Die Intuition

Allgemeine okkulte Klasse, Vorträge an den Sieben Seen, 23.7.1930, 5:00 Uhr

Wenn man durch felsige Gegenden geht und seinen Fuß oder einen anderen Körperteil stößt, empfindet man Schmerzen. Was verursacht den Schmerz? Der Stoß. Der Stoß ist nichts anderes als die Übertragung einer besonderen Art von Energie, die man nicht braucht. Daher verursacht alles, was man nicht braucht, Schmerzen. Unzufrieden damit, dass er sich gestoßen hat, sagt der Mensch: “Wieso konnte niemand hier einen Weg bauen?”Eine menschliche Hand kann nicht reparieren, was die Natur eingerichtet hat. Wenn die Bergstraße geglättet werden muss, wird dies zuerst die Natur tun. Menschliche Kräfte sind nicht in der Lage, die Wege der Natur zu bestimmen. Andere Kräfte arbeiten dort. Bisher wurden dem Menschen zwei Aufgaben übertragen: die Säfte seines Herzens zu empfangen und sie zu seinem Verstand zu lenken. Die zweite Aufgabe des Menschen besteht darin, seinen Verstand zu entwickeln, um Gottes Wege und die Gesetze zu verstehen, durch die die Welt geschaffen wurde. Den eigenen Verstand zu entwickeln bedeutet, das eigene Denken zu intensivieren. Wenn der Gedanke eines Menschen stark ist, kann er Gottes Segen empfangen und weitergeben. So wird er zum Leiter des Göttlichen. Wenn der Gedanke schwach ist, kann er nichts erreichen. Über einen solchen Menschen sagt man, dass er nicht entwickelt ist.

Egal wie gelehrt jemand ist, wenn er die großen Segen des Lebens nicht benutzen kann, ist seine Gelehrsamkeit nur vorübergehend. Kann er von diesen Segen profitieren, ist er ein wahrer Wissenschaftler, ein Weiser. Wenn er die Segen des Lebens nicht benutzen kann, wird er – unabhängig davon, wieviel Wissen er auf sich lädt, immer einfältig bleiben. Was sagt ihr über das Kamel, das ihr mit Edelsteinen und Gold beladen habt? Ob es mit Juwelen oder gar nicht beladen ist, das Kamel bleibt ein Kamel. Wenn es keine Last trägt, ist das Kamel mit seiner Lage zufriedener, es bewegt sich leichter. Wenn der Mensch also die Segen nicht richtig verwenden kann, verursachen sie ihm Schmerzen. Alles, was einem Menschen Schmerzen bereitet, ist ihm fremd. Er muss das Fremde, das er nicht gebrauchen kann, loswerden. 

Woher weiß ein Mensch, welche Dinge für ihn notwendig und welche unnötig sind? Durch die Intuition. Die Intuition ist ein göttliches Gefühl, das jedem Menschen einverleibt wurde, aber sie ist nicht bei allen Menschen gleichermaßen entwickelt. Wer dieses Gefühl in sich entwickelt hat, prüft die Dinge selbst. So wie man keinen Professor zu suchen braucht, der ihm sagen kann, ob eine Zitrone sauer ist, so ist es auch für denjenigen, der über die Intuition verfügt, nicht notwendig, dass ihm die Dinge nachgewiesen werden.

Wenn jemand prpfen möchte, wie sauer eine Zitrone ist, nimmt er ein Messer, schneidet sie auf und probiert sie. Wenn man etwas außerhalb seiner fünf Sinne prüfen möchte, wird man seine Intuition anwenden und alles wissen, was einen interessiert. Wenn man das weiß, muss man seine Intuition konsultieren. Gerätst du in eine schwierige Situation, kannst du ein bestimmtes Problem nicht lösen, so wende dich an deine Intuition. Sie wird dir sagen, was zu tun ist. 

Die Intuition ist ein wahres Gefühl, sie lügt nie. Als göttliches Gefühl ist sie der Kapitän des menschlichen Schiffes. Solange man auf diesen Kapitän hört, kann man sich überhaupt nicht irren. Verstand, Herz und Wille sind die Diener dieses Kapitäns. Wenn Verstand, Herz und Wille auf ihn hören und ihm gehorchen, lebt der Mensch gut. Wenn sie nicht auf ihn hören, weicht das Leben des Menschen vom richtigen Weg ab.

Christus sagt: Wenn ein Mensch nicht wiedergeboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes eintreten. Diejenigen, die das Gesetz nicht verstehen, denken, dass es schwierig ist, geboren zu werden. Ist es für das Weizenkorn schwierig, geboren zu werden? Säet ein Weizenkorn in die Erde, so dass es günstige Bedingungen hat und lasst es frei sein. Es wird wachsen, blühen und Früchte tragen. Ist es schwierig, das Gute in euch selbst zu stärken? Egal wie klein es ist, wenn ihr ihm günstige Bedingungen für seine Entwicklung gebt, wird es zunehmen und Früchte tragen. 

