Aus Bojan Boevs Buch „Gespräche an den Rilaseen“

 

24. Gespräch mit dem Meister

10 Uhr morgens. Seen, Felsen, Gipfel – alles ist üppig in Sonnenlicht getaucht. Das blaue Firmament bringt Frieden, Ruhe und Vertrauen in die rationalen Grundlagen des Lebens der Seele.

Auf einer schönen Anhöhe steht das Zelt des Meisters. Alle sind um ihn herum versammelt. Die Gesichter sind fröhlich und strahlend. Ist das nicht ein Vorgeschmack auf die schöne Welt, die der morgige Tag bringt? Wir kamen auf das majestätisches Bild vor uns zu sprechen. Der Meister sagte:

– Dies ist ein großartiger Bau! Millionen von Jahren haben hier fortgeschrittene Wesen nach einem großen Plan gebaut! Ein hoher Ideengehalt wird in den neuen Tourismus eingebracht. Der Berg ist ein Ort zum Lernen und Arbeiten. Und die Arbeit, die wir hier leisten, hat eine innere Seite.

Ein Naturgesetz besagt: Alles, was du draußen tust, weckt einen ähnlichen Prozess im Bewusstsein. Wenn du die Quelle hier draußen reinigst und verschönerst, lässt du dabei auch die Quellen in den Tiefen deiner Natur fließen.

Wenn du die Dinge draußen ordnest, so bringt dies mit einem alchemistischen Prozess die gleiche Ordnung in die Welt deiner Gedanken, Gefühle und Handlungen. Das lässt sich auch in der Erziehung anwenden.

Dann ging es um die Probleme, die die heutige Kultur betreffen. Jemand fragte:

– Was ist charakteristisch für die heutige Zeit?

– Heute befinden wir uns an der Schwelle des Moments, wenn die menschliche Seele aufblühen wird. Das größte und ungewöhnlichste Ereignis im Leben eines Menschen ist die Wahrnehmung des ersten Strahls der Liebe. Die Seelen haben noch nicht geblüht. Die Leiden sind eine Vorsichtsmaßnahme, damit die Seele nicht vorzeitig aufblüht und vom Frost befallen wird. Allmählich werden alle Seelen aufblühen – manche früher, andere später. Jetzt muss man den Menschen über das Aufgehen und Erwachen des menschlichen Bewusstseins reden, über das Empfangen des ersten Strahls der Liebe. Diejenigen Seelen, die nach Licht dürsten, werden aufblühen und Frucht ansetzen!

– Was sind die Anzeichen des Erwachens einer Seele?

– Solange es Widersprüche in ihr gibt, ist sie noch nicht aufgeblüht, sondern befindet sich immer noch in einem Knospenzustand. Bei ihrem Erwachen verschwinden alle Widersprüche. Wenn das Weizenkorn im Speicher oder im Boden ist, liegt ein Widerspruch vor. Es kann sich nicht vorstellen, warum es manchmal von anderen Körnern von oben gedrückt wird und warum es sich manchmal in der Erde befindet. Aber wenn es auf dem Feld aufkeimt, verschwinden die Widersprüche. Das individuelle Leben der Menschen ähnelt einzelner Partikeln, die durch das Feuer gehen müssen, um zusammenzukleben. Und dieses Feuer ist die Liebe. Wenn sie nicht kommt, kann nichts getan werden. Man muss so denken, um sich selbst nicht zu täuschen.

Wenn die Sonne aufgeht, kommen die Blumen zum Vorschein. Ebenso bringt der Mensch die Schönheit seiner Natur zum Vorschein, wenn er Gott als Liebe erkennt.

Was den Menschen von innen heraus lehrt, wie man Gutes tut, wie man gut mit seinen Nächsten umgeht usw., das ist die Große Vernunft, die in ihm wirkt.

– Wie kann man sich mit der realen Welt verbinden?

– Jemand möchte ein besseres Leben als dieses haben. Es gibt ein besseres Leben – das Leben der Liebe. Sie ist die schönste Kombination zwischen den Gedanken, Gefühlen und Handlungen eines Menschen. Entferne die Widersprüche in deinem Verstand, in deinem Herzen und in deinem Willen und dann wird sich dir die reale Welt offenbaren.

Liebe ist dasjenige, was die Augen öffnet! Und dann wirst du die Schönheit des göttlichen Lebens um dich herum sehen. Die Liebe ist der am leichtesten zu verstehende, der einfachste und natürlichste Weg, auf dem man zur Realität, zum Leben gelangen kann.

Wenn ihr große Schwierigkeiten habt, seid ihr wie eine Blume, die von einem großen Felsen gedrückt wird. Aber die Natur hat einen Riss im Felsen gelassen, und die Blume muss ihn finden, durch ihn hindurchgehen, über dem Felsen herauskommen und aufblühen!

– Was bedeutet es, einen Menschen zu kennen?

