehmen und zum Kanal zu werden, durch den das Böse abfließt, wenn sie ein für allemal die Siedlung verließe. Man dachte nämlich, dass kein größeres Übel als sie jemals geboren war, was irgendwo auf der Welt existieren konnte. Stellen sie sich vor, der Meister steht da und sie kniet vor ihm und möchte keine Vergebung, sondern seinen Segen. Alle sind wütend auf sie. Die Szene hatte den Höhepunkt erreicht. Ich schaute auf Magdalena und hatte Mitleid mit ihr. Ich hatte Mitleid mit diesem Wesen, das das Opfer fremder Mächte war und für mich eine klägliche menschliche Hülle darstellte. Ich habe in Gedanken den Meister gebeten, er möge Mitleid mit ihr haben. Der Meister sah mich leicht an, er sah auch die anderen an. Dann legte er seine Hand über ihren Kopf und segnete sie. Sie richtete sich auf und ging weg. Der Meister stand da und schwieg. Ich stand da, die Bruderschaft stand da und schwieg. Ich habe keiner dramatischeren Szene und keinem dramatischeren Finale beigewohnt. Sie ging weg und kam nie wieder zurück. Wir blieben zusammen mit dem Meister und mit Gott zurück. Einer Seele wurde von Gott erlaubt, ihren menschlichen Weg zu gehen. Wir Schüler standen vor dem Meister und schwiegen vor seiner Größe. Für uns war die Schule der Weg  und das Leben!“

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           Magdalena Popova mit Beinsa Douno (die Frau hinter seiner linken Schulter)

           Quelle

[1] Der andere Bulgare, der beim besagten Kongress der Theosophischen Gesellschaft dabei war und mit Krishnamurti sprach, war Atanas Dimitrov. Über diese Begebenheit wird hier im Blog demnächst berichtet.

[2] Der Vorsitzende der Theosophischen Gesellschaft in Bulgarien, der auch am Kongress teilgenommen hat

 

Um Magdalena Popova geht es auch in folgender Vorlesung Dimitar Mangurovs:

https://erzengelmichaelblog.wordpress.com/2017/01/05/der-aufstieg-des-ewig-weiblichen/

 

 

 

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