Wenn es den Menschen nicht gelingt, das Gute zu entwickeln, liegt es daran, dass sie es nicht in günstige Bedingungen stellen. Manchmal sind sie stark im Bösen, im Negativen, weil sie dem Bösen gute Bedingungen für seine Entwicklung geben. So hört ihr zum Beispiel jemanden sagen, er sei unfähig. Er behält diesen Gedanken ständig im Kopf und arbeitet nicht. Was bedeuten die Worte „ich bin unfähig“? Man ist unfähig, einen tiefen Fluss zu überqueren, der keine Brücke hat. Wenn es eine Brücke gibt, ist man schon in der Lage, diesen Fluss zu überqueren. Wenn der Fluss also keine Brücke hat und du ihn nicht überqueren kannst, so werde fähig, eine Brücke zu bauen und ihn zu überqueren. Der Grund, warum zwei Menschen sich nicht lieben, ist, dass es keine Brücke zwischen ihnen gibt. Lasst jeden von ihnen ein Brett legen und die Brücke wird schon da sein. Sobald die Brücke fertig ist, wird auch die Liebe kommen. Jemand beschwert sich, dass ihn niemand liebt. Was muss er tun, um von den Menschen geliebt zu werden? Er soll einen Obstgarten an einem Ort anlegen, an dem viele Menschen vorbeikommen. Allen, die an seinem Garten vorbeikommen, soll er Früchte geben: Äpfel, Birnen, Pflaumen, Wassermelonen, Honigmelonen. Bald wird er gute, freundschaftliche Beziehungen zu diesen Menschen aufbauen und sie werden ihn liebgewinnen. Jeder hat unbepflanzte Stellen in sich, die er mit guten Früchten anbauen soll. In höchstens fünf Jahren wird er Früchte haben, durch die er sich mit den Menschen verbinden kann, so dass sie ihn lieben werden. Es ist gut, jeden Tag einen guten Gedanken in euren Verstand und ein gutes Gefühl in euer Herz zu pflanzen, damit ihr etwas habt, was ihr unter euren Nächsten verteilen könnt. Es ist schön, die menschliche Seele zu sehen, in der duftende, bunte Blumen wachsen. Indem man duftende Blumen und gute Früchte in den Garten seiner Seele pflanzt, schafft man Bedingungen für die Manifestation der Liebe zu seinen Nächsten. Als Schüler müsst ihr daran arbeiten, die Liebe zu erlangen, ohne Angst vor eurem früheren Leben zu haben. Die Vergangenheit ist genauso notwendig wie die Gegenwart. Die Vergangenheit ist die Einführung in die Gegenwart. Man lernt aus seiner Vergangenheit. Ohne die Erfahrungen der Vergangenheit bleibt das neue Leben für den Menschen unzugänglich. Wie die Erinnerungen an die Vergangenheit sind, ob gut oder schlecht, spielt keine Rolle. Aus der menschlichen Sicht sind die Dinge gut und schlecht, jedoch nicht aus der Sicht der Natur, die alles nutzt. Wenn du also denkst, das Leben sei nicht gut und es habe keinen Sinn zu leben, schaue mit dem Auge der Natur, in der alle Dinge von Bedeutung sind. Und wenn du dann denkst, dass du nicht in der Lage bist, etwas mit deinem Verstand und deinem Herzen zu tun, dann überlasse es der Intuition. Sie wird alles tun, wofür du dich für unfähig hältst.

Wenn man den Menschen über die bewusste Arbeit an sich selbst, über den Dienst an Gott redet, sagen sie, dass sie sich heute nicht dazu verpflichten wollen. Eines Tages, wenn sie rein und heilig werden, wollen sie Gott dienen. Warum? Weil sie denken, dass Gott sie heute bei ihrem sündigen Leben nicht lieben kann. Sie irren sich. Wenn sie aufrichtig Gott dienen wollen, sollen sie jetzt beginnen. Verschieben sie das auf die Zukunft, wenn sie heilig und rein werden, werden sie viel verlieren. Es ist nicht leicht für einen Menschen, ein reines und heiliges Leben zu erreichen. Dies ist eine Arbeit, die Jahrhunderte dauert, sie kann nicht an einem Tag geschafft werden. Was Gottes Beziehung zum Menschen anbelangt, bleibt sie in allen Zeiten und Zeitaltern gleich.

Gott ist in sich selbst unveränderlich. Seine äußere Beziehungen zu den Menschen, zu allen Lebewesen sind unterschiedlich, aber die inneren Beziehungen sind gleich. Mit anderen Worten: Innerlich hat Gott allen Menschen die gleichen Bedingungen gegeben, aber die äußeren Bedingungen sind je nach den Bedürfnissen jedes Menschen unterschiedlich. 

