Gebete zur Heilung

GEBET ZUR GENESUNG

Allgegenwärtiger und allgütiger Gott, im Namen des Herrn, der mit Deinem Knecht gesprochen hat, möge Dein Gesunden durch uns, Deine Diener, zur Herrlichkeit Deines Namens, geschehen.

Wir danken Dir, dass Du uns erhört hast. Nur Du bist unser Gott und außer Dir haben wir niemanden. Du bist es, der Du uns immer gesunden lassen kannst und Dein Genesenlassen ist Gesundheit für Seele und Körper. Stelle die Einheit des Wirkens von Verstand und Seele, von Seele und Körper wieder her. Lenke die Quelle des Herzens auf das Gute und die Kräfte des Körpers auf eine nützliche Arbeit.

Möge dieser unser Bruder/diese unsere Schwester …, der/die jetzt leidet, Deine Barmherzigkeit erfahren, auf dass wir uns alle in der Gegenwart Deiner Liebe, Deiner Güte und Deiner Kraft erfreuen können.

Amen

Das Gebet wird mittwochs, samstags und sonntags morgens zwischen sieben und neun Uhr gesprochen.

GEBET FÜR KRANKE

Herr der Kräfte, Du bist unsere Zuversicht von Geschlecht zu Geschlecht. Wir werden Deine Barmherzigkeit allezeit lobpreisen. Du hast einen Bund mit Deinen Auserwählten aufgerichtet, denn Du hast die starke und stützende Hand, denjenigen Barmherzig- keit zu zeigen, die Deinen Namen kennen.

Wende, Herr, Deinen Blick zu dem leidenden Bruder/zu der leidenden Schwester (. . . ), beachte ihre Leiden und erleichtere sie. Wir glauben fest an Deine Worte, die Du gesagt hast „Rufe mich an und ich werde dir antworten, denn ich bin der Herr, dein Gott, der deine Rechte stützt und dir sagt: Fürchte dich nicht, Ich helfe dir! Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst und dich namentlich gerufen. Du bist der Meine, wenn du Gewässer durchquerst. Ich werde mit dir sein; wenn du durch das Feuer gehst, wirst du dich nicht verbrennen und keine Flamme wird dich zum Brennen bringen und fürchte dich nicht in der Ohnmacht, denn ich bin mit dir!“ Erhöre jetzt mein Gebet und ergieße Deine Barmherzigkeit im Überfluss über uns!

Amen

GEBET ZUM HEILEN

Herr, Du bist die Quelle des Lebens! Sende mir Deine lebenspendende Kraft – den Geist, auf dass er meinen Verstand, mein Herz, meine Seele, meinen Willen und meinen Körper heile. Auf dass er mich von allen physischen und psychischen Krankheiten und Leiden heile, auf dass er mich mit Gesundheit, Kraft und Liebe, mit Jugend und Schönheit beschenke; auf dass er in mir Talente und Fähigkei- ten entwickele, damit ich leben und lernen kann, Dir zu dienen!

Amen

Zum Heilen sollen die Psalmen 102, 40, 35, 91, 70, 86, 88, 97, 115, 116 gesprochen werden.

Für psychisch Kranke Psalm 57.

GEBET „DER HEILIGE GEIST“ (FÜR KRANKE)

Wenn jemand in Christus ist, ist er ein neues Geschöpf.

Mögen auf dich all diese Segnungen herabsteigen und auf dir ruhen.

Ich werde dich heilen.

Ein Körper und ein Geist!

Ich bin der Herr, der dich heilt.

Sei gereinigt!

Herr, sei barmherzig

zu mir, dem Sünder!

Heile meine Seele und erbarme dich! Betet füreinander,

um zu heilen.

Die Bitte, die mit Glauben geschieht, wird den Leidenden/die Leidende … erlösen.

Amen

GEBET FÜR DIE GESUNDHEIT

O, Herr, mach mein Gebet zu einem lebenspendenden Strom, der die Män- gel meines Ichs nichtig macht, auf dass mein Dasein sich fortsetze. Durch Deine Herrschaft kann ich an Dich denken und Dich in jeder Welt Deiner Welten lobpreisen.

Amen

GEBET FÜR KRANKE

Herr der Liebe, Herr des Lebens und der Gesundheit, wir, Deine Kinder, im Namen der Liebe versammelt, kommen zu Dir, um Dir für Deine große Barmherzigkeit zu danken.

Großer Herr, wir wenden uns an Dich, auf dass Du unserem Bruder/unserer Schwester (…), der/die schon seit langer Zeit an einer schweren Krankheit leidet, Deine Barmherzigkeit sendest. Herr, wir beten zu Dir, ergieße durch uns, Deine Diener, Deine Güte zu seiner/ihrer Heilung und sende, so bitten wir, Deine himmlischen Diener, auf dass sie ihm/ihr Hilfe, Gesundheit und Erneuerung im Leben, das Du für Deine Auserwählten bewahrst, bringen.

Großer Herr, möge unser Bruder/unsere Schwester Deine große Barmherzigkeit empfangen und sich gesund und lebensfroh fühlen.

Herr, wir danken Dir, dass Du uns erhört hast. Wir nehmen mit Freude die Leiden in unserem Leben an und werden mit Freude Deinen gütigen Willen erfüllen.

Amen

Gebet zum Zerschlagen der Ränke des Verführers

(kniend zu sprechen, die Worte „das bulgarische Volk“ durch „das deutsche/schwedische etc. Volk“ zu ersetzen)

Gott, Herr der Mächte, im Namen Jesu Christi, durch den Du uns gnädig erlaubt hast, Dich aufzurufen – wir, deine Kinder, kommen heute Morgen/Abend und knien vor Deinen Füßen. Wir bitten Dich, Herr, dass Du die Pläne aller dunklen Mächte des Verführers zerschlägst und vereitelst, die das bulgarische Volk, in dessen Mitte Du uns gesandt hast, geistig und politisch zermürben und ruinieren wollen. Gott, wir bitten Dich, unser Gebet zu erhören und anzunehmen und die Seele des bulgarischen Volkes zu erheben, damit es Deinen Segen nicht verliert. Amen. Amen Amen. 

Der Weg des Schwachen und des Starken

(auch unter dem Titel „Die zwei heiligen Wege“ bekannt)

Allgemeine okkulte Klasse, Sofia, 1.5.1929, Mittwoch, 5:00 Uhr

Nachdenken über „Die gute Botschaft“

Ich werde euch jetzt einige Regeln für das Leben geben. Erste Regel: egal, wie lange und auf welche Art ihr das Garn zerfasert, es wird genauso viele Fäden wie am Anfang enthalten. Dabei dürft ihr nicht denken, dass euer Leben sich besser einrichten lässt, als es früher war. Diese Regel lässt sich auf alle Lebenslagen anwenden. Egal, wie lange ihr also über eine Frage hechelt, sie bleibt so, wie sie ursprünglich war.

Zweite Regel: Der Schüler darf sich niemals von seiner Umgebung beeinflussen lassen. Wenn er einmal in die [okkulte] Schule eingetreten ist, muss er für sich lernen, danach streben, die Schule erfolgreich zu absolvieren. Es darf ihn nicht bekümmern, ob seine Mitschüler fortschreiten oder nicht. Indem er gut fortschreitet, hilft er damit indirekt auch den anderen. Will er nicht lernen, so wird er auch seine Mitmenschen schlecht beeinflussen. 

Dritte Regel: Ihr dürft niemals mehr übernehmen, als es notwendig ist. Jeder soll soviel Last tragen, wie er in der Lage ist. Denkt nicht, dass ihr beim Überladen eures Esels mehr Arbeit erledigen werdet. Überladet nicht euren Verstand mit mehr Wissen, als ihr vertragen könnt!

Das sind Regeln, die zwar alle Menschen kennen, doch sie haben sie nicht angewendet. Diejenigen, die diese Regeln nicht angewendet haben, sollten es tun.

Als Schüler solltet ihr neben jeder Arbeit, die ihr erledigt, auch die Musik studieren. Die Musik, der Gesang dienen dem Menschen nicht nur zur Vergnügung, sondern sie helfen ihm, schwierige Probleme im Leben richtig zu lösen. Durch Musik und Gesang transformiert man seine [Seelen]zustände. Neben der Vokal- und Instrumentalmusik existiert auch die Musik des Lebens, die für die verschiedenen Menschen je nach der Tonleiter, in der sie sich bewegen, verschieden ist. Es gibt Tonleitern des Lebens, von deren schädlichem Einfluss man sich, einmal dort hinein gelangt, schwer wieder befreien kann. Wenn der Mensch singt oder musiziert, ist jedes Lied in der Lage, ihn von seiner Notlage zu befreien oder seinen Gemütszustand zu ändern. So z.B. bringt der Vogelgesang, das Singen der Nachtigall eine gewisse Poesie in die Menschenseele hinein. Es gibt Sänger, deren Gesang Freude, Schwung in die Menschenseele bringt. Wer sich mit Musik und Gesang beschäftigt, hat die Möglichkeit, auf die östliche und westliche Musik zu stoßen, beide miteinander zu vergleichen und sich derer zu bedienen. Studiert das Leben in all seinen Erscheinungsformen und lasst sie euch behilflich sein. Behaltet das Gute und haltet das Böse fern von euch. Ihr werdet Angenehmes und Unangenehmes in eurem Leben erleben, aber lasst euch davon nicht stören. Es gibt in der Natur Täler und Berge. Wenn ihr in ein Tal heruntersteigt, werdet ihr einen bestimmten Zustand haben. Steigt ihr auf einen Berggipfel, wird der Zustand anders sein. Was ihr in der Natur seht, dem begegnet ihr auch im Leben. Das Leben ist keine Fläche. Wenn ihr es bewusst studiert, werdet ihr bemerken, dass in ihm Täler, Berge, Meere, Flüsse, Ozeane usw. sind. Im Leben, wie auch in der Natur, gibt es Berggipfel, die in ihrer Höhe unerreichbar und Täler, die in ihrer Tiefe unzugänglich sind. Wie der Bergsteiger zu den hohen Gipfeln strebt, so strebt jeder Mensch danach, einen Gipfel des Lebens zu besteigen und von dort die Dinge zu betrachten und sich belehren zu lassen.

Nun werdet ihr, wenn ihr solche Dinge besprechen hört, euch fragen, warum der Mensch lebt, warum er sich freut und trauert, warum er geboren wird und stirbt usw. Wie lange auch ihr euch Fragen nach diesem oder jenem stellen mögt, ihr solltet wissen, dass nur solche Fragen beantwortet werden können, die eine mathematische Lösung haben. Wenn sich eine Frage nicht mathematisch lösen lässt, hat sie keine andere Antwort. – Was ist der Himmel? – Das ist eine Frage, auf deren Erörterung ihr noch nicht bereit seid. Manch einer möchte wissen, warum er oft nichts zum Essen hat. Die Antwort lautet: Der Mensch hungert, um das Leiden kennenzulernen. Das sind keine philosophischen Antworten, aber der Vernünftige wird sich derer bedienen, wie er sich des Mehls bedient, um ein frisches Brot zu backen. Ihr werdet sagen, dass ihr das nicht versteht und dass es euch erklärt werden soll. Ihr solltet wissen, dass die Natur nur Rätsel aufgibt, um die Menschen zum Denken zu bringen. Wenn sie ihnen alle Erscheinungen erklären würde, würden sie überhaupt nicht denken. Aus demselben Grund deuten wir auch die Dinge an, ohne sie zu Ende zu erklären. Um seinen Verstand zu entwickeln, muss der Mensch selbst denken, er darf nicht erwarten, dass ihm die Antworten auf seine Fragen in den Schoß fallen. Als Schüler müsst ihr euch hauptsächlich mit jenen Fragen beschäftigen, die zum Verständnis des Lebens beitragen.

Als Schüler der Großen Schule müsst ihr vor allem gesund sein – nicht nur körperlich, sondern auch psychisch gesund sein. – Wer ist psychisch krank? – Derjenige, der unzufrieden ist, der  zweifelt, der seinen Verstand, sein Herz und seinen Willen nicht beherrscht. Der Mensch ist nicht schuld, dass er krank geworden ist, aber er ist schuld, wenn er sich nicht heilen lässt. Der Mensch ist nicht schuld, dass er seinen Verstand, sein Herz und seinen Willen nicht beherrscht, aber er ist schuld, wenn er nicht an seiner Erziehung arbeitet. Er muss seinen Verstand, sein Herz und seinen Willen erziehen, zur vollständigen Selbstbeherrschung kommen.

Nun wollen wir zur Musikfrage zurückkommen. Als Schüler solltet ihr singen und ein Instrument spielen, euch der Musik bedienen können. Es gibt keinen Menschen auf der Erde, der nicht singen kann. Auch Reden ist Musik, Gesang. Je musikalischer ein Mensch ist, desto musikalischer spricht er. Man sagt über jemanden, dass er süß spricht, dass sein Sprechen Musik ist. Das vernünftige Sprechen ist Musik, Singen. Manch einer sagt, dass er keine Musik braucht. – Nein, ohne Musik kann der Mensch nicht existieren.

Das Essen, Sprechen, Schreiben, Gehen, die Bewegungen – das ist alles Musik. Der Bulgare bewegt sich zwischen der Dur- und Moll-Tonleiter. In den bulgarischen Volksliedern überwiegt die Moll-Tonleiter, was sich nicht gut auf die Erziehung des Bulgaren auswirkt. Er muss etwas in seinem Lied ändern, jedes Element erlangen, das ihm fehlt. Um herauszufinden, was ihm fehlt, muss er gut die physische Welt studieren. Diese Welt ist das Vorwort zur geistigen Welt. Wenn der Mensch die physische Welt nicht kennt, wird er auch die geistige Welt nicht verstehen. Wenn der Mensch grundsätzlich, nicht nur der Bulgare, die physische, die sichtbare Welt nicht versteht, wird er in keiner Weise die unsichtbare, die geistige Welt verstehen.

Nun werde ich euch ein neues Lied geben: „Neva sanzu“, das in einer fremden, östlichen Sprache ist. Es lässt sich nicht ins Bulgarische übersetzen, da die Silben nicht übereinstimmen werden. Außerdem werden die Worte des Lieds ihre Kraft einbüßen, wenn sie ins Bulgarische übersetzt werden. Wenn der Mensch inspiriert singt, ist er schöpferisch tätig. In diesem Sinne ist das Singen ein schöpferischer Prozess. Im Lied „Du sollst erkennen, du sollst lieben“ ist der Weg, den der Mensch zurücklegt, glatt, ohne Hindernisse. Im Lied „Neva sanzu“ ist der Weg nicht glatt. Der Mensch muss aus der Höhe ins Tal heruntersteigen, eine komplizierte Frage im Leben lösen. Die Musik hilft dem Menschen bei bestimmten Krankheiten. Er kann sich durch Musik heilen. Die Musik ist ein besseres Heilmittel als alle Medikamente und Spritzen. Auch wenn man eine Aufgabe im Leben nicht lösen kann, muss man trotzdem singen. 

Es singen nicht nur die gewöhnlichen Menschen, sondern auch die größten Adepten und Heiligen. Ihre Musik hat schon länger als die Musik auf der Erde existiert. Die Musik der heutigem Menschen stellt ein kleines Licht inmitten großer Dunkelheit dar. Wenn auch dieses Licht klein ist, wird es eines Tages stärker werden. Das sind die Anfänge der zukünftigen Musik, ohne die die neue Kultur nicht auf die Erde kommen kann. Wenn keine neuen musikalischen Formen geschaffen werden, wird auch die neue Musik nicht kommen können. Als Beruf ist die Musik das eine, als schöpferische Kraft, als eine dem Menschen angelegte Gabe, ist sie etwas anderes. Der Mensch darf nicht in sich selbst dasjenige vernachlässigen, was die Natur in ihn hineingelegt hat. Er muss singen, spielen, sich musikalisch entwickeln. Um singen und spielen zu können, muss er frei sein, nicht eingeengt werden. Ist der Mensch nicht frei, kann er keinen Erfolg haben. Wenn er ein schönes Lied hört, möchte er es auch singen, doch plötzlich wird er schüchtern. Schießt ein heller Gedanke durch seinen Kopf, möchte er ihn in die Praxis umsetzen, doch auf einmal hält er inne, verliert den Glauben an sich. Ein Lied ist gut vorgetragen oder eine Idee ist richtig angewendet, wenn sie im Menschen etwas zu schaffen vermag.

Das Lied „Neva sanzu“ wird mit den Worten bleiben, die ich euch gegeben habe, obwohl sie für euch unverständlich sind. Die unverstandenen Dinge liegen weit entfernt und die verstandenen liegen in der Nähe. Das, was der Mensch nicht begreifen kann, ist weit von ihm; Das, was er begreift, ist ihm nah. Unerreichbare Dinge sind diejenigen, die weit vom Menschen liegen. Erreichbar sind diejenigen Dinge, die nah an ihm sind. Wenn der Mensch nach unerreichbaren Dingen strebt, muss er vorsichtig sein, um nicht auf eine Gefahr zu stoßen. Steil ist der Weg zum Unerreichbaren. Er ist voller Überraschungen und Gefahren, denen der Mensch abends im Wald oder in tropischen Gebieten begegnet. Wie gefährlich auch die Orte sein können, die der Adept durchquert, er ist vor ihnen geschützt, da er innerlich gewappnet ist. Aber der Schwache kann an den ungefährlichen Stellen Schaden nehmen. 

Auch die okkulten Wissenschaften bergen große Gefahren, die jeden unbewaffneten Menschen unangenehm überraschen können. Viele religiöse Menschen sind vor Angst verrückt geworden. Viele Menschen sind bei See- oder Ozeanfahrten verrückt geworden. Es ist vorgekommen, dass das Schiff, auf dem sie sich befunden haben, in Brand geraten ist. Weil es keinen Notausgang gab, wurden sie aus Angst wahnsinnig. Es gibt Fälle, wo jemand wahnsinnig wird, nur wenn ihn eine unangenehme Nachricht erreicht – etwa dass sein ganzes Geld verschwunden, das Haus niedergebrannt oder sein Sohn gestorben ist. In solchen Fällen muss man Selbstbeherrschung haben und zuerst überprüfen, ob die Nachricht, die man bekommen hat, wahr ist. Egal was für Prüfungen der Mensch erlebt, er muss singen, sich harmonisieren.