– Die menschliche Seele ist ein Buch, in dem der Unendliche etwas geschrieben hat. Wenn du einem Menschen begegnest, lies das, was Gott in ihn geschrieben hat. Wenn du an der Blume vorbeikommst und lesen kannst, was der Unendliche in sie geschrieben hat, wird sie sich freuen und ihre Freude wird ein Echo in dir finden.

Freut euch, dass ihr liebt! Freut euch, dass ihr aus diesem heiligen Buch lesen könnt, in das Gott geschrieben hat! Stattdessen trauert ihr, dass ihr nicht geliebt werden! Freut euch auch wenn ihr nicht geliebt werdet, denn dann habt ihr einen Grund zum Lieben!

Es ging um die Seligpreisungen. Jemand fragte:

– Wie kommt man zu ihrer inneren Bedeutung?

– Nur durch die Liebe. Wenn jemand Liebe manifestiert, dann sind diese Seligkeiten die Formen, die Wege, auf denen er zur Realität gelangen kann. Aber die Seligkeiten sind außerhalb der Liebe unverständliche Dinge. Zum Beispiel kann ein Mensch mit äußerlichen Anstrengungen, auf mechanische Weise nicht „geistig arm“ sein, sondern nur durch die Liebe! Die Seligkeiten stellen eine Methode dar, durch die sich die Liebe auf der Erde anwenden lässt.

– In welchem ​​Verhältnis stehen Gesetz und Gerechtigkeit zur Liebe?

– Wenn wir jemanden lieben, werden wir ihm das Recht geben. Zum Beispiel wird ein Vater, der seinen Sohn liebt, ihm Land und Rechte geben und ihn bei sich behalten. Wenn wir jemanden lieben, sind wir ihm gegenüber gerecht. Und wen wir nicht lieben, dem tun wir Unrecht an. Die Gerechtigkeit ist ein Hilfsmittel der Liebe. Ohne Liebe können sich die Dinge nicht manifestieren und ohne Gerechtigkeit lassen sie sich nicht anwenden. Die Menschen müssen erkennen, dass sie vom Gott die gleichen Rechte haben.

– Kann die Gewalt vermieden werden?

– Die Gewalt ist ein unnatürlicher, schmerzhafter Prozess. Und die Krankheit muss zur Gesundheit werden. Man kann sowohl an sich selbst als auch an anderen Gewalt anwenden. Im Tierreich kann der Starke zufrieden gestellt werden, jedoch nicht der Schwache. So wie die Menschen jetzt leben, können sie nicht zufrieden gestellt werden. Sie werden einander verstehen, wenn die Liebe ein Faktor im Leben wird. Andernfalls wird das Tierprinzip in der Welt regieren: Der Starke wird siegen, er wird das Recht haben.

Wenn die Ordnung des Egoismus herrscht, ist die Gewalt unvermeidlich. Aber sobald wir die göttliche Ordnung der Liebe haben, wird die Gewalt überflüssig und ausgeschaltet sein.

Die große Liebe in der Welt hat einen Plan für alles vorgesehen – einen Plan für ein vernünftiges Leben. Und die Menschen müssen den göttlichen Plan in der Natur studieren. In diesem Plan ist alles vorgesehen. Um ihn zu studieren, muss man den menschlichen Körper studieren. Und nur wenn die Menschen gelernt haben, wie dieser funktioniert, werden sie die neue Ordnung verstehen.

-Wann wird sie kommen?

– Es geht darum, das Bewusstsein zu erwecken. Wenn der Mensch sich mit der Geschwindigkeit eines Ochsenkarrens bewegt, wird man Jahrhunderte brauchen, um sein Bewusstsein zu erwecken. Und wenn er sich mit der Lichtgeschwindigkeit bewegt, dauert es nur kurze Zeit. Wenn das Bewusstsein schnell erwacht, so werden auch die Probleme schnell gelöst.

Die gegenwärtige Ordnung, welche die Menschen haben, ist menschlich. Für die dummen Menschen wird diese Ordnung noch einige Tausend Jahre andauern, und für die klugen Menschen wird sie sich noch heute ändern, und sie werden sich von ihr befreien.

Wenn du einem Menschen begegnest, sage ihm: „Werde ein Kanal für die göttliche Liebe!“ Alle Menschen tragen Kerzen, aber diese sind nicht angezündet. Wenn deine Kerze brennt und du jemanden triffst, so zünde seine Kerze an; er wird andere Kerzen entzünden usw.

– Was ist die Zukunft des Slawentums?

– In der Zukunft wird das Slawentum aus der Eisenzeit herauskommen und in das goldene Zeitalter seiner Geschichte eintreten. Aber seine Mission wird nicht eng nationalistisch oder rassenmäßig sein, sondern allgemeinmenschlich und spirituell.

– Was wird die zukünftige Ernährung sein?

– In der Zukunft werden alle Menschen Obst essen. Dies wird in der sechsten Rasse1 sein. Und der Unterschied zwischen ihr und dem gegenwärtigen Leben wird der gleiche sein wie der Unterschied zwischen Mensch und Tier. Die sechste Rasse wird die Völker zueinander näherbringen.

1 Nach der anthroposophischen Terminologie geht es um die sechste Kulturepoche.

 

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