Die Vortragsreihe „Kraft und Leben“ von Beinsa Douno als Verkündigung des ätherischen Christus

Am 16.3.1914 hielt der Meister Beinsa Douno den ersten offiziell stenographierten Sonntagsvortrag in Sofia mit dem Titel „Seht, da ist der Mensch!“ Damit wurde der Anfang einer Vortragsreihe gesetzt, die den Titel „Kraft und Leben“ hat. 1915 begann die Veröffentlichung der ersten Serie unter diesem Namen, in der Sonntagsvorträge zusammengefasst sind, die Beinsa Douno in den Jahren 1914-1924 gehalten hat. Nach den eigenen Worten des Meisters sind in ihnen alle Grundprinzipien seiner Lehre enthalten, die er ‚die Neue Lehre der universellen Weißen Bruderschaft’ nannte.

In diesen Vorträgen, die mit Sätzen aus der Bibel beginnen, wird der tiefere christlich-esoterische Sinn der jeweiligen Verse erläutert und allmählich das Fundament seiner Lehre eingeführt.

Der Ausdruck сила и живот ‘Kraft und Leben’ ist übrigens in Bulgarien als Formel des Meisters Beinsa Douno allseits bekannt – auch diejenigen, die sich mit der Lehre der Weißen Bruderschaft nicht auskennen, wissen, worauf sich diese Worte beziehen.

Eine Auswahl aus den Vorträgen der „Kraft und Leben“- Reihe in verschiedenen Sprachen gibt es hier:

Es ist bemerkenswert, dass Rudolf Steiner in seinem Vortragszyklus „Das esoterische Christentum und die geistige Führung der Menschheit“ (GA 130) im Vortrag über die Erscheinung Christi im Ätherischen (Leipzig, 4. November 1911) genau diese Worte verwendet:

„Es ist Christus der eigentliche moralische Impuls, der die Menschheit mit moralischer Kraft durchzieht. Der Christus-Impuls ist Kraft und Leben, die moralische Kraft, die die Menschen durchzieht.“

Dort, wo es um den Bodhisattva geht, der einst zum Buddha aufsteigen wird, spricht Steiner folgendermaßen über die Bodhisattva-Aufgabe als Christus-Verkünder:

„Dreitausend Jahre von heute an gerechnet wird der oben erwähnte Bodhisattva zum Buddha, und dann wird seine Lehre unmittelbar Impulse ausgießen in die Menschheit. Er wird derjenige sein, den die Alten vorausgesehen haben: der Buddha-Maitreya, ein Bringer des Guten. Derselbe hat die Aufgabe, vorzubereiten die Menschen, daß sie verstehen den eigentlichen Christus-Impuls. Er hat die Aufgabe, immer mehr die Augen der Menschen zu richten auf das, was man lieben kann, immer mehr das, was man als Theorie verbreiten kann, einlaufen zu lassen in ein moralisches Fahrwasser, so daß zuletzt alles, was der Mensch besitzen kann an Gedanken, in das Moralische sich ergießt. Und während es heute noch durchaus möglich ist, daß einer sehr gescheit ist, aber unmoralisch, gehen wir einem Zeitalter entgegen, in dem es unmöglich sein wird, daß der Mensch gleichzeitig klug und unmoralisch sein kann. Es wird unmöglich sein, daß Klugheit und Unmoralität Hand in Hand gehen.

Es ist dies so zu verstehen: Diejenigen, die sich abseits gehalten und der Entwickelung widersetzt haben, werden die Kämpfer sein, die da alle gegen einander kämpfen. Selbst diejenigen, die heute die höchste Intelligenz entwickeln, werden, wenn sie in den folgenden Epochen sich nicht weiter entwickeln in Gemüt und Moral, von ihrer Klugheit keinen Nutzen haben. Die höchste Intelligenz wird ja in unserem Zeitalter entwickelt. Es ist darin auch ein Höhepunkt. Wer aber jetzt Intelligenz entwickelt haben wird und sich die folgenden Entwickelungsmöglichkeiten entgehen läßt, der wird durch seine Intelligenz sich selber vernichten. Sie wird dann wirken wie ein innerliches Feuer, das ihn verbrennt, verzehrt, klein und so schwach macht, daß er dumm wird und nichts anfangen kann, ein Feuer, das ihn vernichten wird in der Epoche, wo die moralischen Impulse ihren Höhepunkt erreicht haben werden. Während heute ein Mensch mit seiner unmoralischen Klugheit noch sehr gefährlich werden kann, wird er dann unschädlich sein. Dafür wird aber die Seele immer mehr und mehr moralische Kräfte haben, und zwar moralische Kraft, wie sie sich der Mensch heute noch gar nicht vorstellen kann. Die höchste Kraft und Moralität gehört dazu, um den Christus-Impuls aufzunehmen, so daß er Kraft und Leben wird in uns.“