Wenn ihr jetzt frei Fragen stellen dürft, würde die erste Frage lauten, welchen Sinn Leiden und Freuden, Leben und Tod haben, warum der Mensch inkarnieren und reinkarnieren soll. Wenn ihr ins Jenseits geht, werdet ihr eure vergangenen Leben wie im Kino sehen. Wenn ihr eure vergangenen guten und bösen Taten betrachtet, werdet ihr begreifen, warum ihr heute gute oder schlechte Beziehungen zu den Menschen habt. Eure Beziehungen zu den Menschen erklären nur teilweise die Fragen der Freuden und Leiden im Leben. Wenn ihr eure vergangenen Leben betrachtet, werdet ihr sehen, dass ihr manchen Menschen viel Gutes getan, euch für sie geopfert habt und anderen gegenüber boshaft wart und ihnen geschadet habt. Indem ihr die lange Geschichte eures Lebens verfolgt, werdet ihr die Ursachen und Konsequenzen der Dinge verstehen. Das, was ihr in der anderen Welt sehen werdet, könnt ihr auch hier auf der Erde sehen, doch dazu ist ein hohes Bewusstsein erforderlich. Lasst eure Vergangenheit beiseite, bis ihr dieses hohe Bewusstsein erreicht habt. Lasst eure Vergangenheit eine Unterhaltung für die Zukunft und die Gegenwart eine Arbeit sein, die es gilt zu erledigen.

Einmal auf die Erde herabgestiegen, solltet ihr vorsichtig sein, da ihr auf gefährliche Stellen stoßen werdet. Wenn ihr sie passiert, müsst ihr gut bewaffnet sein, um keinen Schaden zu erleiden. Wollt ihr einen tiefen Fluss überqueren, müsst ihr einen intakten Rettungsring haben. Wollt ihr einen dichten Wald überqueren, müsst ihr einen Revolver in der Tasche tragen, um nicht von einem Räuber oder Raubtier überrascht zu werden. Ihr geht in einen Laden, um Kleider zu kaufen. Der Kaufmann wird euch aufmerksam vom Kopf bis zu den Füßen betrachten. Er möchte herausfinden, ob ihr einen Revolver, d.h. Bargeld in der Tasche habt, um zu entscheiden, ob er für euch aufsteht oder nicht. Stellt er fest, dass ihr über Bargeld verfügt, richtet er sich sofort auf und möchte euch behilflich sein. Ist er dagegen überzeugt, dass ihr arm seid, rührt er sich nicht vom Fleck. Wenn ihr das Leben der gegenwärtigen Menschen verfolgt, werdet ihr sehen, dass es immer etwas gibt, was ihnen Respekt einflößt. Das kann Geld, Macht, Wissen oder auch das Gute sein. Der Kaufmann ist wegen der Münzen gefällig und der Kunde ist ihm gegenüber aufmerksam und höflich, um ihn dazu zu verleiten, ihm gute Ware zu verkaufen. Die Höflichkeit und die Achtung sind bei Verkäufer und Käufer eigennützig – jeder möchte etwas bekommen. Wenn die religiösen und spirituellen Menschen in das grobe, materielle Leben geraten, sagen sie, dass sie kein Geld brauchen. – Wenn sie auf der Erde leben, brauchen sie Geld, aber das Geld darf nicht ihr Ideal im Leben sein. Sie brauchen Wissen, Kraft, eine erhabene Idee, der sie dienen können. Welche erhabenere Idee kann der Mensch finden als die Idee, Gott zu dienen? Manche sagen, dass sie Gott nicht brauchen. – Das ist ein Unverständnis der Dinge. Gott ist der Kopf des Menschenleibes. Was ist ein Leib ohne Kopf? Es heißt in der Bibel: „Der Kopf deines Wortes ist die Wahrheit“[1].

So wie der menschliche Leib ohne Kopf nicht existieren kann, so können auch Seele und Geist nicht ohne Kopf existieren. Der Kopf ist der Anfang der Dinge. Im weiteren Sinne des Wortes ist der Anfang der Dinge Gott. Man kann also ohne den Kopf, ohne den Anfang nichts erreichen. Derjenige, der die Bedeutung des Wortes „Gott dienen“ versteht, ist bereits in die geistige Welt eingetreten, wo vollständige Harmonie, Ordnung und absoluter innerer Frieden herrschen. Die geistige Welt ist nicht irgendwo ganz weit von den Menschen, sie ist um sie herum.

Es hängt vom Bewusstsein des Menschen ab, ob er nur physisch auf der Erde leben wird oder ob er auch geistig leben wird. Indem er seine geistigen Zentren entwickelt, kommt er mit der geistigen Welt, hauptsächlich mit den vernünftigen Wesen dieser Welt in Kontakt und lernt von ihnen. Der Mensch bestimmt selbst seinen Weg. Die Richtung seiner Bewegung hängt auch von seinem Leben ab.

Wenn wir jetzt über das geistige Leben sprechen, wollen wir den Menschen keine Regeln darüber auferlegen, wie sie leben sollen. Wenn man gut leben will, muss man nur eine Moral beachten – entweder Angst vor Gott oder Liebe zu Gott haben. Angst ist eine negative Seite und Liebe ist eine positive Seite. Es ist vorzuziehen, in die positive Seite des Lebens einzutreten und sich dabei zu erheben als in die negative Seite.

Wenn ich von der Furcht vor Gott spreche, meine ich jene heilige Ehrfurcht vor Gott, die den Menschen befreit. Sich vor Gott fürchten bedeutet: Denken, was man tut. Indem der Mensch Gott fürchtet, bemüht er sich, das zu tun, was Gott gefällt. Ohne dieses Gefühl in sich selbst lässt man in seinem Kopf verschiedene Gedanken zu, die ihn verhärten, so wie der Zementschlamm die Gegenstände verhärtet. Auch in der okkulten Wissenschaft gibt es Gedanken, die dem Zementschlamm ähnlich sind. Wenn jemand seinen Fuß da hineinsetzt, ist es schwierig, ihn wieder herauszubekommen. Nach dem Aushärten sollte der Zementschlamm brechen. Wenn man den ausgehärteten Zement nicht selbst brechen kann, muss man Hilfe von außen suchen. Wenn man seinen Fuß vom Zementschlamm befreit hat, darf man ihn nicht ein zweites Mal aufsetzen. Der zweite Schlamm wird schlimmer sein als der erste.

Wenn man also ein moralisches Leben führen will, muss man entweder Angst vor Gott oder Liebe zu Gott haben. Hat jemand das eine oder das andere, wird er umerzogen – er wird ein Mensch. Durch die Angst wird der Mensch Weisheit erlangen, die ihn retten wird. Durch die Liebe wird er in das Gesetz des Segens eintreten. Die Liebe ist der Weg des geringsten Widerstands. Auf diesem Weg gehen auch die Kinder. Der Weg der Angst ist jedoch ein Weg für die Genies, für die Adepten, für die Götter. Die Gottheiten folgen niemals dem Weg der Liebe. Wenn sie keine Angst vor Gott hätten, würden sie mit ihrer Kraft die Welt zerstören. Aber weil sie Angst haben, folgen sie dem Weg der Weisheit. Mit der Liebe arbeiten die kleinen, die schwachen Wesen und mit der Angst – die großen Wesen, die Götter. Nur die Angst vor Gott kann die starken Menschen demütig machen, zähmen. Wenn sie diese Angst nicht hätten, würden sie überall ihre Kraft zeigen, aber damit würden sie die Kräfte der Natur herausfordern. Die Kräfte der Natur gegen sich selbst herauszufordern bedeutet, ständig mit Füßen getreten zu werden. Deshalb haben die starken Wesen, die Adepten und Götter bevorzugt, den Herrn zu fürchten und von Ihm mit Füßen getreten zu werden, anstatt von den Menschen. Wenn sie keine Angst vor dem Herrn haben, werden sie ertrinken, wie Hunde ertrinken.

Ein großer, starker Hund packte einen kleineren, warf ihn zu Boden und begann ihn zu würgen. Der kleine Hund kämpfte, fiel zu Boden, richtete sich auf, bis er den großen loswurde und weglief. Bald holte er einen anderen Hund ein, einen kleineren und behandelte ihn genauso wie der große, der ihm eine gute Lektion erteilt hatte. Als er frei war, rannte der kleine Hund weg. Kleinere Hunde laufen vor stärkeren davon, aber aus Angst, nicht aus Liebe. Das ist Ertrinken. Jemand will stark sein, was auch immer mit ihm passiert. – Das ist nicht richtig. Der Starke muss Gott fürchten. Wenn er keine Angst hat, wird er sich selbst zerstören. Auch die größten und stärksten Granaten explodieren von alleine. Sobald sie explodiert ist, bleibt nichts von ihrer Kraft übrig.

Man muss vernünftig sein, seine Kräfte nicht umsonst verschwenden. Jede Granate muss, wenn sie explodiert, eine bestimmte Arbeit leisten. Die Natur verschwendet ihre Kräfte nicht umsonst. Damit ihr keine großen Fehler in eurem Leben macht, empfehle ich euch, dem Weg der Liebe zu folgen. Wer den Weg der Weisheit gehen will, muss wissen, dass dieser Weg schwierig ist. Wenn ihr sündigt, wird Gott euch mit Füßen treten. Es ist ein Segen für den Menschen, von Gott mit Füßen getreten zu werden, aber das kommt nicht oft vor. Nur wenige  genießen dieses Privileg. Dies bedeutet nicht, dass Gott als Mensch auf die Erde kommen und denjenigen mit Füßen treten wird, der Sein Gesetz gebrochen hat. Wenn sich günstige Bedingungen in ungünstige ändern, ist das Gottes Fuß, der tritt. Jemand ist zum General aufgestiegen, der eine ganze Armee befehligt, aber wenn er gegen Gottes Gesetz verstößt, beginnt Gottes Fuß ihn zu treten: Er wird entlassen, ihm werden die Rechte oder seine Rente aberkannt und er verliert den Respekt seiner Kameraden und Soldaten. Er fühlt sich allein, verlassen, ohne jegliche Aufmerksamkeit von Freunden und Bekannten. 

Dies war auch die Lage von König David, der die Frau von Urija dem Hethiter nahm. Gott erteilte ihm eine gute Lektion. Davids Sohn begann ihn zu jagen, und David musste barfuß und ohne die königliche Krone auf seinem Kopf fliehen. Auf diese Weise erinnerte Gott ihn an die Position, aus der Er ihn erhoben hatte. Von einem einfachen Hirten wurde David zum König, zum Auserwählten Gottes.


Was mit David passiert ist, wird mit jedem passieren, der gegen Gottes Gesetze verstößt. Es wird für niemanden eine Ausnahme gemacht, für euch auch nicht. Um nicht in solch okkultes Chaos zu geraten, muss man vernünftig und mit Wissen bewaffnet sein. Wenn man gut lernt, kann man sicher durch die gefährlichsten Orte gehen. Durch das Lernen entwickelt man sowohl den Verstand als auch das Herz. Man ist bereit, sich für Gott, für seine Mitmenschen zu opfern. Welche Güter der Mensch auch erwirbt, er gibt von ihnen an seine Mitmenschen ab. Wenn man etwas von sich gibt, vergisst man es. Ein solcher Mensch liebt die Arbeit und erwartet nicht, dass andere für ihn arbeiten. Was auch immer ein Mensch mit seinem Verstand und mit seinem Herzen erwirbt, es bleibt für ihn. Außerdem ist jede noch so unbedeutende Arbeit, die ein Mensch mit Liebe erledigt, rechtmäßig. Sie ist so ehrenwert wie die größten und höchsten Ämter. Allerdings sollte die Arbeit, die jemand verrichtet – egal wie gut sie ist -, nicht sein ganzes Leben in Anspruch nehmen. Nachdem er einige Jahre gearbeitet hat, sollte er diese Arbeit wechseln. Selbst wenn er ein König ist, wird er nicht sein ganzes Leben regieren. Er wird 40-50 Jahren regieren und dann den Thron an seinen Sohn abtreten.

Wenn ihr nun dem Weg des gewöhnlichen Lebens und der gewöhnlichen Wissenschaft folgt, tretet ihr allmählich in euer inneres, vernünftiges Leben ein, in dem die Dinge konstant sind und die Erscheinungen nicht in der begrenzten Zeit und im begrenzten Raum wie in der physischen Welt stattfinden. Sie finden jenseits von Zeit und Raum statt. Der Mensch kann immer der König von sich selbst sein und über seine Untertanen – seine Zellen – herrschen und sie erziehen. Was innerhalb eines Menschen passiert, passiert auch außerhalb von ihm. Und umgekehrt: Was in der Außenwelt passiert, passiert auch im Menschen. Durch den Vergleich der Außenwelt mit der Innenwelt gelangt der Mensch schließlich zur Wahrheit.

Was auch immer den Leuten gesagt wird, sie müssen es anwenden. Woher werdet ihr wissen, wie der Samen ist, wenn ihr ihn nicht pflanzt und seine Früchte seht? Wie werdet ihr das Leben verstehen, wenn ihr es nicht studiert? Das Leben ist schön und ernst. Das gegenwärtige Leben der Menschen ist nichts anderes als das äußere Gewand des wirklichen Lebens. Der Tag wird kommen, an dem dieses Gewand des Lebens abgestreift wird – wie der Gefangene sein Gefängnisgewand auszieht, wenn er aus dem Gefängnis entlassen wird. Auch Christus war ein Gefangener mit einer Krone auf dem Kopf und einem Mantel, den man Ihm vom Leib gerissen hat. Wenn das Leben einmal von seinem äußeren Mantel befreit wird, werdet ihr es so sehen, wie es wirklich ist.

Wenn wir über Leiden sprechen, bekommen die Menschen Angst. Nehmt euch an Christi 

Ein Beispiel. Er hat das größte Leiden ohne Angst ertragen, weil Er Gott liebte und Ihn fürchtete. Er hielt Gottes Gesetze heilig. Wer die Gebote Gottes nicht hält, ist ein Feigling. Wenn ihr geschlagen werdet, so sagt wie Christus: „Ihr schlagt nicht richtig, ihr habt diese Kunst  noch nicht gelernt.“ Wenn ihr ausgeraubt werdet, sagt den Räubern, dass sie diese Kunst nicht richtig gelernt haben. Gebt den Menschen ein Beispiel dafür, wie man kämpft, wie man raubt usw. Jemanden nach den Regeln der Liebe schlagen, heißt: Wenn er krank ist, ihn zu heilen; wenn er tot ist, ihn aufzuerwecken.

Die heutigen Menschen haben Angst, ausgeraubt, gefeuert, geschlagen usw. zu werden. Egal wie sehr sie Angst haben, all dies wird passieren, aber es soll zumindest rechtzeitig passieren. Wenn es nicht in der rechten Zeit passiert, dann ist es schlecht. Der Tag wird kommen, an dem man euch ausrauben, feuern, schlagen wird, so dass nur vertrocknete Knochen von euch übrig bleiben werden. Wenn ihr an eurem Haus vorbeigeht, werdet ihr sagen: „Das alles war einmal meins.“ Was auch immer von euch übrig ist: Wisst, dass es etwas Reales ist. Arbeitet genau für diese Realität! Wie werdet ihr arbeiten? Entweder auf dem Weg der Liebe oder auf dem Weg der Weisheit. Liebt Gott und fürchtet Ihn, um Seinen Willen zu tun und Seine Gesetze heiligzuhalten!


[1] Auf Deutsch lautet die jeweilige Stelle: „Die Summe deines Wortes ist Wahrheit, und jedes Urteil deiner Gerechtigkeit währt ewig.“ (Psalm 119:160, Elberfelder Bibel) 

Die Intuition

Allgemeine okkulte Klasse, Vorträge an den Sieben Seen, 23.7.1930, 5:00 Uhr

Wenn man durch felsige Gegenden geht und seinen Fuß oder einen anderen Körperteil stößt, empfindet man Schmerzen. Was verursacht den Schmerz? Der Stoß. Der Stoß ist nichts anderes als die Übertragung einer besonderen Art von Energie, die man nicht braucht. Daher verursacht alles, was man nicht braucht, Schmerzen. Unzufrieden damit, dass er sich gestoßen hat, sagt der Mensch: “Wieso konnte niemand hier einen Weg bauen?”Eine menschliche Hand kann nicht reparieren, was die Natur eingerichtet hat. Wenn die Bergstraße geglättet werden muss, wird dies zuerst die Natur tun. Menschliche Kräfte sind nicht in der Lage, die Wege der Natur zu bestimmen. Andere Kräfte arbeiten dort. Bisher wurden dem Menschen zwei Aufgaben übertragen: die Säfte seines Herzens zu empfangen und sie zu seinem Verstand zu lenken. Die zweite Aufgabe des Menschen besteht darin, seinen Verstand zu entwickeln, um Gottes Wege und die Gesetze zu verstehen, durch die die Welt geschaffen wurde. Den eigenen Verstand zu entwickeln bedeutet, das eigene Denken zu intensivieren. Wenn der Gedanke eines Menschen stark ist, kann er Gottes Segen empfangen und weitergeben. So wird er zum Leiter des Göttlichen. Wenn der Gedanke schwach ist, kann er nichts erreichen. Über einen solchen Menschen sagt man, dass er nicht entwickelt ist.

Egal wie gelehrt jemand ist, wenn er die großen Segen des Lebens nicht benutzen kann, ist seine Gelehrsamkeit nur vorübergehend. Kann er von diesen Segen profitieren, ist er ein wahrer Wissenschaftler, ein Weiser. Wenn er die Segen des Lebens nicht benutzen kann, wird er – unabhängig davon, wieviel Wissen er auf sich lädt, immer einfältig bleiben. Was sagt ihr über das Kamel, das ihr mit Edelsteinen und Gold beladen habt? Ob es mit Juwelen oder gar nicht beladen ist, das Kamel bleibt ein Kamel. Wenn es keine Last trägt, ist das Kamel mit seiner Lage zufriedener, es bewegt sich leichter. Wenn der Mensch also die Segen nicht richtig verwenden kann, verursachen sie ihm Schmerzen. Alles, was einem Menschen Schmerzen bereitet, ist ihm fremd. Er muss das Fremde, das er nicht gebrauchen kann, loswerden. 

Woher weiß ein Mensch, welche Dinge für ihn notwendig und welche unnötig sind? Durch die Intuition. Die Intuition ist ein göttliches Gefühl, das jedem Menschen einverleibt wurde, aber sie ist nicht bei allen Menschen gleichermaßen entwickelt. Wer dieses Gefühl in sich entwickelt hat, prüft die Dinge selbst. So wie man keinen Professor zu suchen braucht, der ihm sagen kann, ob eine Zitrone sauer ist, so ist es auch für denjenigen, der über die Intuition verfügt, nicht notwendig, dass ihm die Dinge nachgewiesen werden.

Wenn jemand prpfen möchte, wie sauer eine Zitrone ist, nimmt er ein Messer, schneidet sie auf und probiert sie. Wenn man etwas außerhalb seiner fünf Sinne prüfen möchte, wird man seine Intuition anwenden und alles wissen, was einen interessiert. Wenn man das weiß, muss man seine Intuition konsultieren. Gerätst du in eine schwierige Situation, kannst du ein bestimmtes Problem nicht lösen, so wende dich an deine Intuition. Sie wird dir sagen, was zu tun ist. 

