Das Tor des Großen Wissens

Aus dem Buch „Briefe von Bojan Boev“, Bd.2

Izgrev, 28. Januar 1957

Lieber Bruder!

Heute essen wir an den Außentischen zu Mittag. Vor uns liegt der Garten mit blühenden Rosen, deren Duft zu uns herüberkommt. Die Rosen haben verschiedene Farben – weiß, pink, rot, gelb. Alles hier ist fabelhaft, als wären wir in einem überirdischen Paradies. Stille und Frieden herrschen im Izgrev. Wenn jemand aus der Stadt hierher kommt, ist er beeindruckt von der Ruhe, die er hier findet. Der Meister sagte einmal: „Der Izgrev ist eine Oase in der Wüste“.

Eine Schwester fragte: „Warum finden unsere Jahrestreffen im August statt?“

Der Meister antwortete: „Der Anfang des physischen Jahres ist der 1. Januar, der Anfang des spirituellen Jahres ist der 22. März und das Göttliche Jahr fängt im August an.* Dann findet auf der Sonne ein Treffen mit Vertretern aller Planeten statt. Deshalb veranstalten wir unsere Jahrestreffen im August. Dann gibt es die günstigsten Bedingungen für sie.“

Ein Bruder fragte: „Sie hatten uns in der Jugendklasse die Aufgabe gestellt, einige Sterne auszuwählen und sie in jeder klaren Nacht zu beobachten. Was ist die spirituelle Bedeutung der Sternbeobachtung?“

„Es gibt Wesen in der Natur, die die Welt überall erleuchten können. Es existieren viele Arten von Strahlen. Es wäre der Vorsehung auch möglich gewesen, uns die Wahrnehmung einiger anderen Arten von Strahlen zu gewähren, durch die wir es nachts viel heller hätten haben können, aber die Vorsehung befahl, dass es Tag und Nacht gebe und dass es nachts dunkel sei, damit wir die Sterne sehen, weil sie lehrreich wirken. Indem wir die Sterne beobachten, verbinden wir uns mit dem Ewigen, mit einer Welt großer Harmonie und Schönheit, mit den Gedanken der hellen Wesen, die sie bewohnen. Und das erhebt, veredelt und erzieht uns. Das gibt uns den Anstoß, für etwas Erhabenes zu leben.“

Ein Bruder fragte, wie die Feuertänze der Nestinari zu erklären sind. Der Meister sagte: „Wenn du deinen Fuß ins Feuer setzt, wird das schmerzen. Wenn du die Schwingungen deines Körpers erhöhst, so dass sie höher werden als die Schwingungen des Feuers, wirst du dich nicht verbrennen. Das ist die Erklärung der Feuertänze. Der Körper der Nestinari zittert schneller als das Feuer, und deshalb verbrennt sie das Feuer nicht. Es kommt auf die starken Vibrationen des Körpers an.“

Eine Schwester fragte: „Wie kann ich mein Gedächtnis verbessern?“

Der Meister antwortete: „Entferne alle Ängste und Besorgnisse aus deinem Bewusstsein, alle Unruhen, die schlechten Gedanken und Gefühle. Sie verursachen eine Gedächtnisschwächung. Übe das tiefe Atmen, dieses verbessert das Gedächtnis. Iss nie zuviel! Niemals Speisen mit entgegengesetzter Wirkung bei einer Mahlzeit essen, sie sind schwer verdaulich! Mache Konzentrationsübungen! Denke beim Bücherlesen über das Gelesene nach, ohne dass der Gedanke abschweift!“

Es gibt ein Gesetz: Wenn du jemandes Hässlichkeit beschreibst, dann überträgt sie sich auf dich. Beschreibe nie die Hässlichkeit eines Menschen!

Männer sollten sich vor verdorbenen Frauen und Frauen vor verdorbenen Männern hüten, diese sind nämlich Vampire, die die menschliche Energie aussaugen. Der Mensch wird kraftlos und krank und verfällt geistig. Verdorbene Männer und Frauen wirken wie Vampire.

Ich gebe euch eine Regel: Erfreue dich an den Leistungen der anderen! Freue dich über das, was sie erworben haben! Freue dich an der Gelehrsamkeit der anderen wie an deiner eigenen! Freue dich an den Fähigkeiten der anderen wie an deinen Fähigkeiten! Es gibt ein Gesetz: Wenn man sich an dem fremden Wohl freut, wird man es selbst erlangen.

