Aus der frühen Kindheit Peter Danovs

Aus dem Buch mit Erinnerungen von Zeitgenossen und Schülern „Peter Danov – Meister, Heiler und Prophet“, Stara Zagora, 2008

Petar Konstantinov Danov wurde am 12. Juli 1864 im Dorf Nikolaevka in der Region Varna geboren. Sein Vater war der orthodoxe Priester Konstantin Danovski, eine bekannte Person der bulgarischen Wiedergeburtszeit; seine Mutter hieß Dobra, die Tochter des Tschorbadschi (Großgrundbesitzer) Atanas Georgiev. Peter war das dritte Kind seiner Eltern und er wurde so genannt, weil er am orthodoxen Petrustag geboren wurde. Die Mutter hat diese Welt früh verlassen und Peter wurde von seiner Schwester Maria erzogen, die zehn Jahre älter war. Sie erzählte später von ihrem Bruder, dass er ein sehr sanftmütiges und gehorsames Kind war und niemals etwas kaputt gemacht hatte. Dauernd saß er ruhig und bastelte oder baute etwas. Peter war dünn und bei zarter Gesundheit. Er begann spät zu laufen und sprach nicht. Am Anfang sagte er einzelne Silben, doch dann hörte er damit auf. Drei, vier, fünf Jahre vergingen und die Familie dachte bereits, er würde überhaupt nicht sprechen können.

Sein sechstes Jahr kam. Eines Morgens gingen seine Mutter Dobra, die Schwester Maria und sein Vater Konstantin auf die Felder. Der kleine Peter blieb zu Hause mit der Großmutter, die das Essen kochte, aufräumte und sich um den Enkel kümmerte. Während der Kleine spielte, wandte er sich unverhofft an seine Großmutter und sagte: „Oma, mach mir eine Schaukel!“ Seine Großmutter erschrak, denn bis dahin dachten alle, dass der Junge stumm bleiben würde. Sie beeilte sich, band eine Schaukel an einen Baum, wiegte ihren Enkel, sang und freute sich, dass er doch noch zu sprechen begann. Es war eine große Freude für alle, als sie von den Feldern zurückkehrten und sie feierten, sangen und tanzten.

Einmal beschlossen sie während der Erntezeit, Peter auf die Felder mitzunehmen. Die Männer hatten die Garben schon gebunden. Es war kurz vor Mittag, als der kleine Peter zu den auf dem Boden liegenden Garben ging, auf eine von ihnen kletterte und laut rief: „Bauern, bringt alles ins Trockene, denn es zieht ein Gewitter auf!“ Die Dorfbewohner sahen sich um, aber der Himmel war klar, es gab keine einzige Wolke, aber das Popenkind, das bis gestern geschwiegen hatte, sprach jetzt und redete Unsinn. Sie setzten ihre Arbeit fort, ohne den Jungen zu beachten. Aber seine Mutter Dobra beschloss, den Worten des Kindes Glauben zu schenken, damit es nicht wütend wird und wieder verstummt. Und da sie die Tochter von Tschorbadschi Atanas, also die neue Chefin war, wies sie die Schnitter an, mit der Arbeit aufzuhören und die Garben zu sammeln. Die Bündel wurden kreuzweise aufeinandergelegt, damit Regen oder Hagel sie nicht beschädigen konnte.

Die anderen Bauern beobachteten, wie die Schnitter des Popen zur Unzeit aufhörten zu ernten und die Garben schon aufeinanderlegten. Sie sahen sich an, lächelten und sagten: „Nun, der Popenjunge begann zu sprechen, es wird Zeit, dass sie ihm jeden Wunsch erfüllen.“

Aber es verging keine Stunde, man war gerade mit den Garben fertig geworden, als schwarze Wolken den Himmel verdunkelten. Ein starker Wind blies, es zog ein Sturm mit strömendem Regen und Hagel auf. Man brachte das Vieh unter den Birnbaum und die Schnitter fanden unter dem Pferdewagen Schutz vor dem Hagel.

Nachdem der Hagel aufgehört hatte, waren die Bauern, die vorher gelacht und gespottet hatten, jetzt vor Schock erstarrt. Der Hagel hatte ihre Felder verwüstet.

Es gab an jenem Tag keine glücklichere Mutter als Dobra. Von diesem Tag an wussten die Dorfbewohner, dass der kleine Peter das Wetter vorhersagen konnte. Deshalb sagten sie, wenn sie auf dem Feld arbeiten mussten: „Fragt erst mal das Popenkind!“

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