Die Intuition ist ein wahres Gefühl, sie lügt nie. Als göttliches Gefühl ist sie der Kapitän des menschlichen Schiffes. Solange man auf diesen Kapitän hört, kann man sich überhaupt nicht irren. Verstand, Herz und Wille sind die Diener dieses Kapitäns. Wenn Verstand, Herz und Wille auf ihn hören und ihm gehorchen, lebt der Mensch gut. Wenn sie nicht auf ihn hören, weicht das Leben des Menschen vom richtigen Weg ab.

Christus sagt: Wenn ein Mensch nicht wiedergeboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes eintreten. Diejenigen, die das Gesetz nicht verstehen, denken, dass es schwierig ist, geboren zu werden. Ist es für das Weizenkorn schwierig, geboren zu werden? Säet ein Weizenkorn in die Erde, so dass es günstige Bedingungen hat und lasst es frei sein. Es wird wachsen, blühen und Früchte tragen. Ist es schwierig, das Gute in euch selbst zu stärken? Egal wie klein es ist, wenn ihr ihm günstige Bedingungen für seine Entwicklung gebt, wird es zunehmen und Früchte tragen. 

Wenn es den Menschen nicht gelingt, das Gute zu entwickeln, liegt es daran, dass sie es nicht in günstige Bedingungen stellen. Manchmal sind sie stark im Bösen, im Negativen, weil sie dem Bösen gute Bedingungen für seine Entwicklung geben. So hört ihr zum Beispiel jemanden sagen, er sei unfähig. Er behält diesen Gedanken ständig im Kopf und arbeitet nicht. Was bedeuten die Worte „ich bin unfähig“? Man ist unfähig, einen tiefen Fluss zu überqueren, der keine Brücke hat. Wenn es eine Brücke gibt, ist man schon in der Lage, diesen Fluss zu überqueren. Wenn der Fluss also keine Brücke hat und du ihn nicht überqueren kannst, so werde fähig, eine Brücke zu bauen und ihn zu überqueren. Der Grund, warum zwei Menschen sich nicht lieben, ist, dass es keine Brücke zwischen ihnen gibt. Lasst jeden von ihnen ein Brett legen und die Brücke wird schon da sein. Sobald die Brücke fertig ist, wird auch die Liebe kommen. Jemand beschwert sich, dass ihn niemand liebt. Was muss er tun, um von den Menschen geliebt zu werden? Er soll einen Obstgarten an einem Ort anlegen, an dem viele Menschen vorbeikommen. Allen, die an seinem Garten vorbeikommen, soll er Früchte geben: Äpfel, Birnen, Pflaumen, Wassermelonen, Honigmelonen. Bald wird er gute, freundschaftliche Beziehungen zu diesen Menschen aufbauen und sie werden ihn liebgewinnen. Jeder hat unbepflanzte Stellen in sich, die er mit guten Früchten anbauen soll. In höchstens fünf Jahren wird er Früchte haben, durch die er sich mit den Menschen verbinden kann, so dass sie ihn lieben werden. Es ist gut, jeden Tag einen guten Gedanken in euren Verstand und ein gutes Gefühl in euer Herz zu pflanzen, damit ihr etwas habt, was ihr unter euren Nächsten verteilen könnt. Es ist schön, die menschliche Seele zu sehen, in der duftende, bunte Blumen wachsen. Indem man duftende Blumen und gute Früchte in den Garten seiner Seele pflanzt, schafft man Bedingungen für die Manifestation der Liebe zu seinen Nächsten. Als Schüler müsst ihr daran arbeiten, die Liebe zu erlangen, ohne Angst vor eurem früheren Leben zu haben. Die Vergangenheit ist genauso notwendig wie die Gegenwart. Die Vergangenheit ist die Einführung in die Gegenwart. Man lernt aus seiner Vergangenheit. Ohne die Erfahrungen der Vergangenheit bleibt das neue Leben für den Menschen unzugänglich. Wie die Erinnerungen an die Vergangenheit sind, ob gut oder schlecht, spielt keine Rolle. Aus der menschlichen Sicht sind die Dinge gut und schlecht, jedoch nicht aus der Sicht der Natur, die alles nutzt. Wenn du also denkst, das Leben sei nicht gut und es habe keinen Sinn zu leben, schaue mit dem Auge der Natur, in der alle Dinge von Bedeutung sind. Und wenn du dann denkst, dass du nicht in der Lage bist, etwas mit deinem Verstand und deinem Herzen zu tun, dann überlasse es der Intuition. Sie wird alles tun, wofür du dich für unfähig hältst.

Wenn man den Menschen über die bewusste Arbeit an sich selbst, über den Dienst an Gott redet, sagen sie, dass sie sich heute nicht dazu verpflichten wollen. Eines Tages, wenn sie rein und heilig werden, wollen sie Gott dienen. Warum? Weil sie denken, dass Gott sie heute bei ihrem sündigen Leben nicht lieben kann. Sie irren sich. Wenn sie aufrichtig Gott dienen wollen, sollen sie jetzt beginnen. Verschieben sie das auf die Zukunft, wenn sie heilig und rein werden, werden sie viel verlieren. Es ist nicht leicht für einen Menschen, ein reines und heiliges Leben zu erreichen. Dies ist eine Arbeit, die Jahrhunderte dauert, sie kann nicht an einem Tag geschafft werden. Was Gottes Beziehung zum Menschen anbelangt, bleibt sie in allen Zeiten und Zeitaltern gleich.

Gott ist in sich selbst unveränderlich. Seine äußere Beziehungen zu den Menschen, zu allen Lebewesen sind unterschiedlich, aber die inneren Beziehungen sind gleich. Mit anderen Worten: Innerlich hat Gott allen Menschen die gleichen Bedingungen gegeben, aber die äußeren Bedingungen sind je nach den Bedürfnissen jedes Menschen unterschiedlich. 

Jemand wird sagen, dass er Sünden begeht. Wenn man sündigt, sollte man nicht bereuen, sondern in seinem Fehler eine Lektion finden. Wenn man einen Fehler macht, sollte man sich freuen, dass man die Gelegenheit erhalten hat, eine seiner Tugenden zu manifestieren. Je größer der Fehler ist, desto größer muss die Tugend sein, die man an den Tag legt. Auf solche Menschen bezieht sich der Vers „Alles, was im Leben eines Menschen geschieht, der Gott liebt, wird sich zum Guten wenden.“ 

Viele machen Fehler, weil sie alles auf einmal erwerben wollen. Das ist unmöglich. Kann man alles auf einmal essen? Ist es nicht besser, jeden Tag ein bisschen zu essen, als alles auf einmal zu essen? Ist es nicht besser, jeden Tag ein wenig zu verstehen, als alles auf einmal zu verstehen? Um zu einem tieferen Verständnis des Lebens zu gelangen, braucht man besondere Bedingungen. Um das Leben eines Tieres zu verstehen, muss man sich in seine Lage versetzen, seinen Verstand und sein Herz verstehen. Dann wird das Tier selbst bereit sein uns zu dienen. Wenn das Tier keine Verbindung zum Menschen hat, läuft es vor ihm weg. Um das Leben der Engel zu verstehen, muss man sich mit ihren Gedanken und Herzen verbinden. Ohne diese Verbindung kann kein Verständnis existieren.

Wenn ihr also die Dinge in ihrer Realität verstehen wollt, solltet ihr das eurer Intuition übertragen. Was auch immer sie sagt, glaubt ihr. Wenn ihr an euren Verstand und euer Herz glauben müsst und euch von ihnen leiten lasst, seid ihr auf dem falschen Weg. Die Diener können nicht ihren Herrn anleiten. Wenn man das ihnen überlässt, werden sie unbedingt den falschen Weg einschlagen. Wenn du etwas lernen möchtest, beauftrage deine Intuition damit. 

Wie lange du auch immer lernen und philosophieren magst, in tausend Jahren wirst du nicht so viel lernen, wie du an einem Tag durch die Intuition gelernt hast. Durch die Intuition kannst du lernen, wie das Leben auf der Sonne und auf dem Mond ist und mit deinem Verstand wirst du kaum lernen, aus welchen Elementen sich die Sonne zusammensetzt. Wenn jemand sagt, dass er mit der Sonne kommunizieren kann, dann soll er über etwas berichten, was für das Leben und die Wesen der Sonne charakteristisch ist. Wenn ihr zum Beispiel über die Menschen als Bewohner der Erde sprecht, werdet ihr sagen, dass sie alle atmen, denken, fühlen und sich bewegen. 

Wenn ihr in die Berge gekommen seid, habt ihr die Voraussetzungen, um das Gute in euch zu manifestieren. Wenn ihr beispielsweise über einen Stein stolpert, braucht ihr nicht wütend zu werden, sondern bückt euch und verlegt den Stein an eine Stelle, wo er die Wanderer nicht behindert. Wenn ihr in eine kleine Pfütze tretet und schmutzig werdet, bleibt stehen und legt sie trocken. Wenn ihr die Latschenkiefer betrachtet, schaut nicht auf sie herab, sondern denkt an ihr Leben, an die Bedingungen, unter denen sie sich befinden, um eine Lektion in Geduld zu erhalten.

Nehmt etwas saubere Asche von den verbrannten Latschenkiefern, siebt sie gut und benutzt sie als ein Heilmittel. Wenn ihr euch unwohl fühlt, nehmt eine Messerspitze von dieser Asche, gießt sie in ein Glas heißes Wasser und trinkt es, wenn sich die Asche abgesetzt hat. Seid beim Wandern  dankbar für alles, was ihr seht. Der Berg mit seiner Vegetation stellt das Werk großer Meister dar, die seit Jahrhunderten gearbeitet haben. Alles, was sie getan haben, hat eine Bedeutung und einen Sinn. Wenn ein Genie schafft, legt es einen Sinn in seine Arbeit hinein. Was werdet ihr dann über jene genialen Meister sagen, die in der Natur schaffen? 

Seid also munter, fröhlich und stark. Die Kraft des Menschen liegt in der Tatsache, dass Gott in ihm wirkt. Solange das Leben andauert, ist der Fluss stark. Wenn das Leben verschwindet, verschwindet auch die Kraft des Flusses. Daher liegt die Kraft nicht im Fluss, sondern im Leben, das durch ihn fließt. Aus dem gleichen Grund sage ich: Die Kraft liegt nicht im menschlichen Bewusstsein, sondern im Leben, das von Gott kommt und in den Menschen einfließt. Wenn ihr das wisst, achtet darauf, nicht den Weg für das Göttliche in euch selbst zu verstopfen, zu versperren. Wenn das passiert, kommt euer Schmutz rein statt raus. Verstopft nicht die Rohre eures Abwasserkanals, durch die der Schmutz austritt. Entstopft die Rohre eures Abwasserkanals, damit das Gute und Saubere von außen einfließen kann. Haltet eure Rohre offen für das Gute, das von außen kommt und hineinfließt. Haltet auch die Rohre offen, damit das Böse von innen nach außen herauskommt. Wenn ihr das erreicht, wird euer Leben so eingerichtet sein, wie Gott es beabsichtigt hat. 

Singt nun das Lied „Gott ist Liebe“ https://youtu.be/1HkrcYDkf44

Der Geist Gottes, der Geliebte unserer Seelen, wird alles für uns tun. 

Formeln, dei bei Versuchungen verwendet werden können

Eins müsst ihr wissen: Entsprechend euren Gedanken und Wünschen zieht ihr Wesen aus einer höheren oder einer niedrigeren Hierarchie an. Keiner von euch ist frei. Einige bringen eine Wohltat, andere Unglück.

Es ist ein Gesetz: Wann immer der Mensch eine bestimmte Versuchung erleidet, wird er stärker, und wenn er ihr nicht standhält, stürzt er tiefer und wird schwächer.

Wenn in euch der Gedanke entsteht, etwas Schlechtes zu tun, sagt: „Ich bin ein Diener und ein Sohn des Herrn, der mich auf die Erde gesandt hat und in diesem Moment schaut mir der Vater zu.“ Wenn ihr dies sagt, wird sich euer Gedanke sofort ändern.

„Herr, vergib uns, dass wir dich zwingen, uns so zu behandeln, wie du es nicht willst. Befreie uns von der Versuchung, damit wir dein helles, liebevolles Herz erkennen.“

„Mein Gedanke muss rein und heilig sein.“

„Ich habe keine Angst, weil der Herr in mir ist. In der Erfüllung des göttlichen Willens liegt die Kraft der menschlichen Seele.“

Sobald euch ein schlechter Gedanke einfällt, entfernt ihn sofort und sagt: „Du bist nicht von Gott, du hast keine Macht in uns.“

„Gott ist Liebe, Gott ist Weisheit. Ich bin das Gute, ich bin die Wahrheit.“ – Wenn das Böse über dich kommt, greife es nicht an, sondern verteidige dich nur. Wenn du versucht wirst, sage die obige Formel leise.

Wenn eine Versuchung entsteht, werde ich mir sagen: „Für nichts auf der Welt werde ich in dieser großen Liebe, die alles in sich umhüllt, dieses Große in mir opfern, für das alle vernünftigen Wesen vor mir gelebt und gewirkt und ihre Kraft erworben haben. Ich werde dieses große Gesetz keineswegs übertreten, sondern ihm alles Niedrigere unterordnen und den Willen Gottes tun.“

„Herr, spanne diesen Geist, der mich versucht, zum Arbeiten ein oder gibt mir die Gelegenheit, von ihm wegzukommen.“

„Herr, bitte hilf mir, damit meine Gedanken heute wach bleiben und ich nicht in Versuchung gerate.“

Wenn der Teufel kommt, um euch zu versuchen, kämpft nicht gegen ihn, sondern ruft Gottes Wort um Hilfe an und sagt euch: „Der Mensch lebt nicht nur vom Brot, sondern von jedem Wort Gottes. Ich werde vom Wort Gottes leben und zusammen mit ihm kämpfen.“

Ein Gespräch über die Liebe

aus dem Buch „Briefe von Bojan Boev“, Bd.1

Lieber Bruder,

hier werde ich ein Gespräch mit dem Meister vom 24. Dezember 1937 darlegen:

Der Mensch wurde auf die Erde geschickt, um die Liebe zu lernen.  Christus sagte: „Deshalb wurde ich geboren, um die Liebe zu zeigen.“ Die Liebe umfasst diese drei: Liebe, Weisheit, Wahrheit. In die Liebe gehen die Weisheit und Wahrheit ein. In die Weisheit gehen die Liebe und Wahrheit ein. In die Wahrheit gehen die Liebe und Weisheit ein.

Ein Bruder fragte: „Sie sagten heute Morgen in einem Gespräch, wenn Gottes Liebe in ihrer Fülle durch den Menschen gehen würde, könnte das menschliche Nervensystem das nicht aushalten und müsste durch die stsrken Schwingungen wegschmelzen. Aber wie kann das Nervensystem für die Schwingungen der Liebe Gottes stark gemacht werden?

Der Meister antwortete: „Die Liebe vertreibt alle Angst. Wo Angst ist, ist keine Liebe. Der Mensch muss denken, dass alles, was passiert, zum Guten ist. Es heißt: „Alles, was denen passiert, die Gott lieben, geschieht zum Guten.“ Wenn der Mensch in dieser Art denkt, passt sich sein Körper an die Schwingungen der Liebe an und kann sie ertragen. Die Liebe erhöht die Schwingungen des Körpers und die Angst senkt sie. Daher wirst du bei der Angst die Eindrücke von außen nicht richtig wahrnehmen und deine Eindrücke und dein Verständnis werden nicht vollständig sein.

Bei den Vorträgen werden die Gesetze der Liebe studiert, [die Art] wie man Gott dient. Lernen und Dienen sind notwendig. Die Vorträge zeigen auf, welchen Weg wir gehen sollen. In allem, was ich in den Vorträgen gesagt habe, leugnen wir nichts. Jeder bestehende Glaube ist gut. Aber man sollte nicht bei ihm aufhören, sondern höher steigen. Man darf nicht an einem Ort anhalten und sagen: „Was ich habe, ist besser.“

Beim Kind trägt jedes Jahr etwas bei. Aber der alte Mensch sollte nicht bereuen, dass er alt geworden ist. Er ist nicht alt geworden. Es ist eine Illusion für ihn, dass er alt ist. Wir werden durch unsere Selbstsucht alt und verjüngen uns durch Gottes Liebe. Warum ist jemand alt geworden? Aus Selbstsucht. Warum hat er sich verjüngt? Weil er in Gottes Liebe eingetreten ist. Wenn ein Mensch in die andere Welt geht, sollte er mit Liebe hingehen.

Jeder soll das, was er lernt, mit Liebe lernen und mit Liebe an andere weitergeben. Jemand möchte jemanden mit Liebe aufklären, doch er selbst ist nicht in der Liebe aufgeklärt. Die Menschen müssen anfangen, die Liebe anzuwenden, denn jetzt spricht man über die Liebe, ohne sie anzuwenden.

Wir brauchen eine neue Kanalisation für die Liebe. Es gibt Liebe, aber die Kanalisation ist schwach. Jetzt brauchen wir Menschen, die zu Leitern werden, durch die sich Gottes Liebe manifestieren kann.

Ein Bruder fragte: „Wie kann man zum Leiter der Liebe werden?“ Der Meister sagte: „Man soll an Gott denken, heimlich beten. Dies ist ein Mittel, durch das die Liebe zur Geltung kommen kann. Das Gebet ist eine innere persönliche Methode der Seele.

Die Vorträge müssen studiert werden. Es geht nicht nur ums Lesen, sondern das, was man liest, sollte man anwenden. Versuche muss man machen, denn ohne Versuche kann nichts erreicht werden. Andernfalls werden wir nur trockene Scholastik haben.

Jemand behauptet: „So sagt Christus.“ Aber Christus tut auch, was Er sagt. Man sollte denken: „Ich muss lieben. Und wenn ich Gott liebe, muss ich auch die anderen Menschen lieben, ob sie meine Freunde sind oder nicht.“ Aber der motivierende Ausgangspunkt sollte die Liebe zu Gott sein und von Gott sollte man zu seinem Nächsten gehen.

Die zwei großen Gesetze sind: Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten. Diese Idee muss man entwickeln, man muss aufzeigen, wie wir von der Liebe zu Gott zur Nächstenliebe gelangen. In der Liebe Gottes gehen wir von der Peripherie zu Gott. Und die Nächstenliebe geht von Gott zur Peripherie. Du wirst deinen Nächsten lieben, wenn du bereits aus Gott herausgekommen bist. Das ist eine ganze Philosophie. Die Liebe zu Gott und zum Nächsten gehen in zwei verschiedene Richtungen. Derjenige liegt falsch, der Gott außerhalb von sich selbst stellt. Und er muss lernen, dass Gott in ihm ist. Unser Nächster ist ein Spiegelbild Gottes. Wir werden Gott in unserem Nächsten sehen. Der Mensch soll begreifen, dass er und sein Nächster beide in Gott leben.