Rudolf Steiner durfte die Identität des zukünftigen Buddha Maitreya nicht enthüllen, weil sich die Mission des Bodhisattva in den nächsten Jahren nach seiner Vorankündigung erst entfalten sollte. Wie Dimitar Mangurov schreibt, konnte der Begründer der Anthroposophie nicht vom ganzen Bodhisattva-Impuls schöpfen, „da er vorzeitig diese Welt verlassen hat. Nach seinem Tod war Steiner übersinnlich während der Vorträge Beinsa Dounos anwesend. Wir können uns aber unter den gegenwärtigem Bedingungen Kraft und Leben aus dem Impuls des Bodhisattva zu Eigen machen, wenn uns sein Name genannt wird – der Name des Hauptboten Christi auf Erden“ („Пътят към Аза”, Sofia, 2009, Heliopol, deutsche Fassung unter „Der Weg zum Ich“).

Den Autoren Filipov/Pavlov/Kalev ist diese bemerkenswerte Übereinstimmung des verwendeten Ausdrucks bei Steiner und Beinsa Douno ebenfalls aufgefallen. Sie vertreten die Meinung, dass Rudolf Steiner in seinen Vorträgen über die Mission des Bodhisattva im 20. Jahrhundert uns „eine der Hauptmethoden gegeben hat, durch die der Bodhisattva erkannt werden kann: Der Bodhisattva schaut Christus an und schöpft Inspiration für seine eigenen Worte aus der Kraft und dem Leben Christi. Deshalb wird das Wort des Bodhisattva die Seelen zu der Kraft und zum Leben Christi führen und den Namen Kraft und Leben tragen. Es gibt einen Meister im 20. Jahrhundert, der sein Wort Kraft und Leben genannt hat – das ist Beinsa Douno (vgl. “Бодхисатвата в ХХ век. В търсене на словото на Бодхисатва-Майтрея”/„Der Bodhisattva im 20. Jahrhundert. Auf der Suche nach dem Wort des Bodhisattva-Maitreya“, Sofia, 2007, S. 51).

Wenn man die Vorträge aus der „Kraft und Leben“- Reihe studiert, fällt einem auf, dass sie sich nicht nur mit Christus beschäftigen, sondern vollständig vom Christus-Geist erfüllt sind.

Im zitierten Vortrag aus GA 130 geht Steiner auch auf die Kraft des Wortes des Bodhisattva ein:

„Heute wird durch das Wort des Kehlkopfes es möglich, in Begriffen und Vorstellungen, durch das Denken, das Ziel verständlich zu machen und einzuwirken auf die Seelen im guten Sinne, um sie zu ästhetischen und moralischen Idealen zu erwärmen und zu begeistern. Die heutige Wortsprache wird aber in folgenden Zeitabschnitten abgelöst werden von mächtigeren Impulsen der Anregung, als es heute möglich ist durch die Sprache allein. Dann wird die Sprache, das Wort es bewirken, daß in ihm, dem Wort selbst, Kräfte liegen, welche Gemütsbewegungen übertragen von Seele zu Seele, vom Meister zum Schüler, vom Bodhisattva auf alle, die sich nicht abwenden von ihm.“

Das Erste, was auffällt, wenn man die Vorträge Beinsa Dounos liest oder sogar nur Zeitzeugengeschichten über den Meister hört, ist eben diese intensive impulsierende Kraft, die alles von ihm Gesagte durchdringt. Es ist z.B. eine allgemein verbreitete Erscheinung, dass diejenigen, die von den Aussagen des Meisters über den Fleisch- und Alkoholkonsum und dessen Konsequenzen für den spirituellen Schüler erfahren, sofort Vegetarier und Antialkoholiker werden. Und zwar abseits jeglicher hypnotischer, mediumistischer o.ä. Beeinflussung, sondern aus dem eigenen freien Willen heraus. Sie tun es nicht, weil es der Meister so gewollt hat, sondern weil seine Worte eine starke moralische Kraft ausstrahlen und unvergesslich in den Seelen bleiben. Man entschließt sich ohne Wenn und Aber, die Ratschläge des Meisters zu befolgen, weil das Moralische in seinen Vorträgen außerordentlich mächtig ist. Dadurch wirkt Beinsa Douno schon in der gegenwärtigen fünften Kulturepoche der Bewusstseinsseele durch die starken Impulse in seinem Wort, die tatsächlich Gemütsbewegungen übertragen können, als Vorbereiter der nächsten slawischen Kulturepoche.

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