Das vernünftige Herz

Ein wesentliches Ziel der von Beinsa Douno 1922 eingerichteten zwei okkulten Klassen – der „Jugendklasse“ und der „Allgemeinen Okkulten Klasse“ – war es, die Ausbildung eines sog. vernünftigen Herzens bei den Teilnehmern zu fördern. Das kommt z.B. in folgenden Worten zum Ausdruck:

„Bisher habe ich mir euren Verstand vorgenommen und ich sehe das Ergebnis in eurer verstandesmäßigen Entwicklung. Von nun an will ich mich mit eurem vernünftigen Herzen beschäftigen. Nicht mit dem Herzen im Allgemeinen, sondern mit dem vernünftigen Herzen des Menschen… Wenn ihr zögert, so sollt ihr wissen, dass euer Verstand beteiligt ist. Ihr müsst danach streben, euer vernünftiges Herz zu verstehen und ihm entsprechend zu handeln. Unabhängig davon, in welche Richtung ihr handelt: Wenn ihr das tut, was das vernünftige Herz euch diktiert, werden eure Angelegenheiten so gut gedeihen, dass ihr selbst zufrieden sein werdet. Die kleinste Aufgabe, die mit Hilfe des vernünftigen Herzens geregelt wird, ist hervorragend. Und beim guten Ausgang dieser Sache gibt es keine einzige Ausnahme. Das vernünftige Herz verfügt über Kenntnisse und Kräfte, die sich nicht nur auf etwas Besonderes, sondern auch auf alle möglichen Fragen beziehen … Deshalb wird das vernünftige Herz als eine Grundlage eures Lebens bleiben, von der aus euer Verstand sich in eine neue Richtung entwickeln wird. Das wird eure Errungenschaft, euer Kapital für die Zukunft sein.“ („Die guten Gewohnheiten. Das vernünftige Herz“, Okkulte Jugendklasse, Sofia, 30.3.1924)

Der Vortrag „Das vernünftige Herz“ für die Allgemeine Okkulte Klasse ist ebenfalls dem Ausbau dieses Herzens gewidmet, vgl. den ganzen Text hier .

Die Ausbildung des vernünftigen Herzens ist von entscheidender Bedeutung für die Menschheit der fünften Kulturepoche, in der die menschliche Intelligenz sich mit dem Spirituellen im Herzen verbindet, das allmählich zu denken beginnt und „vernünftig“ wird. (vgl. dazu folgenden wichtigen Vortrag)

Wenn man die Arbeit Beinsa Dounos am Ausbau des vernünftigen Herzens seiner Schüler studiert, ist es wichtig, auch Rudolf Steiners Vorträge über das Thema zu kennen. In GA 161 und 190 geht er auf das neue Ätherherz ein:

„Der Mensch wächst gleichsam ätherisch aus sich heraus, und das Eigentümliche ist, daß der Mensch, indem er ätherisch also aus sich herauswächst, außerhalb seines Leibes etwas ähnliches entwickelt, möchte ich sagen, wie eine Art Ätherherz. Als physische Menschen haben wir unser physisches Herz, und wir wissen alle zu schätzen den Unterschied zwischen einem trockenen, abstrakten Menschen, der wie eine richtige Maschine seine Gedanken entwickelt, und einem Menschen, der mit seinem Herzen bei alledem ist, was er erlebt; ich meine, mit seinem physischen Herzen dabei ist. Diesen Unterschied wissen wir alle zu schätzen. Dem trockenen Schleicher, der mit seinem Herzen nicht ist bei dem, was er in der Seele erlebt, muten wir nicht viel zu in bezug auf wirkliche Welterkenntnis auf dem physischen Plan. Eine Art geistiges Herz, das außerhalb unseres physischen Leibes ist, bildet sich aus, parallel all den Erscheinungen, die ich beschrieben habe in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», so wie sich das Blutnetz bildet und im Herzen sein Zentrum hat. Dieses Netz geht außerhalb des Leibes, und wir fühlen uns außerhalb des Leibes dann herzlich verbunden mit demjenigen, was wir geisteswissenschaftlich erkennen. Nur muß man nicht verlangen, daß der Mensch sozusagen mit dem Herzen, das er im Leibe hat, bei dem geisteswissenschaftlichen Erkennen dabei ist, sondern mit dem Herzen, das ihm außerhalb des Leibes wird; mit dem ist er herzlich bei dem, was er geisteswissenschaftlich erkennt.“ (GA 161, 1.5.1915)

„… seit dem Jahre 1721 lockert sich merkwürdigerweise immer mehr und mehr der Zusammenhang zwischen dem menschlichen physischen Herzen und dem Ätherherzen. Wenn ich so sagen darf: Wenn das physische Herz da ist und das Ätherherz da (siehe Zeichnung) so war das früher mehr ein Ganzes, jetzt kann das Ätherherz geschüttelt werden ätherisch, es ist nicht mehr innerlich so dynamisch verbunden wie früher. Später werden noch andere Organe des Menschen sich vom Ätherischen lösen. Das aber, daß das Herz nach und nach sich löst von seinem Ätherteil, und bis in das 3. Jahrtausend hinein, bis man 2100 ungefähr schreiben wird, sich ganz gelöst haben wird, das macht auch in bezug auf die menschliche Entwickelung etwas sehr Bedeutsames aus. Was es ausmacht, das kann man in der folgenden Weise charakterisieren. Man muß sagen: Das macht das aus, daß die Menschen nötig haben, etwas, was ihnen früher von selbst kam durch den natürlichen Zusammenhang zwischen physischem Herzen und Ätherherzen, auf einem anderen Wege zu suchen, auf dem Wege des spirituellen Lebens. Dieses vom physischen Herzen losgetrennte Ätherherz, das wird seine richtige Beziehung zur geistigen Welt nur gewinnen, wenn der Mensch sucht spirituelles Wissen, wenn der Mensch sucht anthroposophisch orientierte geistige Gedanken. Das muß immer mehr und mehr gesucht werden.“ (GA 190, 5.4.2919)

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