Ein Bruder sagte: „Meister, Sie haben uns kürzlich die Aufgabe gegeben, jeden Tag gute Gedanken an jemanden zu senden und ihm zu wünschen, dass er Gott dient, dass er Gottes Willen tut, dass die Liebe in ihm erwacht usw. Sie haben uns diese Aufgabe für zehn Tage gegeben.“

Der Meister sagte: „Nun gebe ich euch eine neue Aufgabe: Sendet jeden Tag einen Gedanken an alle guten Menschen, ihre Liebe zu Gott möge stärker werden! Dies sollte dreimal täglich erfolgen. Es kann dreimal am Tag oder dreimal nachts durchgeführt werden. Aber um es nachts zu tun, muss man sich dazu erziehen. Manchmal sagst du dir nachts, wenn du zum Gebet aufstehen willst: „Ich bin nicht aufgelegt.“ Man muss sich dazu erziehen, dass die richtige Stimmung kommt und nicht darauf warten. Man muss selbst die schlechte Stimmung in gute verwandeln.

Hier werde ich Worte des Meisters aus anderen Gesprächen darlegen:

Das Zentrum der göttlichen Liebe ist am oberen Teil des Kopfes. Wenn das Göttliche im Menschen Vorrang hat, ist diese göttliche Liebe bereits organisiert.

Damit ein Mensch Gottes Liebe in sich selbst entwickeln kann, sollte er über sie nachdenken. Jemand, der die göttliche Liebe in sich selbst entwickeln möchte, muss eine ergießende Bewegung mit den Händen machen, die vom oberen Ende des Kopfes ausgeht, beginnend mit dem tausendblättrigen Lotus. Dabei an Tugenden denken: an die göttliche Liebe, an die göttliche Weisheit, an die Barmherzigkeit usw. und sich vorstellen, dass diese Tugenden bereits in uns wachsen, denken, dass die göttliche Liebe in uns wächst und sich entwickelt.

Die Flüsse fließen ineinander. Das Ineinanderfließen der Töne bedeutet die Harmonie der Töne. Das Ineinanderfließen von Seelen ist ein Prozess, der nicht äußerlich, sondern innerlich verläuft. Die Flüsse fließen ineinander und treten über die Ufer. Beide Prozesse verlaufen gleichzeitig. Das existiert sowohl in der Natur als auch unter den Wesen. Dieses Ineinanderfließen und Überlaufen findet zwischen Mensch und Gott und zwischen Menschen statt. Wo es kein Ineinanderfließen und Überlaufen gibt, gibt es kein Wachstum. Es gibt ein Überlaufen von einer Seele zur anderen. Dieses Ineinanderfließen und Überlaufen sollte nur zwischen zwei Menschen stattfinden, zwischen denen Liebe besteht. Das Gleiche gilt für unsere Beziehung zu Gott.


Damit es ein Ineinanderfließen und Überlaufen zwischen uns und Gott gibt, müssen wir Liebe zu Gott haben. Ansonsten können wir stundenlang ohne Liebe zu Gott beten, doch es wird kein Ergebnis geben, weil es kein Ineinanderfließen und kein Überlaufen zwischen uns und Gott geben wird. Daher ist die Grundlage jedes Gebets die Liebe zu Gott. Während des Gebets die Liebe zu Gott fühlen, um das Ineinanderfließen und Überlaufen zu ermöglichen. Andernfalls kann es kein Wachstum in dir geben und du kannst nicht viele Dinge von Gott empfangen.

Die spirituelle Welle sollte man nutzen, die jetzt kommt – ohne Aufschub!

Ein Bruder fragte: „Kommt diese Welle in der Zukunft oder ist sie schon gekommen?“

Der Meister sagte: „Sie ist noch nicht gekommen. Sie ist im Begriffe aufzusteigen, aber sie ist noch nicht zu ihrer wahren Stärke gekommen. Wir können also sagen, dass diese Welle kommt. Wer auf die Erde gekommen ist, muss diese guten Lebensbedingungen nutzen, er darf nichts verschieben. Die Welt ist vom Essen und Trinken schwer geworden und ist dabei, geistig einzuschlafen. Und einschlafen und die Sachen vernachlässigen ist keine gute Sache.

Freut euch, es erwartet große Freude euch alle, die ihr arbeitet und Mitarbeiter Gottes werden wollt. Selbst wenn ihr jetzt eine Zeit des Leidens und der großen Widersprüche erlebt, ist das kein Leiden, sondern nur eine Überprüfung dessen, was euch in Auftrag gegeben wird.

Seid wach und nüchtern, gebt euch nichts anderem hin. Behaltet das Wesentliche im Blick. Es werden Bedingungen für euch geschaffen. Ihr habt alle Möglichkeiten. Aufrichtig soll jeder Gedanke, jedes Gefühl von euch sein. Das Wichtigste ist, wenn ihr arbeiten wollt, die Bedingungen werden euch gegeben!

Das schöne Gebet

Dieses Gebet wurde einer Gruppe von zehn Schülern gegeben.

Herr Gott, mach uns hart wie der Diamant, damit wir das Fundament des Neuen Universums werden. Mach uns zu Säulen in Deiner lebendigen Kirche, damit wir das göttliche Leben für die anderen wahrnehmen können. Erleuchte uns mit der Kraft Deines Heiligen Geistes, damit wir mit dem Wort, dem Gedanken und der Tat die schlafenden Seelen erwecken können.

Enthülle in uns, lieber Gott, Dein göttliches Wesen, hilf uns, Kraft zu erlangen, um die Wahrheit zu erkennen, Kinder des Lichts zu werden, auf dem Weg der Gerechtigkeit zu wandeln, zur Verwirklichung Deines Plans und zum Kommen Deines Reichs auf Erden.

Amen

Die „ruhende“ Seele

Im belebten Zentrum von Sofia, dort, wo sich die Graf-Ignatiev-Straße mit dem Vassil-Levski-Boulevard kreuzt und an ihrem Schnittpunkt der Patriarch-Evtimij-Boulevard beginnt, befindet sich ein kleiner Platz mit dem Denkmal des Patriarchen Evtimij. Dieses Denkmal, das den letzten bulgarischen Patriarchen des Tarnovo-Reichs darstellt, ist heute ein beliebter Treffpunkt der Sofioter. Jung und Alt trifft sich beim „Popen“ oder beim „Patriarchen“, um von dort entweder dem Patriarch-Evtimij-Boulevard (kurz dem „Patriarchen“) oder der Graf-Ignatiev-Straße entlang zu flanieren und von dort zu den anderen beliebten Straßen des Zentrums mit ihren zahlreichen Cafés und kleinen Läden zu gelangen.

Den Wenigsten, die sich beim „Popen“ treffen, ist jedoch bekannt, wessen Züge die steinerne Gestalt des Patriarch Evtimij trägt, der nicht nur als würdiger Kirchenvater, tapferer Führer der Verteidigung der Stadt Veliko Tarnovo während der dreimonatigen Belagerung durch die Osmanen und Sprachreformator in die Geschichte eingegangen ist. 

Das Denkmal des Patriarchen Evtimij und sein Vorbild Bruder Radi (Quelle: 168chasa.bg)

1936 wurde auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Ivan Ivanov eine Ausschreibung zum Entwurf eines Denkmals zur Ehre des Patriarchen Evtimij ausgerufen. Die Ausschreibung hat der Entwurf des Bildhauers Marko Markov „Der Verteidiger von Tarnovo“ gewonnen. Der Bildhauer hat lange nach einem geeigneten Modell gesucht – nach einer männlichen Gestalt, die alles dasjenige in ihren Zügen trägt, was der Künstler in sein Werk hineinmeißeln wollte. Zufällig traf er auf der Straße einen starken, großen Mann mit einer hohen Stirn und einem wilden Bart, der in äußerst bescheidener Arbeitskleidung und mit einem großen Sack auf dem Rücken unterwegs war. Das war der Gärtner der Siedlung „Izgreva“ Radi Tantschev, von allen ‚Bruder Radi‘ genannt – der allerbescheidenste Schüler des Meisters Beinsa Douno. Bruder Radi konnte kaum lesen und schreiben und schaffte es nur mit größter Mühe, den Satz „Gott ist Liebe“ hinzukritzeln. Bruder Radi war treu, immer hilfsbereit, fleißig und arbeitete von morgens bis abends im Garten. 

Als ihn der Bildhauer Marko Markov ansprach und ihn bat, Modell für das geplante Denkmal zu sitzen, lehnte Bruder Radi zuerst ab, da er vom Meister gehört hatte, dass so etwas nicht gut sei. Deshalb erzählte er Beinsa Douno von der Bitte des Bildhauers. Zum Erstaunen aller Anwesenden sagte der Meister: „Einer deiner Schüler hat dich getroffen und dich wiedererkannt!“ Dieses Denkmal, das 1937 fertig wurde, trägt die Züge des Gärtners Bruder Radi.

Veska Velitschkova erzählt Folgendes über Bruder Radi:

„Bruder Radi kümmerte sich von morgens bis abends um den Garten der Bruderschaft. Dort wurde viel Obst und Gemüse für die Küche angebaut und geerntet. Und wir waren damals nicht wenige. Bruder Radi war immer bei der Arbeit – er hatte keine Freizeit. Das war ein sehr ehrlicher Mann. Geld verachtete er, für ihn war es ein Stück Papier. Manchmal pflücke man Obst von den Bäumen, um es zu verkaufen. Bruder Radi nahm das Geld und sah es überhaupt nicht an, er warf es durch das Fenster in sein Zimmer. Er hatte keine Zeit, es zu zählen, er sammelte es auch überhaupt nicht ein. Und die Scheine und Münzen fielen auf das Bett, auf den Boden, unter das Fenster. Man ging in sein Zimmer und sah überall Geldscheine liegen. Schließlich ermahnte ihn eine Schwester und er sammelte die Scheine und legte sie in eine Kiste. Der Meister liebte ihn sehr, weil Radi ein ehrlicher Mann war. Alle Produkte, die in die Küche kamen, waren die Frucht seiner Hände. Seine Hände hatten gerissene Haut, die durch Arbeit, Hitze, Regen und Kälte aufgeraut war. Solche Menschen werden nicht oft geboren. Einmal alle paar Jahrhunderte kommt so einer zur Welt, um uns zu zeigen, wie man für Gott arbeiten soll. 

Manchmal nahm Bruder Radi einen Sack und ging zum Markt an der Römischen Mauer, um Besorgungen für die Küche zu machen. Die Bauern kannten ihn. Er kaufte ein, füllte den Sack und dann brachte der Bauer die Waren im Pferdewagen zum Izgreva. Bruder Radi fragte ihn, wieviel alles kostete. Der Bauer nannte den Preis und Bruder Radi nahm eine Handvoll Scheine aus der Kiste, brachte sie ihm und sagte: „Nimm so viel, wie du brauchst und gib den Rest zurück! Behalte auch Geld für den Transport.“ Der Bauer nickte, nahm, was er brauchte, und gab den Rest zurück. Unsere Leute sahen das und fragten den Meister: „Meister, Bruder Radi kauft auf dem Markt ein und bezahlt mit Geld aus der Kiste. Betrügen ihn die Bauern nicht?“ Der Meister antwortete: „Warum fragt ihr mich, fragt Bruder Radi!“ Sie fragten ihn, und er sah sie erstaunt an: „Ich verstehe nichts vom Geld. Aber ich verstehe etwas von den Lebensmitteln, die man mir verkauft. Ich frage, wieviel sie kosten und ich bezahle sie. Und der Bauer versteht vom Geld, aber er versteht auch etwas von der Arbeit und der Plage. Wenn ich ihm das Geld gebe, schaue ich ihm in die Augen und sehe, dass er mich nicht anlügen kann. Man hat mich nie angelogen. Die Bauern wissen alle, dass ich Geld nicht verstehe. Aber sie alle wissen, dass ich etwas von der harten Bauernarbeit verstehe. Sie verkaufen ihre Ware, ich helfe ihnen, indem ich sie kaufe. Wir helfen uns gegenseitig „. Bruder Radi starb am 12. Mai 1955.“

Folgende Geschichte erzählte Boris Nikolov:

„Einmal wurden dem Meister zwei Karten für eine Ballettaufführung geschickt. Aber er hatte versprochen, jemanden zu besuchen und konnte die Karten nicht benutzen. Er ließ Angel Valkov durch eine Schwester rufen. Angel arbeitete am Izgreva zusammen mit Bruder Radi als Gärtner. Der Meister gab ihm die Karten und sagte: „Du und Bruder Radi werdet euch heute Abend das Ballett ansehen.“ Angel suchte nach Bruder Radi, aber dieser war nirgends zu finden. Er suchte ihn überall und bald wussten alle, dass der Meister Bruder Radi eine Ballettkarte gegeben hatte. Alle lachten – Bruder Radi und Ballett! Angel sah, dass die Zeit knapp war und bat eine Schwester, sein weißes Hemd und seine Hose zu bügeln. Er rannte hin und her, um nach Bruder Radi zu suchen. Schließlich sagte ihm jemand, dass Bruder Radi in die Stadt gegangen ist. Und wo kann er in der Stadt sein? – Nur auf dem Markt. Er ging dorthin, um für Izgreva einzukaufen und die größte Unterhaltung für ihn war der Markt an der Römischen Mauer. Dort konnte er mit den Bauern über die Ernte, über Pflügen, Graben und alle anderen landwirtschaftlichen Arbeiten sprechen. Als er vom Markt zurückkam, war er immer begeistert und hatte Ideen, was er pflanzen und wie er es pflanzen sollte. 

Schließlich zog Angel seine neuen Sachen an, die bereits gebügelt waren und ging zum Markt an der Römischen Mauer. Dort fand er Bruder Radi, der gerade einen vollen Sack schultern wollte. Angel sprach ihn an und Radi blinzelte und konnte ihn in dem feinen Anzug nicht erkennen. Angel sagte: „Der Meister hat gesagt, du und ich sollen heute Abend zu einem Ballett.“ Und Radi fragte: „Was ist denn ein Ballett?“ Angel fragte sich, wie er es erklären sollte und zeigte ihm schließlich die Karten: „Hier, das ist Ballett, so etwas wie eine Urkunde, wie ein Billett.“ Radi glaubte nicht ganz, was Angel erzählte, aber er erwiderte: „Wenn der Meister es sagt, dann werden wir hingehen, da kann man nichts machen.“ Sie ließen den Sack beim Verkäufer und gingen in die Stadt. Sie mussten sich beeilen und von Zeit zu Zeit rannten sie. Und Bruder Radi hatte eine Hose mit Flicken, die er statt mit einem Gürtel, mit einer Schnur aus Werg zusammengebunden hatte. Angel sah ihn besorgt an, aber es gab keine Zeit. Jeder, der sie unterwegs traf, drehte sich um und sah sie an – Angel in einem festlichen Anzug und Radi in Lumpen. Es war lustig für die anderen und tragisch für Angel. Aber sie beeilten sich und kamen endlich in die Oper. Sie zeigten ihre Karten. Man wollte sie abseits setzen, weil Bruder Radi zerlumpt und schmutzig war. Aber zufällig war da ein anderer Bruder, der sie sah und sich dafür einsetzte, dass sie ihre Plätze einnehmen konnten. Und ihre Plätze waren in der zweiten Reihe, in der Mitte – wo die edlen Damen und Herren in festlichen Kleidern und Anzügen saßen. Aber der Platzanweiser wollte sie nicht in die Mitte platzieren, weil es ein Skandal wäre – Bruder Radi war in Lumpen. Er fragte: „Wer hat euch diese Karten gegeben?“ Radi antwortete: „Gott hat sie uns gegeben!“ – „Konnte er dir nicht sagen, dass du dich wie ein Mensch kleiden sollst?“ Aber Radi gab nicht auf: „Gott schaut nicht auf das Gesicht. Gott schaut auf das Herz. Hier steht alles geschrieben.“ Der Mitarbeiter sah auf die Karten und tatsächlich – sie waren mit einer Widmung des Regisseurs signiert. Schließlich nahmen sie ihre Plätze in der Mitte ein. Das Ballett war zu Ende, sie holte den Sack ab und kamen irgendwann zum Izgreva. Und dort warteten die Freunde auf sie und wollten wissen, wie das Ballett war. Beide schwiegen. Am nächsten Tag rief sie der Meister und fragte, wie es in der Oper war. Bruder Radi beschrieb alles in Details – sehr anschaulich und bildhaft. Und um den Meister herum standen die Freunde und hörten zu. Einige konnten ihr Lachen kaum unterdrücken. Der Meister fragte ihn: „Bruder Radi, was hast du zuerst gemacht?“ – „Zuerst zählte ich, wie viele Kronleuchter es gab. Dann zählte ich, wie viele Stühle es gab und eine Dame neben mir stand auf und setzte sich woanders hin.“ Und er zeigte, wie sie ihr langes Kleid hob. Alle lachten, weil Bruder Radi das nachmachte. Dann begann er, das Ballett detailliert zu beschreiben, in einfachen Worten seiner Mundart, aber so klar, dass niemand daran zweifelte, dass Bruder Radi ein Experte für Ballett war. Der Meister lachte. Aber die Freunde lachten nicht mehr, während sie Bruder Radi zuhörten, der über so viele Details dieses Balletts erzählte, obwohl er ein ungebildeter, anspruchsloser Analphabet war. Und die Freunde hätten kaum mehr als ein oder zwei Sätze gesagt. Bruder Radi sprach eine halbe Stunde lang über dieses Ballett und es war so faszinierend, dass alle ihm zuhörten. Sie lachten ihn nicht mehr aus, sondern sahen ihn an, als hätten sie einen Schatz aus dem Boden ausgegraben. Eine der Schwestern rief: „Ach, warum haben wir seine Worte nicht aufgeschrieben? Das wäre eine ausgezeichnete Kritik über das Ballett geworden!“ Bruder Radi war zuerst beleidigt, aber als er den Meister lachen sah, lachte er schließlich auch. Nach diesem Vorfall wagte es niemand mehr, sich über Bruder Radis herabhängende Hose und seine rauen Hände lustig zu machen. Sie sahen und hörten, dass in ihm etwas war, was er zwar in einfachen Worten ausdrückte, aber so klar, präzise und verständlich, wie es niemand gekonnt hätte. Viele der Freunde sahen später das gleiche Ballett. Sie kehrten zurück und teilten dem Meister mit: „Meister, wir waren in demselben Ballett, aber was Bruder Radi sah, haben wir nicht bemerkt!“ Der Meister lächelte und sagte: „Wenn ihr es mit Bruder Radis Augen gesehen hättet, hättet ihr, wenn nichts anderes, zumindest die Anzahl der Kronleuchter und die Anzahl der Stühle im Saal gewusst. Um etwas zu sehen, muss man Augen haben. Um sich an etwas zu erinnern, muss man innere Augen haben. Um etwas zu verstehen, muss eine Verbindung zwischen euren inneren Augen und eurem Bewusstsein bestehen. Und um zu erzählen, was ihr gesehen und gehört habt, muss diese Verbindung wirksam sein, das Leben muss durch sie fließen. Bruder Radi hat diese Verbindung in sich und deshalb hat er Dinge gesehen und erzählt, die ihr nicht gesehen habt. Gott sieht nicht auf die Person, sondern Er steigt durch Geist und Kraft in die menschliche Seele herab.“ Diese Lektion wurde uns allen erteilt und sie blieb eine zu lösende Aufgabe – eine innere Verbindung zwischen unserem Bewusstsein und der Welt um uns herum herzustellen.“

Maria Todorova erinnerte sich, dass der Meister in Hinblick auf Bruder Radi und andere einfache, bescheidene, jedoch sehr treue und ergebene Schüler über die sog. „ruhenden“ Seelen sprach: 

„Wenn eine Seele ruht, nimmt sie eine einfache Stelle auf der Erde ein. Wenn ihr zur Quelle geht, müsst ihr doch einen leeren Krug nehmen, um ihn zu füllen. Wenn ihr einen vollen Krug habt, wird die Quelle euch nichts nützen. Bruder Radi kam mit einem leeren Krug zur Quelle und der Krug wird jetzt gefüllt, damit er in Zukunft mit dem bulgarischen Volk zusammenarbeiten und ihm die Lehren der Weißen Bruderschaft weitergeben kann.“ 

Wir saßen da und sahen uns verwirrt an, manche von uns waren Studenten, andere – Universitätsabsolventen. Erstaunlicherweise gab es eine Schwester, die bulgarische Philologie studierte und gerade an einer Arbeit über die Tarnovo-Schule des Patriarchen Evtimii schrieb. Sie stand auf und ging zu Bruder Radi, nahm eine Hacke und arbeitete ein paar Tage zusammen mit ihm. Bruder Radi brachte ihr bei, wie man gräbt, wie man Zwiebeln und Paprika pflanzt und sie erhielt Lob von ihm. Schließlich präsentierte sie ihre Arbeit über Patriarch Evtimii und erhielt eine brillante Bewertung von ihrem Professor und dem wissenschaftlichen Rat der Abteilung für bulgarische Philologie. So habe ich verstanden, was „ruhende“ Seelen sind.“

Konstante und vergängliche Dinge. Kosmetik

Allgemeine okkulte Klasse, Sofia, 31.7.1929

Nachdenken

Ich werde den 108. Psalm und Epheser 2 vorlesen.

Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst fern wart, durch das Blut des Christus nahe geworden.

Die Übersetzung der Worte „durch das Blut des Christus“ lautet „durch die Lehre des Christus“.

Es gibt eine gewisse Menge an Kosmetik im religiösen Leben der Menschen, genau wie in ihrem physischen Leben. Die Kosmetik ist ein Überbleibsel der Vergangenheit, der alten Zeiten, als sich die Menschen in einem primitiven Zustand befanden. Die Kosmetik ist nicht nur ein Mittel der Menschen, hauptsächlich der Frauen, sondern auch der Tiere, der Vögel. Die Frau macht ihre Haare, parfümiert sich, trägt Lippenstift und Puder auf und der Vogel schmiert seine Flügel, plustert sich auf. Ist die Kosmetik etwas Wesentliches? Nein, sie ist etwas, was leicht verloren geht. Sie verleiht dem Menschen nichts Besonderes. Es reicht, sich ein oder zwei Mal das Gesicht zu waschen, damit alle Kosmetik verschwindet. Alles, was erworben wird und wieder verlorengeht, ist nicht wesentlich. In diesem Sinne ist auch die Kosmetik nichts Wesentliches.

Warum verweilt der Mensch bei unbedeutenden Dingen? – Weil er keine Möglichkeit hat, innere Schönheit zu erlangen. Wenn man also nicht an die innere Wissenschaft des Lebens heranreichen kann, die einen innerlich schön macht, profitiert man von den äußeren Errungenschaften der Wissenschaft, die einen äußerlich schön machen können. Bis sie zur innerer Schönheit kommen, greifen die Menschen auf Mittel zurück, die sie äußerlich schön machen können. Wer greift auf externe Kosmetik zurück? – Die Kinder. Nur Kinder verwenden Kosmetika. 

Bei älteren oder alten Menschen geht es nicht um Kosmetika. Wer die Periode seiner Kindheit hinter sich hat, denkt nicht mehr an äußerliche Kosmetik. Wenn Kinder auf äußere Kosmetik zurückgreifen, ist dies für ihre Entwicklung selbstverständlich. Wenn jedoch ältere oder alte Menschen an ihre äußere Schönheit denken, stoßen sie selbst auf Widersprüche. Die Widersprüche im Leben entstehen immer dann, wenn man die Dinge nicht auf ihre Plätze stellt. Es ist für ein Kind natürlich, Kindereien zu machen, für den Erwachsenen – Dinge zu tun, die seinem Alter entsprechen. Wenn man den göttlichen Weg betritt, muss man die inneren Manifestationen der Natur richtig verstehen.

Die Natur hat ihre eigene Sprache, in der jeder Buchstabe, jedes Wort, jeder Gedanke genau an seinem Platz steht. Wenn ihr das wisst, könnt ihr keine unterschiedlichen Meinungen über die Phänomene der Natur haben. Wenn ihr ein Phänomen betrachtet, werdet ihr ein ganz bestimmtes Verständnis dafür haben. Das Essen ist in der Natur auch an seinem Platz. Solange der Mensch lebt, soll er essen, aber in Maßen; Nach 15-20 Bissen sollte man aufhören. Wenn man dieses Gesetz nicht befolgt, kommt es zur Übersättigung, was sich nachteilig auf den Organismus auswirkt. Die Natur ist großzügig, aber vernünftig und fordernd. Wenn sie einen gierigen Menschen trifft, befiehlt sie, ihm alles im Überfluss zu geben, damit er zufrieden ist. Alles hat sein eigenes Gewicht, das eines Tages den Körper belasten wird. Indem die Natur also dem Menschen mehr gibt, als er tragen kann, bestraft sie ihn. Sie macht das nicht absichtlich, um den Menschen zu foltern, sondern sie lehrt ihn, sie zeigt ihm, wie er leben soll. 

Wenn gesagt wird, dass man nicht viele Wünsche haben sollte, bedeutet das, sich von den Lasten des Lebens zu befreien. Befolgt der Mensch dieses Gesetz nicht, zermalmt ihn die Natur unbeabsichtigt. Das gleiche Gesetz kann wie folgt formuliert werden: Wünsche nicht das, was dich zermalmen kann. Wenn die Natur jemanden zermalmt, sagt er: „Ich will nichts, ich brauche nichts.“ – Das ist ein Extrem. Nachdem er ein paar Tage gehungert hat, sagt er: „Ich habe Hunger, gebt mir etwas Brot. Ich kann mich mit wenig zufriedengeben.“ Ein anderer wird sagen, dass er viel Brot möchte. Wie wenig der eine und wie viel der andere haben möchte, das sind unbestimmte Größen. Wenig und viel hängen davon ab, wie viel man tragen kann. Wenn man weniger trägt als man kann, behält man seine Energien. Wenn man mehr trägt als seine Fähigkeiten erlauben, verliert man seine Energien. Im ersten Fall gewinnt man und im zweiten Fall verliert man, aber in beiden Fällen werden zwei Endergebnisse erzielt. 

Wenn ihr jemanden sagen hört, dass er nichts vom Leben verlangt, werdet ihr wissen, dass seine Gefühle verletzt sind. Wenn er sagt, dass er viel verlangt, ist er in einem aufsteigenden Zustand seiner Gefühle. Im ersten Fall leidet er und im zweiten Fall freut er sich. Als Schüler müsst ihr eine klare Vorstellung von Leiden und Freuden haben. Wenn der Mensch auf die Erde gekommen ist, wird er unweigerlich Leid und Freud empfinden.

Wenn er den Sinn der Freuden und Leiden kennt, wird er sich in beiden Fällen freuen. Es ist ein Gesetz: Wenn einer leidet, freut sich ein anderer; Wenn einer sich freut, leidet ein anderer. Zum Beispiel ist die Freude des Herrn das Leid des Dieners. Der Diener hat seine guten Kleider angezogen und bereitet sich auf einen Spaziergang vor. Der Herr ruft ihn und möchte, dass der Diener frisches Wasser aus einer nahe gelegenen Quelle holt. Der Diener nimmt die Krüge und geht Wasser holen, aber er murrt auf dem ganzen Weg, weil er unzufrieden ist, dass sein Spaziergang vereitelt wurde. 

Der Herr hingegen erwartet ihn voller Ungeduld und Freude, weil ihm der Diener sauberes Quellwasser bringt. Die Unzufriedenheit des Dieners ist die Zufriedenheit des Herrn. Wenn ihr also leidet, so wisst, dass sich in diesem Moment jemand anderer freut. Wenn ihr euch freut, leidet gleichzeitig jemand anderer. In dieser Situation sind die Freuden und Leiden an ihren richtigen Plätzen. Wenn jemand jedoch denkt, dass seine Freuden und Leiden nur für ihn sind, ist er auf dem falschen Weg. Solange ihr die Beziehung zwischen euren Freuden und Leiden und denen eurer Nächsten nicht begriffen habt, habt ihr keinen Anteil am gemeinsamen Wohl der Menschheit. Dies ist ein Gesetz für die physischen Welt. Wenn man jedoch die göttliche Welt betritt, ist das Gesetz dort umgekehrt. In der göttlichen Welt ist die Freude des einen die Freude aller; Das Leid des eines ist das Leid aller. Die Gesetze der physischen Welt sind genau das Gegenteil der Gesetze der göttlichen Welt. Warum das so ist, kann heute nicht erklärt werden. Es gibt Dinge, die – egal wie lange man sie erklärt – immer ungeklärt bleiben werden. Es gibt Dinge, nach denen man nicht fragen darf. Wenn man fragt, erhält man keine Antwort. Unter bestimmten Bedingungen im Leben kann man fragen, warum die Dinge so und nicht anders ablaufen. Unter bestimmten Umständen sollte man jedoch nicht fragen.

Stellt euch vor, ihr packt jemanden am Kragen und taucht ihn in Wasser. Ist er in der Lage zu fragen, warum er ins Wasser getaucht wurde? Solange er im Wasser ist, hat er keine andere Wahl, als zu treten und sich zu verteidigen. Sobald er aus dem Wasser herauskommt, ist er schon frei und kann fragen, warum er ins Wasser getaucht wurde. Hätte er seinen Mund im Wasser geöffnet, um zu fragen, warum er getaucht wurde, wäre er ertrunken. Es gibt also bestimmte Leiden, die man ertragen muss, ohne zu fragen, warum sie kommen. Wenn man nichts fragt, zeigt dies, dass man unter Wasser ist und seinen Mund nicht öffnen sollte. Solange man im Wasser ist, hat man das Recht zu treten, Bewegungen zu machen, um sich zu befreien, aber man muss die ganze Zeit schweigen. 

Es ist leicht zu sagen, dass man seine Leiden ertragen muss, aber es ist wichtig, dass man weiß, wie man sie ertragen soll. Das Leiden ist nichts anderes als ein kleines Kind, das man auf dem Rücken trägt, bis es groß geworden ist. Wenn es groß geworden ist, wirst du es von deinem Rücken herunternehmen und auf den Boden stellen, damit es sich frei bewegen kann. Wenn es erwachsen wird und das 21. Jahr erreicht, wirst du Seite an Seite mit ihm gehen und ihr beide werdet euch freundlich unterhalten. Wenn du müde wirst, wirst du auf seinen Rücken steigen und das Kind wird dich tragen. Wie du das Leiden auf deinem Rücken getragen hast, so wird es auch dich tragen. Während es dich auf dem Rücken tragen wird, wird es dich lehren, dir erklären, warum die Leiden in die Welt kommen. 

Wenn ich jetzt vom Leiden spreche, verwende ich eine Bildsprache, die Sprache der Natur. Diese Veränderung der Einstellung des Menschen zum Leiden erklärt sich aus der Umwandlung des Leidens in Freude. In der physischen Welt wird sowohl Leiden zur Freude als auch Freude zum Leiden. Dies zeigt, dass sich das physische Leben zwischen zwei Polen bewegt. Die Natur setzt den Menschen abwechselnd  in den einen Pol und in den anderen Pol, wodurch der Mensch allein seine Position nicht ändern kann. Derjenige, der den Menschen in eine bestimmte Position gebracht hat, der wird das selbst ändern. Wenn jemand seine eigene Situation selbst geschaffen hat, kann er diese selbst aufheben. Wenn ihn jedoch jemand anderer in eine bestimmte Lage gebracht hat, dann wird er – egal wie unzufrieden er ist – warten, bis die Zeit gekommen ist, um die Lage zu ändern.

Es gibt Leiden, aus denen man sich selbst heraushelfen kann. Es gibt Leiden, bei denen einem  ein anderer helfen kann. Wenn sich zum Beispiel jemand den Arm oder das Bein bricht, kann er sich nicht selbst helfen. Es muss ein Arzt von außen kommen, um den gebrochenen Arm oder das gebrochene Bein wieder einzurenken. Wenn sie sich in Not und Leiden befinden, sagen die Menschen: „Man muss geduldig sein.“ – Wer kann es aushalten? – Nur der Vernünftige erträgt alles mit Geduld. Selbst wenn er auf den dornigsten Wegen geht, bleibt der Vernünftige unversehrt. Die Dornen, d.h. die Leiden kennen ihn und schürfen seine Haut nicht ab. Er geht an ihnen unbeschadet vorbei. Der ungeduldige Mensch ist wie eine elektrische Spannung, von der ständig Funken ausgehen, die ein Unwohlsein des Geistes hervorrufen. Wenn ihr mit einem ungeduldigen Menschen zurecht kommen wollt, müsst ihr etwas von euch abgeben, mit dem die Energien seines Körpers ausgeglichen werden können. Solange die Menschen ihre Charaktere nicht weicher gemacht haben, können sie sich gegenseitig nicht ausstehen. Um sich gegenseitig zu ertragen, müssen sich die Menschen in einiger Entfernung voneinander befinden. Menschen, zwischen denen Disharmonie besteht, sollten niemals im selben Bett schlafen. 

Um mit den Schwierigkeiten und Widersprüchen im Leben fertig zu werden, muss man also dem göttlichen Weg folgen. Zu diesem Zweck muss man vernünftig sein, das primäre Leben studieren. Um an das primäre Leben heranzukommen, muss man sowohl seinen Charakter als auch den Charakter seiner Nächsten studieren. Solange man sich selbst nicht kennt, hat man eine falsche Vorstellung von sich. Man hält sich für einen sehr guten oder einen sehr schlechten Menschen. Wenn in einem sich das Schöne und Erhabene manifestieren, fühlt man dass man gut ist. Sobald das niedere Prinzip in Erscheinung tritt, sagt man von sich, dass man ein schlechter Mensch ist. In beiden Fällen manifestiert sich im Menschen eine Reihe von Kräften, deren Herr er sein sollte. Als Schüler müsst ihr euch mit der göttlichen Wissenschaft beschäftigen, die eine absolute Vorstellung von allen Dingen gibt. Ohne diese Wissenschaft lebt der Mensch in der Relativität der Dinge. Das ist der Grund, warum die Menschen mehrere Meinungen zu derselben Sache haben. Zum Beispiel sagen einige von jemandem, dass er gut ist, andere sagen, dass er schlecht ist.

Kohlendioxid ist für den Durchschnittsmenschen ein schädliches, erstickendes Gas. Für die Pflanzen ist jedoch das gleiche Gas nützlich. Sie ernähren sich davon. Wenn der Adept, der die Gesetze der göttlichen Welt kennt, in eine Atmosphäre voller Kohlendioxid gerät, wird er sofort zu einer Pflanze, nimmt das Kohlendioxid auf, verwertet es als Nahrung und wird dann wieder zum Menschen. Für den Adepten ist auch das Schlechte gut. Wenn der Mensch das menschliche Reich nicht verlassen und nicht in das Pflanzenreich eintreten kann, um die für die Pflanzen günstigen Bedingungen zu nutzen und dann wieder zur Position des Menschen zurückzukehren, hat er keine Wissenschaft in sich. Was für eine Wissenschaft ist diejenige, mit der der Mensch mit seinen Krankheiten nicht fertig werden kann? Jemand wird krank, seine Beine werden schwach und er kann nicht sein Zimmer verlassen, um Wasser zu holen. Er betet einen Tag, zwei, drei Tage lang, jemand möge kommen und ihm Wasser bringen, aber niemand taucht auf. Der Kranke fragt sich, warum er keine Antwort auf sein Gebet erhält. Er schaut nicht aufmerksam auf seine Situation, er versteht nicht, dass er doch eine Antwort auf sein Gebet erhalten hat. Die Antwort liegt in der Tatsache, dass seine Beine bereits losgebunden sind und er sich selbst helfen kann. Derjenige, mit dem er rechnet dass er von draußen kommen und ihm Wasser bringen wird, ist in ihm. Er muss den Krug nehmen und sich selbst Wasser holen. Der Kranke gerät in einen Widerspruch, warum er keine Antwort auf sein Gebet erhalten hat. Dieser Widerspruch ist auf sein falsches Verständnis zurückzuführen. Er erwartet eine Antwort auf sein Gebet genau in der Art, wie er es beabsichtigt hat. Er erwartet, dass jemand von außen in Form eines vom Himmel gesandten Engels erscheint, die Zimmertür öffnet und ihm Wasser bringt. Der Kranke sollte dankbar sein, dass sein Gebet angenommen wurde, dass seine Beine ihm ermöglichen, sich selbst behilflich zu sein. 

Der Engel, mit dem er rechnet, ist in ihm. Für Gott ist alles möglich. Er kann nicht nur einen, sondern mehrere Engel senden, um euch zu helfen, aber man muss vernünftig sein und Gott nicht zwingen, Dinge zu tun, die nicht in der Ordnung der Natur liegen. In seinen Verstand und in sein Herz legt der Mensch Dinge, die die gesamte Ordnung der Natur verändern. Jemand sagt: „Ich habe einen so starken Gedanken, dass ich glaube, wenn ich bete, mein Gebet erhört wird. Mit der Kraft meines Gedankens kann ich die Bewegung der Erde aufhalten“. – Was passiert mit den Menschen, wenn du die Bewegung der Erde aufhältst? – „Es ist mir egal, was mit ihnen passiert.“ Dieser Mann möchte zufrieden sein, um zu beweisen, dass sein Gebet erhört wurde und wie die weiteren Konsequenzen sein werden, interessiert ihn nicht. Die Erde wird irgendwann ihre Bewegung aufhalten, aber nicht durch den menschlichen Gedanken. Damit die Bewegung der Erde aufhört, muss man wissen, was sie ursprünglich war und was sie heute darstellt. Gleichzeitig muss man wissen, welche Phasen die Erde durchlaufen hat.

