Vier Übungen zur Entwicklung des Willens

Ein sehr gutes Video, das die Übungen veranschaulicht, gibt es hier.

Die Übungen werden mit dem Gesicht nach Süden langsam ausgeführt, indem langsam und rhythmisch in 6 Takten gezählt wird. Beim Knien berührt das Knie nur ein wenig den Boden.

Zu den Willensübungen sagte der Meister Beinsa Douno Folgendes:

Das sind keine gewöhnlichen Übungen, sondern Übungen, die nach den Gesetzen der Natur ausgeführt werden. Wenn ihr sie nach den Gesetzen der Natur macht, werdet ihr davon profitieren. Alle Übungen folgen einem bestimmten Gesetz. Wir werden versuchen, das Gesetz zu begreifen, sofern es rhythmisch werden kann. Diese Übungen sind einfach, aber euer Verstand muss daran teilnehmen. Wenn ihr auf einem Bein steht, sollte es kein Schwanken, kein Zögern geben, da dies auf einen nervösen Zustand hinweist. Jedes Zögern ist ein Symptom dafür, dass es bestimmte Elemente gibt, die außerhalb eurer Natur liegen, mit denen ihr fertig werden solltet. Das ist kein Mangel eurer Natur, es zeigt jedoch, dass es einige Hindernisse gibt, die ihr überwinden müsst.

In diesen Übungen beginnt der Wille bewusst zu wirken, deshalb nenne ich sie ‚Willensübungen‘. Sie steuern jede Bewegung. Jeder wird üben, um sie gut auszuführen.

Der Fehler der modernen Bildung besteht darin, dass wir die Dinge in wichtige und unbedeutende unterteilen, während in den Manifestationen der Natur alle Momente, alle Handlungen gleich wichtig sind. Dort gibt es keinen Prozess und keine Handlung, die als unwichtig angesehen werden können – sie sind alle gleichwertig…

Für euch ist wichtig, dass ihr in erster Linie besonnen seid und nicht übereilt. Die Schnelligkeit wird erst zum Schluss kommen. Wisst ihr, dass die schnellen und phlegmatischen Menschen zwei Extreme sind? Derjenige, der es immer eilig hat, hockt sich schließlich irgendwo und wird phlegmatisch. Bei den phlegmatischen Menschen haben die Drüsen die Übermacht, sie beginnen den Menschen zu kontrollieren und er wird phlegmatisch. Solche Menschen sehen aus wie Fässer, während diejenigen, die es immer eilig haben, wie trockene Stöcke aussehen. Habt ihr bemerkt, wie sich der übereilige Mensch bewegt, der wie ein trockener Stock aussieht? Er ist viel zu leicht und wenn eine Welle kommt, wird sie ihn fortreißen. Alle können mit ihm tun, was sie wollen. Der Phlegmatiker sollte im Meer einen Teil seines Gepäcks abwerfen und der Dürre etwas zu seinem Gepäck hinzuzufügen, für beide besteht die Gefahr des Ertrinkens. Man muss vital sein, ein vitales Temperament haben, der Einfluss von Magen und Lunge sollen im Gleichgewicht sein. Wenn der Einfluss des Magens überwiegt, liegt ein phlegmatisches Temperament vor. Wenn der Einfluss der Lunge überwiegt, liegt ein sanguinisches Temperament vor. Wenn die Leber die Übermacht hat, haben wir ein cholerisches Temperament und wenn der Einfluss der Nerven überwiegt, haben wir ein nervöses Temperament.

Was bedeutet die erste Bewegung nach vorne? Beide Arme – das ist der Wille, die Manifestation der Liebe. Man macht den ersten Schritt – um Gutes zu tun. Man zählt bis sechs – also hat man sich bereits entschieden, Gutes in der Welt zu tun. Dann beginnt das Knien – das ist der Herabstieg ins Leben, um das zu verwirklichen, was man beschlossen hat. Du hast einen falschen Schritt gemacht – trete zurück (was in den Übungen geschieht) und korrigiere deinen Fehler! Du hast vor, Böses zu tun – trete jetzt nach demselben Gesetz zurück! Auf die gleiche Weise, wie du das Gute tust, wirst du auch das Böse in dir selbst glätten. Diese Bewegungen nach vorn und zurück verlaufen in einer geraden Linie.

Ich gebe euch diese Erklärungen für die erste Übung, die der erste Schritt im Leben ist – Gutes zu tun. Und diese Schritte werden ‚das Gesetz der Selbstverleugnung‘ genannt. Macht den anderen Menschen Platz – wenn jemand kommt, um Gutes zu tun, werdet ihr zurücktreten und ihm Platz machen, damit er in Erscheinung treten kann. Platz ist auch für euch da, denn es gibt drei Situationen: Wenn jemand kommt, um Gutes zu tun, wirst du ihm deinen Platz abtreten: Es kann ein Zweiter erscheinen – du wirst ihm auch deinen Platz abtreten und der dritte wirst du selbst sein. Wenn sich euer Fuß in eine bestimmte Richtung bewegt, um eine gute, vernünftige Tat zu vollbringen, werden alle anderen vernünftigen Wesen und Kräfte mit euch zusammenarbeiten. Eine Bewegung ist nur dann vernünftig, wenn sie im Einklang mit den Bewegungen aller vernünftigen Wesen steht; Eine Bewegung ist dann unvernünftig, wenn wir selbst etwas tun und die anderen nicht teilnehmen. Wenn wir eine bestimmte Handlung ausführen, spüren wir die Wirkung dieses inneren Gesetzes. Wenn alle Wesen in Harmonie mit uns waren, fühlen wir innere Freude und wenn wir etwas Dummes tun, fühlen wir uns traurig. Dies zeigt, dass unser Handeln unzeitgemäß ist; es mag richtig sein, aber es stimmt nicht mit den vernünftigen Kräften überein. Jede Bewegung von uns, jeder Gedanke von uns, jedes Gefühl von uns muss im Einklang mit dem ganzen göttlichen Gesetz aller Wesen stehen, die im kollektiven Bewusstsein sind. („Kurze Erläuterungen zu den Gymnastikübungen und anderen Fragen“, Veliko Tarnovo, 20.08.1921)

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