Jemand wird sagen, dass er Sünden begeht. Wenn man sündigt, sollte man nicht bereuen, sondern in seinem Fehler eine Lektion finden. Wenn man einen Fehler macht, sollte man sich freuen, dass man die Gelegenheit erhalten hat, eine seiner Tugenden zu manifestieren. Je größer der Fehler ist, desto größer muss die Tugend sein, die man an den Tag legt. Auf solche Menschen bezieht sich der Vers „Alles, was im Leben eines Menschen geschieht, der Gott liebt, wird sich zum Guten wenden.“ 

Viele machen Fehler, weil sie alles auf einmal erwerben wollen. Das ist unmöglich. Kann man alles auf einmal essen? Ist es nicht besser, jeden Tag ein bisschen zu essen, als alles auf einmal zu essen? Ist es nicht besser, jeden Tag ein wenig zu verstehen, als alles auf einmal zu verstehen? Um zu einem tieferen Verständnis des Lebens zu gelangen, braucht man besondere Bedingungen. Um das Leben eines Tieres zu verstehen, muss man sich in seine Lage versetzen, seinen Verstand und sein Herz verstehen. Dann wird das Tier selbst bereit sein uns zu dienen. Wenn das Tier keine Verbindung zum Menschen hat, läuft es vor ihm weg. Um das Leben der Engel zu verstehen, muss man sich mit ihren Gedanken und Herzen verbinden. Ohne diese Verbindung kann kein Verständnis existieren.

Wenn ihr also die Dinge in ihrer Realität verstehen wollt, solltet ihr das eurer Intuition übertragen. Was auch immer sie sagt, glaubt ihr. Wenn ihr an euren Verstand und euer Herz glauben müsst und euch von ihnen leiten lasst, seid ihr auf dem falschen Weg. Die Diener können nicht ihren Herrn anleiten. Wenn man das ihnen überlässt, werden sie unbedingt den falschen Weg einschlagen. Wenn du etwas lernen möchtest, beauftrage deine Intuition damit. 

Wie lange du auch immer lernen und philosophieren magst, in tausend Jahren wirst du nicht so viel lernen, wie du an einem Tag durch die Intuition gelernt hast. Durch die Intuition kannst du lernen, wie das Leben auf der Sonne und auf dem Mond ist und mit deinem Verstand wirst du kaum lernen, aus welchen Elementen sich die Sonne zusammensetzt. Wenn jemand sagt, dass er mit der Sonne kommunizieren kann, dann soll er über etwas berichten, was für das Leben und die Wesen der Sonne charakteristisch ist. Wenn ihr zum Beispiel über die Menschen als Bewohner der Erde sprecht, werdet ihr sagen, dass sie alle atmen, denken, fühlen und sich bewegen. 

Wenn ihr in die Berge gekommen seid, habt ihr die Voraussetzungen, um das Gute in euch zu manifestieren. Wenn ihr beispielsweise über einen Stein stolpert, braucht ihr nicht wütend zu werden, sondern bückt euch und verlegt den Stein an eine Stelle, wo er die Wanderer nicht behindert. Wenn ihr in eine kleine Pfütze tretet und schmutzig werdet, bleibt stehen und legt sie trocken. Wenn ihr die Latschenkiefer betrachtet, schaut nicht auf sie herab, sondern denkt an ihr Leben, an die Bedingungen, unter denen sie sich befinden, um eine Lektion in Geduld zu erhalten.

Nehmt etwas saubere Asche von den verbrannten Latschenkiefern, siebt sie gut und benutzt sie als ein Heilmittel. Wenn ihr euch unwohl fühlt, nehmt eine Messerspitze von dieser Asche, gießt sie in ein Glas heißes Wasser und trinkt es, wenn sich die Asche abgesetzt hat. Seid beim Wandern  dankbar für alles, was ihr seht. Der Berg mit seiner Vegetation stellt das Werk großer Meister dar, die seit Jahrhunderten gearbeitet haben. Alles, was sie getan haben, hat eine Bedeutung und einen Sinn. Wenn ein Genie schafft, legt es einen Sinn in seine Arbeit hinein. Was werdet ihr dann über jene genialen Meister sagen, die in der Natur schaffen? 

Seid also munter, fröhlich und stark. Die Kraft des Menschen liegt in der Tatsache, dass Gott in ihm wirkt. Solange das Leben andauert, ist der Fluss stark. Wenn das Leben verschwindet, verschwindet auch die Kraft des Flusses. Daher liegt die Kraft nicht im Fluss, sondern im Leben, das durch ihn fließt. Aus dem gleichen Grund sage ich: Die Kraft liegt nicht im menschlichen Bewusstsein, sondern im Leben, das von Gott kommt und in den Menschen einfließt. Wenn ihr das wisst, achtet darauf, nicht den Weg für das Göttliche in euch selbst zu verstopfen, zu versperren. Wenn das passiert, kommt euer Schmutz rein statt raus. Verstopft nicht die Rohre eures Abwasserkanals, durch die der Schmutz austritt. Entstopft die Rohre eures Abwasserkanals, damit das Gute und Saubere von außen einfließen kann. Haltet eure Rohre offen für das Gute, das von außen kommt und hineinfließt. Haltet auch die Rohre offen, damit das Böse von innen nach außen herauskommt. Wenn ihr das erreicht, wird euer Leben so eingerichtet sein, wie Gott es beabsichtigt hat. 

Singt nun das Lied „Gott ist Liebe“ https://youtu.be/1HkrcYDkf44

Der Geist Gottes, der Geliebte unserer Seelen, wird alles für uns tun. 

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