Der Mensch muss vernünftig denken, um nicht zu extremen Ideen und Schlussfolgerungen zu kommen. Wenn er in Schwierigkeiten gerät, sagt er zu seiner Rechtfertigung: „Ich habe das so verstanden.“ – Es ist egal, was man versteht, es ist wichtig, richtig zu denken. Der Apostel Paulus sagte: „Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und war klug wie ein Kind und hatte kindische Anschläge; da ich aber ein Mann ward, tat ich ab, was kindisch war.“ Daher muss man, wenn man sich über die Dinge äußert, ehrlich zu sich selbst sein und wissen, ob man als Kind, als Erwachsener, als alter Mann oder als Weiser denkt. Man darf niemals auf seine Überzeugung bestehen, die sich jeden Tag ändert. Nur Gottes Gedanke ist absolut und unveränderlich. Das menschliche Denken ist jedoch relativ, es unterliegt Veränderungen. 

Wenn dich also jemand fragt, ob du ein guter Mensch bist, so sage ihm: „Heute bin ich gut, wie ich mich in Zukunft zeigen werde, weiß ich noch nicht“. Das heißt: Die Arbeit, die ich heute geleistet habe, ist gut. Ich beginne mit einer neuen Arbeit, die ich an meinen Platz stellen werde. Die zweite Arbeit wird besser sein als die erste, die dritte – besser als die zweite  usw. So werde ich meine Arbeiten nacheinander präsentieren, bis alle Menschen sie begutachten. Wenn die erste Ausstellung nicht erfolgreich ist, werde ich eine zweite, dritte, vierte machen. Jeder Mensch muss eine Reihe von Ausstellungen machen, um den Menschen zu zeigen, dass er Kunst in sich trägt. Um über jemanden zu urteilen, schaut euch daher an, was seine Manifestationen in jedem Moment seines Lebens sind. Er mag eine moralische Person sein, aber was nützt seine Moral, wenn er nicht bereit ist, einen Dienst zu leisten? Der Mensch wird durch die Erscheinungen seines Lebens bestimmt, nicht durch das, was er nicht manifestieren kann. Ein wahrer Mensch ist derjenige, der die Bedürfnisse seines Nächsten zu einem bestimmten Zeitpunkt verstehen und ihm sofort zu Hilfe kommen kann.

Heute haben die Menschen das Vertrauen ineinander verloren, weshalb sie es unterlassen, sich gegenseitig zu helfen. Sie haben ihr Leben verzerrt, sie haben jene natürlichen Beziehungen zueinander verloren, den natürlichen Umgang. Ihr trefft jemanden und sagt, ihr mögt ihn nicht. Warum mögt ihr ihn nicht? Weil er schlecht blinzelt. Dieser Mensch hat den richtigen Rhythmus verloren, nach dem er seine Augen öffnet und schließt. Richtig blinzeln bedeutet nicht, die Augen schnell zu öffnen und zu schließen. Wir nennen die kürzeste Zeit in der Natur einen Moment. Mit diesem Moment, mit diesem Maß, bestimmen wir die Dinge, indem wir ihnen einen entsprechenden Wert geben. 

Der Moment ist ein Takt, ein musikalisches Maß im Leben. Wenn das Denken des Menschen richtig ist, wird auch sein Blinzeln korrekt und rhythmisch sein. Wenn sein Denken falsch ist, wird auch das Blinzeln nicht richtig sein. Wenn die Gefühle und Handlungen eines Menschen nicht richtig sind, ist auch das Blinzeln nicht richtig. Wenn also die Gedanken, Gefühle und Handlungen eines Menschen richtig sind, ist auch das Blinzeln korrekt. Wenn ihr ihm in die Augen schaut, empfindet ihr es als angenehm, ihm zuzuschauen: Ein weiches, angenehmes Licht kommt aus seinen Augen. Nicht nur im Blinzeln, sondern auch im Öffnen und Schließen des Mundes, in allen Bewegungen muss eine gewisse Korrektheit vorliegen. Im Allgemeinen hängt die Richtigkeit der Bewegungen mit dem richtigen Gedanken zusammen.

Konzentriert euch bei der Untersuchung der Merkmale des menschlichen Gesichts auf die Form des Mundes. Wenn der Mund eines Menschen die Form einer geraden Linie hat, zeigt dies, dass dieser Mensch hart an seinem Willen gearbeitet hat, wodurch er große Festigkeit erlangt hat. Man sagt von jemandem: „Er ist sehr hart.“ – Er ist sehr hart, aber in seinen Gefühlen ist er verarmt, dort ist er bankrott gegangen. Der menschliche Mund sollte eine schön geschwungene Linie bilden, die weder zu offen nich zu geschlossen ist. Die Lippen müssen sich leicht berühren, damit die Säfte des Lebens ständig einströmen können. Außerdem sollten die Lippen eine gewisse rote Nuance aufweisen, ein Zeichen von reinem Blut. Wenn sie blau werden, ist das ein Zeichen für unreines, venöses Blut. Der Zustand des Herzens und der Gefühle hängt von der Form des Mundes und der Farbe der Lippen ab. Wenn die Form des Mundes und die Farbe der Lippen normal sind, entsprechen sie den natürlichen Maßen in der Natur. Auch wenn man diese Maße nicht versteht, fühlt man etwas Angenehmes in sich, wenn man einen solchen Mund sieht. 

Auf die Erde gekommen, hat der Mensch die Aufgabe, sich neu zu erschaffen, seinen Körper zu formen, ihn zu perfektionieren. Ihr  sagt: Man muss ein reines Herz haben. Ein reines Herz ist wie reines Wasser. Wer ein reines Herz hat, glaubt alles. Wenn gesagt wird, man sollte wie ein Kind werden, bedeutet das, ein Herz zu haben, das so rein ist wie das Herz eines Kindes und an alles zu glauben. Ein reines Herz zu haben bedeutet, in einem gesunden Zustand des eigenen Körpers zu sein. Es ist vorzuziehen, belogen zu werden, aber inneren Frieden zu haben, als jedem  zu misstrauen und ständig verstimmt und besorgt zu sein. Wer belogen wird, gewinnt immer. Wenn der Gerechte belogen wird, sammelt er Kapital in seiner Bank. Wenn ihn jemand anlügt und ihm tausend Leva wegnimmt, erhält er andererseits mehr als er gegeben hat. Ein reines Herz ist eine Quelle: Je mehr sie gibt, desto mehr fließt es aus ihr heraus. Gib, um zu empfangen! Dieses Gesetz gilt nur für die reinen Herzen. Es funktioniert nicht bei den unreinen Herzen. Bei Menschen mit reinen Herzen isr der Abfluss niemals verstopft. Bei Menschen mit unreinen Herzen ist der Abfluss bereits verstopft, wodurch es hier und da Risse gibt. Um das Unheil zu vermeiden, das er dem Menschen zufügen kann, ist es unbedingt notwendig, ihn zu reparieren. 

Wenn man auf seine Mängel stößt, sollte man sich nicht schäme , sondern bereit sein, sich zu verbessern. Solange man sich nicht verbessert, kann man kein helles, perfektes Wesen berühren. Die vernünftigen, fortgeschrittene Wesen sind den Menschen gegenüber sehr herablassend. Wenn sie sehen, dass ein gewöhnlicher Mensch auf sie zugeht, lächeln sie und bestimmen den Grad seiner Entwicklung. Dann weisen sie ihn darauf, wo ihm etwas fehlt und wie das behoben werden kann. Nicht nur das – sie kommen ihm immer zu Hilfe. Sie helfen dem Menschen unbemerkt, als ob er alles selbst machen würde. Die vernünftigen Wesen sind die besten Freunde des Menschen. Sie kennen ihn so, wie er wirklich ist. Sie wissen über ihn auch das, was er nicht einmal vermutet. 

Viele scheitern in ihrem Leben, weil sie alles wissen wollen. Es gibt Dinge, die man wissen sollte, aber es gibt Dinge, die man nicht wissen sollte. In jedem einzelnen Fall muss man über sich selbst wissen, ob man gut oder schlecht ist, ob man Gutes oder Böses tut. Und wenn man das weiß, sollte man glücklich, zufrieden sein, etwas über sich selbst zu wissen. Das bedeutet nicht, dass man sich über das Böse in sich freuen sollte, sondern dass man sich freuen sollte, wenn man seinen Fehler sieht, wenn man das Gute vom Bösen unterscheidet und sich korrigieren kann. Wenn man seine Fehler sieht, kann man sich verbessern. Solange man die Fehler noch nicht gesehen hat, kann keine Berichtigung stattfinden. Im Menschen gibt es etwas, das selbst die Fehler sieht. Dies ist der göttliche Anfang in ihm. Hört man auf diese Stimme, hat man bereits die Voraussetzungen, keine Fehler zu machen. Wenn man Fehler gemacht hat, hat man die Voraussetzungen, sie zu berichtigen. Das Göttliche im Menschen ist immer bereit, dessen Böses, dessen Fehler ihm abzukaufen und zu verarbeiten, sie in Edelsteine zu verwandeln. Was jedoch das Gute betrifft, so befasst sich das Göttliche nicht damit, d.h. das Gute bleibt Kapital für den Menschen selbst, damit er mit ihm arbeitet und sich den Lebensunterhalt sichert. Was also das Böse anbelangt, müsst ihr wissen, dass es immer verkauft werden kann, das Gute jedoch – niemals. „Wer kauft denn das Böse?“ – Die Weisen, die großen Adepten und die Heiligen. Nur der Starke kann mit dem Bösen fertig werden.

Wenn sie das hören, werden viele den Vers „Gott ist Liebe“ zitieren. Sie meinen, wenn Gott Liebe ist, darf Er das Böse und die Leiden in der Welt nicht zulassen. Ich frage: „In welche Bedingungen hat Gott Seinen Sohn gesandt? Kam Christus, um das Leben auf der Erde zu genießen?“ Christus kam auf die Erde, um die Sünden der Menschheit auf sich zu nehmen, um sie ihnen abzukaufen und zu verarbeiten. 

Wenn der Sohn Gottes die Sünden der Menschheit auf sich genommen hat, warum erwartet ihr dann etwas anderes für euch? Durch Sein Leben auf der Erde hat Christus den Weg aufgezeigt, den jeder Mensch gehen muss. Auf der gleichen Grundlage muss ein Mensch, wenn er der Sohn Gottes sein will, die Sünden der Menschheit auf sich nehmen und durch Leiden gehen. – „Bin ich der einzige, der leiden muss?“ – Nein, alle Menschen leiden. Wer bewusst leidet und mit Liebe die Leiden erträgt, kann „der Sohn Gottes“ genannt werden. Wenn du der Sohn Gottes bist, wirst du dienen. Dienen ist die erste Pflicht des Menschen. Wer notgedrungen leidet, ist ein Sünder. Wenn man auf die Erde gekommen ist, ist man unweigerlich dem Leiden ausgesetzt. Als Sohn Gottes, als Diener und als Sünder wird er immer leiden, aber als Sohn Gottes wird er bewusst und mit Liebe leiden, als Diener wird er aufgrund der Verpflichtung und als Sünder – aufgrund der Notwendigkeit leiden. 

Diejenigen, die die Bedeutung des Leidens nicht verstehen, fragen, ob es ohne Leiden geht. Ohne Leiden geht es nicht. Fragt nicht, warum ihr leidet. Egal wie lange ihr fragt, ihr werdet keine Antwort erhalten. Ihr dürft euch nur die Art des Leidens aussuchen – nach dem Gesetz der Liebe, nach dem Gesetz der Verpflichtung oder nach dem Gesetz der Notwendigkeit. Fragt jedoch nicht, warum ihr leidet, solange ihr im Wasser seid. Wenn ihr den Mund aufmacht, schluckt ihr viel Wasser und ertrinkt. Nehmt das Leiden nach dem Gesetz der Liebe an, um die große Aufgabe eures Lebens zu erfüllen und viel zu lernen. Das gibt euch Freiheit in eurem Verständnis und euren Beziehungen. Indem ihr bewusst leidet, werdet ihr sehen, dass alles, was in eurem Leben passiert, zu eurem Besten ist. 

Als Schüler müsst ihr jetzt aus eurer Engstirnigkeit herauskommen und euer Verständnis vertiefen. Unfähig, aus den Schwierigkeiten herauszukommen, sagt der Mensch: „Ich bin sündig, meine Mutter hat mich in Sünde empfangen“. Dass ihr in Sünde geboren seid, bedeutet nicht im geringsten, dass auch eure Seele sündig ist. Jede Seele, die in Materie gekleidet ist, hat die Möglichkeit zu irren, aber das zeigt noch nicht, dass die Seele an sich eine Sünderin ist. Wenn ihr von der „sündigen Seele“ spricht, drückt ihr euer menschliches Verständnis aus. Aus göttlicher Sicht ist die Seele jedoch rein und ohne Sünde. Wenn also ein Mensch von sich selbst sagt, dass er sündig ist, muss in seinem Verstand die Idee hervortreten, dass irgendwo tief in seinem Inneren ein großer Gerechter lebt. Und dann wird der große Sünder eine Verbindung mit dem großen Gerechten in sich eingehen und ihm die Hälfte seiner Sünden verkaufen. Was im Menschen geschieht, geschieht auch im gesamten Leben und in der Natur. Die Sünder auf der Welt müssen eine Beziehung zu den Gerechten herstellen und ihnen die Hälfte ihrer Sünden verkaufen. Auf diese Weise werden sich die Kräfte im Leben ausgleichen. 

Das gleiche Gesetz lässt sich auch in der Natur beobachten. Auf dem unreinen Mist wachsen reine, schöne Blumen. Sie saugen die Säfte aus dem Mist, verarbeiten sie und schließlich kommen schöne Blumen und Früchte von guter Qualität aus ihnen heraus. Auch Christus, der größte Gerechte, kam auf die Welt, um die Sünder zu erheben. Er stellte eine Verbindung zu den Sündern her, nicht zu den Gerechten. 

Einige sagen, dass Gott die Dinge so eingerichtet, wie Er es versteht und wie Er es will. Nein, Gott, der Freieste auf der Welt, übt niemals Willkür aus. Er ordnet die Dinge nach den großen Gesetzen des Seins und der Ewigkeit. Gott verurteilt niemanden, aber wenn Er in den Menschen eintritt und sich einschränkt, beginnt Er dem Menschen Ratschläge zu geben und ihm zu sagen, was gut und was nicht gut ist. Das Göttliche im Menschen flüstert ihm ständig zu, was gut und was böse ist und sagt ihm, dass er als ein Wesen, das sich zwischen zwei Polen bewegt, vorsichtig sein und sich selbst kontrollieren soll. Wenn vom Menschen Selbstkontrolle verlangt wird, wie viel mehr ist sie für die erhabenen, vernünftigen Wesen notwendig! Alle Menschen sprechen, aber jede Rede ist nicht gleich. Je höher ein Mensch geistig und seelisch steht, desto weicher und präziser sind seine Worte.

Viele können ein Instrument spielen und malen, aber nicht alle spielen und malen gleich gut. Es reicht, wenn der Musiker den Bogen in die Hand nimmt und anfängt zu spielen, um zu wissen, wer ein Meister und wer ein gewöhnlicher Geiger ist. Das Gleiche gilt für die verschiedenen Maler. Der gewöhnliche Maler unterscheidet sich grundlegend von dem großen. Alle Menschen können das Wort „Liebe“ aussprechen, aber es wird immer anders klingen: Einer bringt Poesie und Rhythmus in dieses Wort, ein anderer spricht es auf eine Weise aus, die das Bewusstsein der für die Liebe schlafenden Wesen erweckt. Wenn ihr das Bewusstsein dieser Wesen erweckt, werden sie euch sofort zu Hilfe kommen, sie werden euch dienen wollen. Das bedeutet es, ein Wort am richtigen Platz und in der richtigen Zeit auszusprechen. Deshalb sagte auch der Apostel Paulus: „Wenn ich in den Sprachen der Menschen und der Engel rede, aber keine Liebe habe, so bin ich ein tönendes Erz geworden oder eine schallende Zimbel.“ Die Liebe ist die göttliche Sprache. Nur derjenige, der die Sprache der Liebe spricht, ist bereit, das menschliche Bewusstsein zu erwecken. Jeder sollte diese Sprache lernen und sie verwenden. Wer die Sprache der Liebe als Sprache der vernünftigen Natur spricht, ist ein starker, großer Mensch. Wenn er diese Sprache nicht kennt, ist er ein kränklicher, schwacher Mensch. Wenn ihr die Heilige Schrift mechanisch lest und verschiedene Verse zitiert, verwendet ihr die menschliche Sprache. Wenn ihr anfangt, denn Sinn dieser Verse zu spüren, seid ihr der Engelssprache näher gekommen. Aber es gibt noch eine andere Sprache, in der Gott und die Natur sprechen. Das ist die göttliche Sprache, die auch ihr lernen müsst. Egal wie gering euer Wortschatz ist – beginnt, die Wörter miteinander zu kombinieren und aus ihnen ganze Sätze zu bilden. Wenn ihr gelernt habt, sie am passenden Platz und in der passenden Zeit zu benutzen, habt ihr bereits den richtigen Weg im Leben eingeschlagen. Das bedeutet es, zu der neuen Wissenschaft zu kommen, die die Dinge innerlich erklärt. 

Um zur neuen Wissenschaft des Lebens zu gelangen, muss man daher allmählich vom Menschlichen zum Engelhaften und vom Engelhaften zum Göttlichen gehen. Ihr werdet sagen, dass ihr alt werdet, bis ihr zur göttlichen Wissenschaft kommt. Lasst das Altern beiseite. Ihr müsst euch von nun an verjüngen. Das hohe Alter ist für die Toten. Nur Tote sprechen vom Altern. Lebende Menschen können jedoch über Verjüngung sprechen. Deshalb sagt die Schrift: „Lass die Toten ihre Toten begraben.“ Lasst die Toten sich mit ihren Toten beschäftigen und klären, wie sie sie kleiden, welche Gebete sie ihnen vorlesen, welche Reden sie halten usw. Wenn diese Frage den Lebendigen gestellt wird, ist ihre Lösung einfach. Jemand wird kommen, um zu erzählen, dass er von seinem verstorbenen Vater geträumt habe, der barfuß, mit zerrissenen Kleidern und hungrig war. Er wisse nicht, was zu tun sei, um die Situation seines Vaters in der anderen Welt zu lindern. Das ist sehr einfach. Wenn du deinem Vater helfen möchtest, wirst du einen armen und hungrigen Menschen zu dir nach Hause einladen und ihm reichlich zu essen geben. Darüber hinaus wirst du ihn neu einkleiden und ihm neue Schuhe kaufen. Durch diesen Armen wirst du deinem Vater helfen. Dein Vater wird zufrieden sein, dass du dem Armen Essen und Kleidung gegeben hast. Um in der anderen Welt nicht nackt, barfuß und hungrig zu sein, muss man sich schon auf der Erde vorbereiten. So wird man mit allen denjenigen in Einklang kommen, die Gott dienen. Gott hat bereits die Situation der armen Menschen auf der Erde und in der unsichtbaren Welt erlebt, ihre Leiden mitgelitten und erkannt und es besteht keine Notwendigkeit, sie erneut zu durchlaufen.

