Zum Gebrauch der Bezeichnung „Meister“ in Bezug auf Beinsa Douno

Im Bulgarischen wurde und wird Beinsa Douno als Учителя Беинса Дунo (Betonung jeweils auf der letzten Silbe) bzw. Учителя Петър Дънов bezeichnet. Das bulgarische Wort учител vereint die Bedeutungen der beiden deutschen Lexeme Lehrer und Meister (ohne sich vollständig mit allen Bedeutungsfacetten der deutschen Äquivalente zu decken). Daher bezeichnet bg. учител sowohl einen Lehrer in säkularer Form als auch einen spirituellen Lehrmeister, vgl. гимназиален учител ‘Gymnasiallehrer‘, Учителя Исус ‘Meister Jesus‘. Wenn es um einen besonders hohen spirituellen Meister geht, wird das Wort meistens großgeschrieben, um die Bedeutung der damit bezeichneten Person hervorzuheben.

Beinsa Douno wird hauptsächlich in exoterischen Kreisen als Учителя Петър Дънов bezeichnet, da dort seine Transformation in einen hohen geistigen Meister infolge der Inkorporation nicht bekannt ist. Doch selbst beim Namen Петър Дънов bestehen Abweichungen in der Transliteration. Sie liegen daran, dass der bulgarische Laut ъ keine Entsprechung im Deutschen hat. Er wird phonetisch als [ə] bezeichnet und ungefähr wie ein dumpfes ausgesprochen (vgl. z.B. dt. er am Wortende in aber oder engl. fur). Deshalb weist auch die deutsche Schreibweise mehrere Variante auf – Peter Danov/Deunov/Deunoff, Petӑr Dănov usw.

Die Schüler Beinsa Dounos haben die Anrede Учителю ‚Meister‘ verwendet, Außenstehende haben ihn als господин Дънов ‘Herr Danov‘ angeredet. Innerhalb der „Weißen Bruderschaft“ wird er heute noch als Учителя ‚der Meister’ bezeichnet. Hier sieht man den deutlichen Unterschied zu Rudolf Steiner, den man als Herr Doktor angesprochen hat. Das liegt daran, dass Rudolf Steiner in einem völlig anderen Umfeld wirkte. Seine Zuhörer und Schüler gehörten überwiegend zu Gesellschaftskreisen, in denen viel Wert auf Adelstitel, Bezeichnungen akademischer Grade u.ä. gelegt wurde. Daher wäre es undenkbar gewesen, dass jemand ihn einfach als Meister bzw. Lehrer bezeichnet hätte.

Auch soziokulturelle Unterschiede spielen hier eine Rolle. Rudolf Steiner hat entsprechend den Besonderheiten des westlichen Menschen (vom osteuropäischen Standpunkt aus gehört der deutschsprachige Raum auch zum Westen) gewirkt, der mehr im Kopf verankert ist und nicht so einfach mit dem Herzen wahrnehmen kann. Dementsprechend benutzte Steiner viele ausführliche Erklärungen und ausgefeilte, auf den Verstand bezogene Formulierungen, um den Zuhörern neue Informationen vermitteln zu können.

Die erste deutschsprachige Ausgabe mit Vorträgen Beinsa Dounos, die noch zu seinen Lebzeiten erschien, trägt den Titel „Der Meister spricht“. Sie wurde von deutschkundigen Schülern angefertigt, die das deutsche Wort Meister verwendet haben. An diese Tradition knüpften und knüpfen alle weiteren deutschen Übersetzungen seiner Vorträge (vgl. dazu auch die ausführlichen Erklärungen bei Kovacheva, Marburg/Lahn, 2010, S.217).

Das Wort Meister mag sicherlich dem Sprachempfinden manches West- oder Mitteleuropäers befremdend erscheinen, wie das aus entsprechenden diesbezüglichen Äußerungen ersichtlich ist. So wünschten sich Harrie Salman („Ein Bodhisattva aus Bulgarien“) oder Thomas Heinzel (in seiner Dissertation „Weiße Bruderschaft und Delphische Idee: Esoterische Religiosität in Bulgarien und Griechenland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“, Erfurt, 2013, S. 57), dass in Bezug auf Beinsa Douno das Wort Lehrer benutzt werden sollte. Nun beinhaltet aber das deutsche Wort Meister durchaus jene Bedeutung, nach der all diejenigen suchen, die sich um die Verbreitung des Wissens über das Leben und Wirken Beinsa Dounos bemühen: Meister 4. „bewunderter, verehrter, als Vorbild angesehener Lehrer (im Bereich von Wissenschaft oder Kunst); religiöser Führer, Religionsstifter (im Verhältnis zu seinen Jüngern oder Anhängern)“ (vgl. den Duden-Eintrag).
Diejenigen, die das Werk und Wirken Beinsa Dounos in seiner esoterischen Tiefe kennen, empfinden die Verwendung des deutschen Wortes Lehrer als inadäquat. Sie sind sich bewusst, dass sie es nicht mit einem gewöhnlichen Lehrer (Wilhelm Buschs Figur „Lehrer Lämpel“ ist auch ein Lehrer), sondern mit einem hohen spirituellen Meister zu tun haben, der zum Gefäß des Bodhisattva wurde. Schließlich hat Beinsa Douno selbst gesagt, dass der alte Mensch Peter Danov nicht mehr existiert und durch ihn ein hoher Geist spricht (vgl. z.B. hier oder hier).

Die Leser mögen bitte diese Erklärungen, die eine interessierte Person dankenswerterweise veranlasst hat, bei ihrer Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk Beinsa Dounos berücksichtigen.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s