Wenn der Kausalleib bei dir entwickelt ist und du auf einem Stuhl sitzt, so tritt deinen Platz ab, ja gehe sogar hinaus, um deinen Platz dem anderen zu opfern! Heute machst du das, morgen machst du das und so erziehst du allmählich deinen Kausalleib. Das ist eine schöne Methode, sich zu entwickeln.

Wenn sich dein Kausalleib entwickelt hat, werden die höheren Wesen kommen, um ihm zu helfen. Das ist eine kollektive Arbeit. Wenn du nicht für dich selbst, sondern für andere lebst, werden dir diese höheren Wesen helfen. Der Kausalleib verfügt über neue Kräfte. Das Organisieren des Kausalleibes und der höheren Leiber des Menschen heißt Organisieren des Geistleibes. Dies geschieht auch in folgender Weise:

1. Durch Kontemplation, Konzentration und Gebet, jeden Tag mindestens eine halbe Stunde lang, mit voller Konzentration des Bewusstseins.

2. Durch die Manifestation der Liebe.

3. Indem wir Gott und dem Ganzen dienen.

Eine Schwester fragte: „Meister, sagen Sie etwas über die Verwirklichung unserer Wünsche!“

Der Meister sagte: „Es gibt nichts, was sich ein Mensch jemals gewünscht und nicht bekommen hat. Was immer man sich wünscht, wird einem gegeben, aber nicht sofort. Es kann verwirklicht werden, wenn man sich bereits geistig erhoben hat und über den Wunsch hinausgewachsen ist. Dann könnte die Verwirklichung des Wunsches einem sogar Leid zufügen.

Jemand war Raucher und wünschte sich Tabak. Aber es wurde ihm kein Tabak gegeben. Er wurde 80 und hatte sich inzwischen das Rauchen abgewöhnt, dann bekam er Tabak. Warum? – Weil er sich einst Tabak gewünscht hatte. Deshalb muss man sich vor unvernünftigen Wünschen hüten, damit man später nicht leidet.

Ein Bruder fragte: „Was können wir tun, damit die Leute uns glauben?“

Der Meister antwortete: „Ich werde euch einen der Wege nennen. Ein guter Mann ging in den Wald und sah einen Räuber. Dem guten Mann war bewusst, dass das Göttliche auch im Räuber lebt. Und dann kam das Gute, das Göttliche im Räuber zum Vorschein und dieser sagte: „Du bist ein guter Mensch, ich habe Geld. Ich werde es dir zur Verfügung stellen. “

Ein Bruder fragte, wie man das Unbehagen in eine gute Stimmung verwandeln kann.

Der Meister gab zur Antwort: “Wenn ihr missmutig seid, geht dorthin, wo es viele Menschen gibt und wenn ihr zurückkommt, werdet ihr gut aufgelegt sein. Die Natur liebt die Vielfalt. Zu diesem Zweck kann man auch zu den Bäumen gehen, zu den Blumen. Das wirkt lehrreich.“

Ein Bruder sagte: „Manche Okkultisten behaupten, dass man nicht in die Welt gehen sollte, um sich nicht schmutzig zu machen.“

Der Meister erwiderte: „Diese gehören zu den einfältigen Okkultisten. Wenn man unter die Menschen oder zu den Pflanzen geht, nimmt man andere Energien auf, die einen erneuern. Es gibt auch andere Wege, die Verstimmung in eine gute Stimmung umzuwandeln.

Es gibt ein großes Wissen, dass es zu erwerben gilt. Die Liebe ist das Tor zu ihm. Achtet darauf, dass mehr Licht durch euer Fenster kommt! Ihr müsst euch freuen. Es gibt zu viele gute Dinge, die man lernen kann, deshalb braucht man Zeit, bis man an sie kommt.

Die Liebe ist das einzige Tor, durch das man zum Wissen gelangt. Wo es keine Liebe gibt, kannst du nicht lernen, denn dann wirst du nicht gut aufgelegt sein.

In der Wissenschaft seid ihr noch Erstklässler.

Die östliche Philosophie hat sehr wenig Brot, es reicht ihr selbst kaum, deshalb versteckt sie es, sie gibt nichts davon ab und hält es hinter Schloss und Riegel. Der westliche Okkultismus verfügt auch nicht über die tiefen Methoden.