Als Schüler müsst ihr bewusst an eurer Verjüngung arbeiten. Verwendet jeden Tag ein paar Minuten, um über die Jugend nachzudenken. Stellt euch vor, ihr befindet euch in der Situation eines kleinen Kindes, das jederzeit etwas erwerben kann. Wenn man auf diese Weise arbeitet, verjüngt man sich allmählich und bereitet sich auf größere Arbeit vor. 

Ihr fragt: „Sollen wir jetzt Kinder werden?“ – Wie viele Engel, wie viele erhabene Wesen kamen auf die Erde mit dem einzigen Ziel, Kinder zu werden und Bedingungen zu erwerben, damit sie wachsen und sich entwickeln können? Der Apostel Paulus sagte: „Lasst uns die alten Kleider ablegen!“ Das heißt, die Kleider des Alters ausziehen und die neuen Kleider der Jugend anziehen, also uns verjüngen. Das Kind ist ein Symbol. Es repräsentiert die verborgenen Kräfte, die verborgenen Möglichkeiten, die auf den Moment ihrer Manifestation warten. Der Tag wird kommen, an dem sich alle Talente und Begabungen des Kindes entwickeln werden und ihr werdet einen großen, erhabenen Menschen vor euch sehen. So etwas sind auch die Blumen, Fliegen, Schmetterlinge, die Tiere. Man muss sie in ihrer Welt sehen, um zu verstehen, welche Kräfte ihnen angelegt worden sind. Sie warten auf den Moment ihrer Entwicklung. Von euch jedoch wird verlangt, einen umfassenden Überblick über die Dinge zu haben, der eurem Verstand und Herzen innere Freiheit verleihen kann. Das wird nicht nur von euch verlangt, sondern von allen, die in der Großen Schule des Lebens lernen. 

Die göttliche Liebe bringt das volle Leben.

Der Leib der Liebe. Einschränkung und Befreiung

Allgemeine okkulte Klasse, Sofia, 26.02.1936, 5:00 Uhr

„Vater unser“

„Mahar Benu Abba“

Es wurden die Aufsätze zum Thema „Welcher ist der Weg des Dieners“ vorgelesen.

Aus dem Johannes-Evangelium (10:1-19) wurde vorgelesen.

„Der Geist Gottes“

Es gibt einige Dinge, die nicht für die Menschen, sondern für den Schüler wichtig sind. Das Wort ‚Mensch‘ impliziert ein Wesen, das denkt. Der Mensch ist gekommen, um ein Schüler zu sein, und kein Mensch kann lernen, der nicht denkt. Die erste Lektion, die dem Menschen, dem Schüler in der Schule, erteilt wurde, war, Gehorsam zu lernen. Der Mensch kann dieses Thema nicht entwickeln. Nun kennt ihr alle die Geschichte über den Ungehorsam, der zur Unterentwicklung führt. Der Mensch musste aus dem Paradies herauskommen, um den Gehorsam zu lernen. Und seit er aus dem Paradies herauskam, lernt er immer noch den Gehorsam. Wenn er diesen Gehorsam gelernt hat, wird er in die Schule zurückkehren. Gehorsam ist ein Fach, eine Theorie. Man kann fragen: „Worin besteht der Gehorsam?“ Man kann sagen: „Der Gehorsam besteht darin, Gott zu lieben.“ Aber man muss das in die Praxis umsetzen. 

Oft sprechen wir über Dinge, die uns nicht klar sind. Zum Beispiel können wir über die andere Welt sprechen, aber ihr versteht nicht, was die andere Welt ist. Versucht, euch die Welt eines gegenwärtigem Wissenschaftlers vorzustellen. Seine Gelehrsamkeit liegt nicht in seinem Labor und in seinen Büchern, sondern in jenem breiten Verständnis, in dem Wissen, das er über die Welt hat. Demgegenüber sind seine Bücher, sein Labor, seine Bibliothek nur Hilfsmittel, Bedingungen. Da der Mensch ein Schüler ist, führt er seit langer Zeit eine Reihe von Experimenten in seinem Labor durch. Weil er das Leben für unerträglich hält? Nein. Es gibt viele Professoren, die, wenn sie Experimente machen, eine Explosion verursachen. Dann verlässt dieser Professor die Schule und ein anderer tritt seine Stelle an. Einer könnte sterben und ein anderer könnte sterben, aber das Experiment muss durchgeführt werden. 

Der Mensch muss lernen. Der Versuch kann fehlschlagen, das bedeutet nichts. Jetzt haben viele von euch ein falsches Verständnis der Dinge und denken, dass sie diese Schule, in die ihr eingetreten seid, in höchstens fünf oder zehn Jahren beendet haben werden und herauskommen können, um einen Versuch zu machen, für den sie eine gute Stelle mit hohem Gehalt erhalten werden. Die göttliche Schule ist anders. Ich habe jemanden sagen hören: „Sieh, ich habe hier zwanzig Jahre verbracht und nichts gelernt, ich habe nur meine Zeit verschwendet.“ Wenn wir uns das Leben ansehen – wer hat schon seine Zeit nicht verschwenden? Wenn jemand die wahren Wege Gottes nicht versteht, wenn er den Sinn seines Lebens nicht versteht, kann er sich selbst täuschen und denken, dass seine Probleme gelöst sind. Sie können bis zu einem gewissen Grad gelöst sein, aber die irdischen Angelegenheiten bleiben unerledigt. Wenn wir glauben, dass das irdische Leben ein Ende hat, dann ist das irdische Leben sinnlos. Warum? – Weil wir kein einziges Ergebnis haben. 

Einige konzentrieren sich auf die Frage, warum das Leben so schwierig ist. Sie sollten sich nicht mit diesem Thema befassen. Diese Frage ist sinnlos. Ihr könnt dieselbe Frage in einer Schule stellen. Denn in der Schule werden die Fächer immer schwieriger. In der Grundschule beschäftigen die Lehrer die Kinder mit sehr grundlegenden Dingen. Da ist die Schule zunächst einfach. Im zweiten und dritten Jahr wird es schwieriger und in den letzten fünf Jahren wird es noch schwieriger. An der Universität ist es noch schwieriger. Wenn ihr euch in weitere Studien vertieft, wird die Sache ziemlich schwierig. 

Ich frage: Wenn ihr zwanzig Jahre mit Studien verbracht haben, was bringt das? Ein Mensch auf der Erde muss mindestens zwanzig Jahre lang studieren, um Fachmann zu werden. Und danach hat er immer noch das Gefühl, dass ihm etwas fehlt und dass er nichts weiß und immer noch lernen muss. Es gibt Wissenschaftler, die sich seit zwanzig Jahren mit einem bestimmten Thema befassen und ein berühmtes wissenschaftliches Buch schreiben werden. Man schreibt trotzdem noch ein Buch. Das Leben ist nichts anderes als ein Buch schreiben, wobei man jeden Tag selbst entscheiden muss, was richtig und was falsch ist. Jemand sagt zu mir: „Zeig mir, was richtig und was falsch ist.“ Du kannst nicht im Unrecht sein, solange du noch kein Recht hattest. Du kannst nicht sündig sein, bevor du gerecht warst. Denn der Gerechte kann die Sünde spüren. Ein reiner Mensch, dessen Kleidung sauber ist, kann die Flecken auf seiner Kleidung bemerken und der Unreine, dessen Kleidung von oben bis unten unrein ist, kann den Schmutz und die Flecken darauf nicht bemerken. Folglich wollen wir etwas wiederherstellen, was wir verloren haben.

Wir wollen jene ursprüngliche Freiheit wiedererlangen, die Gott uns gegeben hat, diese Gerechtigkeit, die Gott uns einverleibt hat. Die Freiheit hängt mit der Wahrheit zusammen und der Erwerb dieser Freiheit kann nicht mechanisch erfolgen. Keiner kann uns frei machen. 

Wenn ihr glaubt, jemand kann euch befreien, so liegt ihr falsch. Jemand denkt, wenn er Reichtum hat, wird er frei sein. Nein. Wenn ihr Reichtümer auf der Erde habt, werden viele Diebe auftauchen, ihr werdet unter ständiger Angst leben. Selbst derjenige, der auf der Erde stark ist, hat Neider. Es gibt immer jemanden, der ihn beneidet, er ist immer noch nicht frei. Worin besteht dann die Freiheit des Menschen? Die Freiheit des Menschen liegt darin: Derjenige ist frei, der niemanden behindert, er beschäftig sich nur mit sich selbst.

Mit anderen Worten, in der heutigen Sprache ausgedrückt: Beschäftige dich nur mit den Angelegenheiten Gottes und nicht damit, die Angelegenheiten der Menschen zu verbessern. Die heutigen Menschen, die die Welt verbessern, machen das auf die Art der Tiere. Ein großer Hund sagte, als er einen kleinen Hund mit einem Knochen im Mund traf: „Wer hat dir erlaubt, diesen Knochen zu tragen?“ Und der kleine Hund ließ den Knochen winselnd fallen und rannte weg. Der größere Hund nahm den Knochen, ihm nahm ein noch größerer Hund den Knochen ab und schließlich landete der Knochen beim stärksten Hund, der sagte: „Alle Knochen müssen zu mir kommen. Niemand hat das Recht, sie ohne meine Erlaubnis zu nehmen.“

Wenn ihr glücklich sein wollt und nur selbst frei sein wollt, habt ihr dann nicht das Konzept des großen Hundes? Wenn wir nur unser Leben verbessern wollen, sind wir den Tieren ähnlich. Unter diesem Gesichtspunkt können wir nicht das Leben betrachten. Es mag aus der Sicht der Menschen richtig sein, aber wir sind auf die Erde gekommen, um das göttliche Gesetz zu studieren und nicht für uns selbst, sondern für die Menschen zu arbeiten. Andere werden für uns arbeiten und wir werden für Gott arbeiten. Christus sagt: „Ich bin nicht gekommen, um meinen Willen zu tun, um für mich selbst zu arbeiten, sondern ich bin gekommen, um für Gott zu arbeiten, um den Willen meines Vaters zu tun. Ich kam, um meine Seele für seine Arbeit zu geben. Ich habe dich verherrlicht, ich habe deine Arbeit getan, Vater, verherrliche mich auch du. Was du für mich tun willst, tu es.“ Dies ist der Weg des Schülers. Viele haben ein anderes Verständnis. Wenn sie in die Welt kommen, wollen sie sie verbessern. Diese Arbeit ist nicht für sie, es ist eine Arbeit für Gott. Gott wird die Welt verbessern.

Gestern Abend kam eine alte Bekannte zu mir, ich nenne sie eine alte Schwester. Sie war schon lange nicht mehr hier. Aber sie geht immer noch auf diesem Weg, man fühlt, dass sie hier ist. Ich sagte vor Jahren zu ihr: „Der Weg, auf dem du bist, ist nichts für dich. Du musst deinen Weg ändern. Das hängt von dir ab. „Sie ist tatkräftig. Damals wollte sie die Welt verbessern. Sie kam viele Male. Ich sagte zu ihr:„ Weißt du noch, was ich dir vor Jahren gesagt habe? Ich habe dir damals gesagt, dass dieser Weg, den du eingeschlagen hast, nicht für dich ist, weil er dich in die Enge führen wird. Damals hast du gesagt: „Man muss arbeiten.“ Ja, man muss arbeiten, aber man muss klug arbeiten, man muss wissen, wie man arbeiten soll.“ Das war das erste Mal. Sie kam ein zweites Mal zu mir und fragte mich:“Wie soll ich arbeiten?“ Sie hat etwas vor, sie hat ein Projekt. Sie ist ziemlich vermögend, sie ist eine reiche Frau. Aber so kam es, die Umstände haben es ergeben, dass ihr Karma, ihr Professor, ihr eine schwierige Aufgabe zum Lösen gegeben hat. Ihr Professor prüfte sie. Sie dachte, es wäre einfach, die Prüfung zu bestehen, sie dachte daran, ihre Arbeit zu verbessern.

Sie beschloss, ein großes Gebäude in Plovdiv bauen zu lassen. Ich sagte zu ihr: „Du hättest mich früher fragen sollen, nicht jetzt.“ Das war vor 1915, bevor der Krieg begann. Ich sagte zu: „Wenn du mich fragst, baue nicht jetzt, verschiebe es.“ „Wenn ich jetzt nicht anfange zu bauen, werde ich einen Verlust machen. Ich habe das ganze Material vorbereitet.“ ‚ „ Es ist deine Sache. Wenn du mir nicht zuhörst, wirst du verlieren.“ Der Krieg brach 1915 aus, die Arbeit wurde eingestellt und sie beendete ihr Haus nach dem Krieg, aber sie hat große Verluste gemacht. Gestern Abend kam sie wieder und erzählte mir, dass ein großes Unglück sie getroffen hat. 

Ein Sohn, auf den sie sich verlassen konnte, der einen sehr einflussreichen Posten hatte, starb innerhalb von vier Tagen. Und sie war völlig entmutigt. Sie sagte: „Ich bin alt, ich bin schon siebzig. Es ist nichts mehr zu tun.“ – „ Dieser Weg, auf dem du bist, ist nicht dein Weg.“ Dann gab ich ihr die Vorträge aus „Der königliche Weg der Seele“ und sagte ihr: „Lies“. Sie weiß nicht, was sie tun soll. Wie der Mensch sich beeinflussen lässt. Diese Frau ist traurig und weint vor mir. Ich weiß, dass nicht sie weint, sondern ihr Sohn weint in ihr. 

Ich sagte zu ihr: „Dein Sohn, der in die andere Welt gegangen ist, hat seine Angelegenheiten nicht geregelt, er ist nicht auf jene Welt vorbereitet und weint.“ Und sie erzählte mir einen Traum, den sie von ihm hatte. Sie träumte, dass sie ihn sah und fragte: „Was machst du in der anderen Welt?“ – „Man gab mir eine Aufgabe, ich soll an einer Brücke dienen, die Brücke über diesen Fluss bewachen, auf dem alle Dampfschiffe fahren, nicht nur für das bulgarische Volk, sondern für die ganze Welt.“ 

Weil es eine sehr gefährliche Stelle war, sanken alle Dampfschiffe dort und die Arbeit war sehr anstrengend. Und das ist die Brücke, über die die Menschen von dieser Welt zur anderen gelangen und die Schiffe der Menschen sinken immer. Ich sagte: „Du weinst nicht selbst, sondern dein Sohn weint in dir.“ – „Warum?“ „Weil er nicht gelernt hat. Und du musst auch lernen, denn sonst wirst du auch später, wenn du in die andere Welt gehst, weinen. Dir wird man auch die Stelle an der Brücke geben.“ Als ich ihr die Misserfolge darlegte, dass sie dies und jenes nicht getan hatte, sah ich, dass sie immer noch nicht herausgefunden hatte, was sie tun sollte. 

Sie sagte, sie könne nicht arbeiten, aber sie meinte, sie müsse körperlich arbeiten. Sie sagte auf einmal, sie habe zwei Bergwerke: ein Kohlebergwerk und ein Bleibergwerk. Sie waren mehr als 10 Hektar groß. Ich habe ihr gedanklich die Idee geschickt, ich sagte ihr, dass diese Bergwerke erschlossen werden können. Als sie den Gedanken aufgenommen hatte, wurde sie fröhlich und sagte: „Ich habe doch etwas Hoffnung in der Welt.“

Die Welt ist ein Gegenstandsunterricht. Wir werden nicht in dieser Welt bleiben. Sie ist eine Schule. Wir werden in der Grundschule, in der Mittelstufe, in der Oberstufe des Gymnasiums lernen, auch an der Universität studieren. Dann werden wir uns spezialisieren und schließlich in eine andere, viel größere Welt eintreten, auf die sich alle vorbereiten. Und ihr müsst alle Positionen in dieser Schule erfüllen können. Jeder Schüler muss tadellos sein. Und der fähige Schüler wird geehrt. Wenn jemand möchte, dass Gott ihm zuhört, muss er lernen. Und wenn ihr in dieser Schule sein möchtet, müsst ihr lernen. 

Oft redet ihr von der Liebe. Was zeichnet die Liebe aus? Die Liebe bringt dem Menschen ein schmerzloses Leben, schmerzlose Zustände. Die Krankheiten bleiben draußen. Ihr könnt äußerlich leiden, aber innerlich werdet ihr ein Leben ohne Schmerzen haben. Macht euch um nichts Sorgen, die Liebe schließt die Krankheiten aus. Sie ist die Welt des Lebens. Wenn ihr nicht die göttliche Liebe habt, könnt ihr nicht jenes Leben haben, nach dem ihr sucht. Wenn ihr nicht mit der Liebe verbunden seid, werdet ihr auch nicht mit dem göttlichen Leben verbunden sein. Damit das göttliche Leben in euch zur Geltung kommt, müsst ihr die Gesetze der Liebe verstehen. Und wenn ihr nicht mit der Liebe verbunden seid, könnt ihr dieses göttliche Leben nicht haben. Damit sich das göttliche Leben manifestieren kann, müsst ihr die Welt der göttlichen Weisheit, des göttlichen Wissens und Lichts verstehen. Das Leben braucht Licht. Und Licht ist der Träger des Wissens. Wenn das Licht kommt, werdet ihr nicht stolpern. Die Widersprüche des Lebens entstehen aus dem Stolpern, aus der Dunkelheit. 

Vor ein paar Tagen erzählte ein Freund eine Anekdote, eine wahre Geschichte. Dieser Bruder erzählte die Begebenheit wie eine Kurzgeschichte. Ich werde sie euch so präsentieren, wie ich sie verstanden habe.

Ein reicher Bulgare starb in der Region Malko Tarnovo. Er hinterließ nur ein großes Gebäude, in dem er sein Geld vergraben hatte. Aber der Verstorbene hing dermaßen an seinem Haus, dass jeder, der es betrat, große Angst empfand; Wer das Haus betrat, starb – der Verstorbene erstickte ihn. Während des Sewastopol-Krieges, als Engländer und Franzosen kamen, um gegen die Russen zu kämpfen, zog ein französisches Regiment durch dieses Dorf. Als Kulturmenschen wollten die Franzosen das beste Haus im Dorf in Anspruch nehmen. Sie wollten Offiziere in diesem Haus unterbringen, aber man warnte sie, dass jemandem der Soldaten oder Offiziere etwas passieren könnte, dass sie erwürgt würden, wenn sie das Haus betreten..