Die Neue Lehre enthält Wissen in Überfluss, sie führt den Menschen zur Quelle. Es gibt okkulte Wissenschaften, die beschäftigen sich mit Eingemachtem und andere okkulte Wissenschaften, die beschäftigen sich mit frischen Früchten, die sie von den Bäumen im Garten pflücken. Diejenigen, die dem Alten folgen, verzichten auf das Neue, das Gott in diesem Moment sagt. Die zukünftigen Generationen werden dem folgen, was wir jetzt lernen.

Ein Bruder fragte nach der Lehre der Yogins. Der Meister sagte ihm: „Zu der Lehre der Yogins müssen wir uns so verhalten, wie sich Christus zu den Propheten verhielt. Der Weg der Yogins ist eine Vorbereitung auf die Göttliche Lehre. Die Lehre der Yogins hat den Sinn, dass sie den Weg vorbereitet. Wir lehnen die Lehre der Yogins nicht ab. Sie haben den Weg vorbereitet. Das Neue, das jetzt kommt, das ist das Göttliche.

Der Bruder fragte: „Daniel war in der Schule der Essäer, waren David und Salomo auch in dieser Schule?“

Der Meister erwiderte: „Die Schule der Essäer hatte zwei Kreise – einen inneren und einen äußeren Kreis. David gehörte zum äußersten Teil des inneren Kreises und Salomo gehörte zum äußeren Kreis. Christus hat die Gesetze des Pflanzen- und des Tierreiches verstanden, Er beherrschte die ganze Göttliche Wissenschaft in der Tiefe. Und jeder Mensch, der sich mit Ihm verbindet, wird sich mit der Quelle eines großen Wissens verbinden. Wir können uns gern mit dem Wissen des Altertums beschäftigen, doch wichtig ist dasjenige Wissen, das von Christus kommt, das jetzt kommt.

Wir sammeln das ein, was wir verloren haben. Wir können kaum an den Zustand heranreichen, den wir früher hatten. Das, was heute „Fortschritt“ genannt wird, ist kein Fortschritt. Heutzutage besteht der Fortschritt im Zurückerlangen des Verlorenen und erst wenn dieses zurückerlangt wird, werden die Menschen mit dem Fortschreiten beginnen. Der Mensch braucht das wahre Wissen. Hat er das, wird er niemals in eine Notlage geraten.

Wer Wissen hat, kann die Ursachen überwinden. Ein gelehrter Mann, der verfolgt wird, kann Nebel erzeugen, in dem er versinken wird oder wenn er im Winter verfolgt wird, einen halben Meter flüssigen Schlamm bilden, so dass die Verfolger ihn aus den Augen verlieren.

Die Welt ist voller Reichtümer. Ihr habt noch nicht die Schatzkammer der Natur betreten, um zu sehen, was für Schätze da gehortet werden. Im Buch Jesaja steht: „Ich gebe dir verborgene Schätze.“ (45:3)

Es wird allen Menschen das Wissen gegeben, das ihrer Entwicklungsstufe entspricht. Denjenigen, die treu und reif sind, wird mehr anvertraut werden. Das Wissen ohne Liebe ist gefährlich. Das Wissen mit Liebe ist etwas Erhabenes.

Einer kam und fragte mich: „Sag mir, wie kann man die bösen Menschen wiedererkennen?“ Ich habe ihm geantwortet, dass ich ihm das nicht sagen kann. Wenn er nämlich weiß, welche Menschen böse sind, wird er dieses Wissen missbrauchen.

Es gibt magische Worte, wenn jemand sie ausspricht, ist er umzäunt. Dieses magische Wort besitzt starke schöpferische Kraft. Bei solcher Kraft bleibt der Wolf stehen, er greift nicht an, denn er weiß, dass er Schaden nehmen wird, wenn er angreift. Wenn man nur ein solches Wort ausspricht, wird alles in Ordnung gebracht.

Die Natur ist voll mit großem Wissen, wenn der Mensch seine Fähigkeiten entwickelt. Auf jedem kleinen Stein ist die Geschichte aufgeschrieben. Zukünftig wird der Mensch riesige Bibliotheken haben, in jedem kleinen Stein wird die Geschichte gelesen werden.

Die Wissenschaft wird einen großen Aufschwung erleben, wenn man beginnt, auch die geistigen Funktionen der Organe zu erforschen.

Mit herzlichem Brudergruß:

Euer treuer B. Boev

* Die große Paneurhythmie findet jährlich vom 19.-21. August am fünften See („Die Niere“) im Rilagebirge statt. Nach dem alten Julianischen Kalender ist der 19. August auch der Tag der Verklärung Christi.

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