Die Dorfbewohner sagten: „Dieses Haus ist sehr schön, aber es ist verwunschen. Dort gibt es einen Geist, der die Menschen erstickt.“ Die Franzosen bekamen Angst, doch einer von ihnen sagte: „Ich werde da hineingehen.“ Er war Okkultist, er verstand die Gesetze. Er betrat das Haus und arrangierte vierundzwanzig Kerzen im Kreis, eine Kerze pro Stunde. Und er hatte eine angezündete Kerze bei sich. Er betrat den Kerzenkreis. Auf einmal klopfte es an der Tür. Der Franzose sagte: „Komm rein.“ Der draußen sagte zu ihm: „Komm raus.“ Aber als der Franzose und der Bulgare sich nicht verständigen konnten, sagte Letzterer schließlich: „Wenn du nicht herauskommen möchtest, werde ich reinkommen.“ Und er machte die Tür auf, kam ins Haus und begann die Kerzen nacheinander zu löschen. Der Franzose saß im Kerzenkreis und zündete die Kerzen wieder an. Der Bulgare löschte die Kerzen und hatte die Hälfte geschafft und der Franzose zündete sie wieder an. Beide gingen im Kreis herum. Wie oft sie das gemacht hatten, ist nicht bekannt. Schließlich krähte der Hahn und dann ging der Bulgare fort.

Was ist die Schlussfolgerung aus der Geschichte? Sie ist die folgende: Ihr befindet euch jetzt in einer verwunschenen Welt, zündet jedoch vierundzwanzig Kerzen um euch herum an, und wenn der Teufel kommt, wird er klopfen und ihr sagt ihm: „Komm rein.“ Der Teufel wird euch sagen: „Kommt raus.“ Er wird eintreten und beginnen, die Kerzen zu löschen, ihr werdet sie wieder anzünden und wenn die Hähne zu krähen beginnen, wird der Teufel weggehen. Dieses Gesetz ist wahr: Damit der Teufel dich mit einem bösen Gedanken verwickeln kann, muss er deine Kerzen löschen. Er wird kommen und ein gutes Gefühl von dir oder einen guten Gedanken von dir auslöschen. Zünde sie wieder an. Es werden zwei oder drei Stunden so vergehen und wenn die Hähne zu krähen beginnen, wird der Teufel gehen. Von da an hatte auch dieser Bulgare Angst und ging nicht mehr ins Haus.

Als der Teufel sah, dass in diesem Haus vierundzwanzig Kerzen brennen und dass sie von selbst angezündet werden, war er überzeugt, dass die Kerzen im Menschen nicht gelöscht werden können. Deshalb wird er draußen bleiben. 

Die Schlussfolgerung ist jetzt die folgende: Löscht niemals eure heiligen Gedanken, lasst sie niemals und von niemandem auslöschen. Wer auch immer es versucht: euer Vater, eure Mutter, euer Bruder usw., lasst eure heiligen Gedanken nicht auslöschen. Seid wie der Franzose! Wer auch immer kommt, lasst ihn eure Kerze nicht ausblasen! Wenn jemand sie ausbläst, zündet sie erneut an.

Diese Kerze, die du in dir hast, das ist der menschliche Verstand, das ist der menschliche Geist. Lass dich nicht entmutigen, dass jemand deine Kerze gelöscht hat, dass jemand ein beleidigendes Wort über dich gesagt hat. Zünde deine Kerze an. Denn jedes böse Wort löscht eine Kerze. Zünde sie wieder an. Und wenn man dir ein zweites böses Wort sagt, zünde deine Kerze wieder an.

Nun könnte eine andere Frage entstehen: Es ist einfach, so zu reden, aber wie sollen wir das zustande bringen? Es gibt zwei Weisen auf der Welt, wie der Mensch Gott dienen kann. Die eine besteht darin, aus der Freiheit seines Willens heraus zu dienen und die andere besteht darin, zum Dienst gezwungen zu werden. Beim ersten Weg ist es dem Menschen überlassen, selbst die Wahl zu treffen und wenn er keine gute Wahl trifft, wird er gezwungen. Wie könnt ihr also feststellen, ob ihr die richtige oder die falsche Wahl getroffen habt? Wie könnt ihr die richtige von der falschen Wahl unterscheiden? Wenn ihr am Anfang das Gefühl hattet, frei gewesen zu sein, etwas zu tun, aber nachdem ihr es getan habt, ihr euch eingeschränkt fühlt, dann habt ihr den krummen Weg eingeschlagen. Wenn ihr eine Arbeit erledigen wollt und euch äußerst eingeschränkt fühlt und nachdem ihr die Arbeit erledigt habt, ihr eine Befreiung empfindet, dann war das der richtige Weg.

Das, was den Menschen zum Schluss befreit, ist der richtige Weg. Und das, was den Menschen zum Schluss einschränkt, ist der krumme Weg. Auf dem krummen Weg steht also die Freiheit am Anfang und die Einschränkung am Ende. Auf dem richtigen Weg steht die Einschränkung am Anfang und die Freiheit am Ende. Das gleiche Gesetz könnt ihr auf eure Gedanken und Gefühle anwenden. Wenn eines eurer Gefühle euch am Ende einschränkt, ist dieses Gefühl falsch, es geht in die falsche Richtung. Wenn eine eurer Handlungen euch am Ende einschränkt, ist sie nicht richtig, sie wird euch nichts beitragen.

Diese Dinge müsst ihr innerlich verstehen. Du tust etwas und fragst: „War das richtig oder nicht?“ Nun, jemand wird euch sagen, dass es richtig war. Aber stellt euch jetzt Folgendes vor. Ihr könnt mich fragen: „Soll ich auf diesen Baum klettern oder nicht?“ Ich sage euch: „Mach das“ oder „Lass es sein“. Aber wenn du alleine bist und von einem Bären verfolgt wirst – was wirst du dann sagen? Hast du eine Wahl? Klettere auf den Baum, es bleibt nichts anderes übrig. Wer klettert, ist immer auf dem richtigen Weg. Wer auf den Berg steigt, ist immer auf dem richtigen Weg und wer vom Berg herunterkommt, ist immer auf dem krummen Weg. 

Wer aber vom Berg ins Tal geht, steigt hinunter, um Essen mitzunehmen und wenn er sein Essen nimmt, muss er wieder hinaufgehen. Der Mensch steigt in die physische Welt herab, um Erfahrungen zu sammeln und wenn er in die andere Welt zurückkehrt, wird er etwas haben, um sich damit zu beschäftigen. Er wird sich mit dem erworbenen Material beschäftigen, das er hier mitgenommen hat und es dann in der anderen Welt verarbeiten. Ihr fragt: „Wie wird das andere Leben sein?“ Ihr sitzt, schaut auf euren Leib und sagt: „Was machen wir mit diesem Leib? Wie werden wir ihn verlassen?“ 

Der Körper, in dem ihr jetzt lebt, ist nicht euer wirklicher Leib. Er ist eine provisorische Hütte, die euch zur Verfügung gestellt wurde. Einige von euch haben ein schönes, ordentliches Haus und bei anderen ist das Haus nicht so gut gebaut. Zum Beispiel stehen bei einigen von euch die Fenster des Hauses sehr nah beieinander und bei anderen sind sie sehr weit voneinander entfernt. Dann ist die Belüftung bei einigen von euch nicht gut angebracht. Bei einigen ist die Haustür, bei anderen sind die Telefonhörer nicht gut gemacht. Bei einigen von euch sind die Diener nicht gut erzogen. Bei manchen sind die Autos nicht gut, sie sind sehr altmodisch. 

Liebe, Weisheit und Wahrheit sind die drei Welten, in denen der Mensch leben kann. Indem er auf der Erde lebt, bereitet er sich darauf vor, einen Leib zu schaffen, den Leib der Liebe, der niemals stirbt. Wir suchen die Liebe, weil wir nur durch die Liebe unser Leben aufbauen können. Um auferstehen zu können, muss der Mensch diesen neuen Leib der Liebe in sich selbst bauen. Der Leib, den ein Mensch baut, hat seine Anfänge in der Liebe.

In der okkulten Wissenschaft spricht man von sieben Leibern, von denen vier Hüllen sind und drei die wesentlichen Leiber darstellen. Die drei wesentlichen Leiber nenne ich den ‚Leib der Liebe‘ (Geistselbst in der Anthroposophie), den ‚Leib der Weisheit‘ (Lebensgeist) und den ‚Leib der Wahrheit‘ (Geistesmensch). Vorläufig gibt es an den beiden Leibern der Weisheit und Wahrheit viel zu arbeiten. Wir streben hauptsächlich nach der Liebe. Der einzige Leib, den wir anstreben, ist der Leib der Liebe. Wenn wir über die Liebe sprechen, verstehen wir den wirklichen Leib. Wenn der Leib der Liebe im Menschen aufgebaut ist, wird der Mensch  auferstehen. Er wird zuerst aus Gott geboren und dann beginnt er zu wachsen. Die Auferstehung kommt, wenn dieser Leib im Menschen zum Manne reift. Dann wird der Mensch frei sein von aller Mühsal, die er jetzt auf der Erde erleidet. Er wird jenes positive Wissen haben, er wird die Sprache der Natur verstehen. Dann wird ihm die Welt nicht so fremd sein wie jetzt. Jeder Mensch, der den Leib der Liebe in sich entwickelt hat, kann überall auf die Erde hingehen. Selbst wenn er zu den bösesten Menschen kommt oder unter die bösesten Raubtiere gerät, wird ihn jeder kennen und vor ihm aufstehen. Wenn du den Leib der Liebe hast, kann keiner dein Feind sein. Wichtig ist die Arbeit am Aufbau dieses Leibes.

Jetzt denkt ihr, wenn ihr in die andere Welt geht, werdet ihr nur singen. Wie werdet ihr singen, wenn ihr nicht den Leib der Liebe habt? Nur die Liebe kann singen. Du hast Angst, dass du alt geworden bist. Solange du singst, solange du in der Liebe bist, wirst du immer jung sein. In der Liebe wird ein Mensch ständig verjüngt sein. Was ist die Liebe? Ewiges Erlangen des Göttlichen. Das sind Dinge, die ihr verstehen könnt. Jetzt werdet ihr entmutigt und sagt: „Wir können nichts verstehen.“ Was möchtet ihr jetzt verstehen? Stellt euch vor, ich kann euch finanzieren, dann trefft ihre eine solche Wahl, dass ihr nichts bereuen werdet. 

Es gibt eine Anekdote über das neidische Herz des Menschen. Ein König rief jemanden zu sich, der sehr neidisch war und sagte zu ihm: „Verlange von mir, was du brauchst, aber du musst wissen, dass ich deinem Nachbarn das Doppelte von allem geben werde, was du verlangst.“ Damit wollte der König den Hass und den Neid des menschlichen Herzens auf die Probe stellen. Darauf dachte der Neidische lange nach und sagte zu dem König: „Ich möchte, dass du eines meiner Augen herausnimmst.“ Er bat den König, eines seiner Augen herauszunehmen, damit beide Augen seines Nachbarn herausgenommen werden. Das ist keine Wahl. Ich sage, beneidet niemanden. Freut euch über jeden guten Gewinn, den die Menschen haben, denn das Gute kommt von Gott. Egal wie gering dieses Gute in jedem sein mag, in den Pflanzen, in den Tieren oder im Menschen, freut euch über dieses Gute. Das Gute ist immer von Gott. Wir freuen uns an einem Baum, wir freuen uns an einem Birnbaum und seinen guten Früchten. Genießt die guten Trauben, die gute Feige, die gute Kuh, die gute Milch gibt. Sollte man es bereuen, keine gute Kuh oder keine gute Birne zu sein? Jeder kann ein Obstbaum sein und gute Früchte tragen. Christus vergleicht den Menschen mit einem Weinstock. Jeder kann zumindest eine schöne Traube sein. Wie viel Wissen brauchen wir? Worin besteht das Wissen eines Weinstocks? Darin, dass er auch unter den schlechtesten Bedingungen, in die ihr ihn hineinstellen mögt, wird er sich hier und da durchschlängeln, Säfte aus der Erde saugen und etwas Süßes hervorbringen. Er wird aus diesen schlechten Bedingungen schöne, süße Trauben machen. Dagegen wird der Mensch, wenn ihr ihn in den Boden steckt, selbst nach Tausend Jahren nichts Süßes hervorbringen. Christus sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ Der Vatergott hat uns also in die schlechtesten Bedingungen gestellt. Er hat uns wie die Rebe in den Boden gesteckt und ihr müsst versuchen, aus der Erde etwas hervorzubringen, eine gute Frucht zu zeitigen. Ihr müsst eure Wurzeln tief schlagen, die Säfte aus dem Boden herausholen und die besten Trauben herstellen. Wer die Trauben essen wird, spielt keine Rolle. Wirst du deine Trauben essen? – Nein. Isst die Rebe ihre Trauben? – Nein.

Daher ist auch das Gute, das ein Mensch tut, nicht für ihn. Das Gute, das die Leute tun, ist für uns. Und das Gute, das wir tun, ist für die anderen, nicht für uns. Das Gute, das Gott geschaffen hat, ist für uns. Das Gute, das wir schaffen, ist für Gott. Eines Tages wird Er kommen und eure Früchte probieren. In der Schrift heißt es: „An ihren Werken sollt ihr sie erkennen.“ Die Taten, das ist die Frucht. An dieser Frucht werdet ihr wissen, wie eure Taten sind. An dieser Frucht wird man erkennen welchen Grad an Wissen, an Liebe, Gehorsam, welchen Grad an Wissen, welchen Grad an Weisheit, welchen Grad an Wahrheit und Freiheit die Menschen erreicht haben. Das sind die Bedingungen, die ihr überwinden müsst. 

Manchmal seid ihr nicht in der Stimmung zu lesen. Ich habe viele Leute sagen hören: „Es lohnt sich nicht zu lesen, es lohnt sich nicht viel nachzudenken.“ Ich habe viele getroffen, die fragen: „Wie sollen wir nachdenken?“ Es ist schwer nachzudenken, es ist schwer zu kontemplieren. Während sie kontemplieren, schlafen viele Menschen ein. Jemand setzt sich um nachzudenken und denkt: „Woran soll ich denken?“

Du wirst über die Wahrheit nachdenken. „Was soll ich über die Wahrheit nachdenken?“ Wenn ich mich hinsetzen würde, um über die Wahrheit nachzudenken, würde mich Folgendes interessieren: Ich würde mich für diejenigen Menschen interessieren, die Gefangene sind, die krank sind. Ich werde zu dem Kranken gehen und ihn heilen und zu dem Gefangenen werde ich ins Gefängnis gehen, die Wache zum Schlafen bringen, den Gefangenen freilassen und ihm sagen: „Komm nicht zurück.“ So werde ich die Gesetze der Freiheit studieren. Das nenne ich Freiheit. Nur so kann man die Wahrheit erfahren. Wenn du die Wahrheit studieren willst, musst du andere Menschen befreien. Indem du sie befreist, wirst du auch dich selbst befreien. In den Mängeln der Menschen musst du auch deine eigenen Mängel und Fehler sehen. 

Nehmt den menschlichen Körper, in dem man vorübergehend lebt. Eines Tages tut euch das Bein weh und kann euch unfreiwillig nicht dienen. Was solltet ihr tun? Befreit euer Bein. Eines Tages tut euch der Arm weh. Befreit euren Arm. An einem anderen Tag tut euch das Auge weh. Befreit euer Auge. Manchmal tut euch der Magen weh. Befreit euren Magen. Man muss zuerst seinen physischen Leib heilen. Eines Tages wird eines deiner Gefühle krank. Du musst wissen, wie du es heilen kannst. Man muss wissen, wie man seine Gefühle heilt. Ein anderes Mal wir ein Gedanke krank. Man muss auch seine Gedanken heilen können. Wie behandelt ihr eure Gedanken und Gefühle?

Wenn ihr auf eines eurer Gefühle Hass streut, verbrennt ihr es. Ihr sagt: „Ich muss hassen.“ Wisst ihr, was der Hass mit euren Gefühlen tun wird? Er wird sie verbrühen. Und was werdet ihr dann tun? Was sollten diejenigen von euch tun, die hassen? Sie müssen lieben. Wie solltet ihr damit anfangen? Stellt euch vor, ihr trefft einen Menschen, der euch nicht liebt. Wie ist es möglich, jemanden zu lieben, der euch nicht liebt? Stellt euch vor, dass dieser Mensch, der euch nicht liebt, ein König ist und über die Macht in seinem Land verfügt. Wenn ihr ihn hasst, werdet ihr alle Unannehmlichkeiten heranziehen – hier werdet ihr ein schlechtes Wort über ihn sagen, dort werdet ihr ein schlechtes Wort über ihn sagen und dann werdet ihr zur Rechenschaft gezogen. Was solltet ihr tun? Wenn dieser Mensch dein Nachbar ist, einer wie du, dann ist es leicht, aber er ist König. Was wirst du dann tun? 

Du hast Kühe und er erlässt einen Befehl, sie zu verkaufen. Du hast Land und er erlässt einen Befehl, das Land zu beschlagnahmen. Er befiehlt, deinen Sohn, deine Tochter, deine Frau zu internieren und dich steckt er ins Gefängnis. Was wirst du dann tun? Du hast keine Kraft, keine Macht, dich zu befreien. Wer ist derjenige, der internieren kann? – Der Teufel. Wenn ihr also den Willen Gottes nicht erfüllt, erscheint der Teufel als die Exekutive. Er exekutiert die Gesetze Gottes. Es ist der Teufel, der den Sünder interniert. Der Teufel wird kommen und ihm sagen: „Du bist nicht für diese Welt, du taugst zum Minister.“ Er macht dich zum Minister und steckt dich dann ins Gefängnis. Wie kommst du aus diesem Gefängnis heraus? Wie würdet ihr diese Aufgabe lösen? Das sind außergewöhnliche Dinge. Es sind die schlimmsten Bedingungen, unter denen sich ein Mensch befinden kann. 

Auch Christus wurde interniert und gekreuzigt und dann kam der Teufel mit seinem ganzen Gefolge und nahm Ihn gewaltsam in seine Welt mit. Man sagt, dass Christus, der bis dahin friedfertig war, in die Welt des Teufels gelangt, sagte: „Im Namen der Liebe befehle ich, diese Tür zu öffnen.“ Er trat mit dem Fuß und die Tür schwang zur Seite. Da die Hölle ein Ort der Dunkelheit ist, sagte Christus, als Er dort eintrat: „Im Namen des Herrn befehle ich, alle Kerzen anzuzünden. Und alle Gefangene, die hier sind, sollen freigelassen werden.“ Drei Tage lang ging Christus durch die Hölle und sagte zu allen Gefangenen dort: „Geht jetzt hinaus. Was sucht ihr hier?“ 

Ihr gehört alle zu denjenigen, die aus der Hölle herausgekommen sind. Es ist die Liebe, die die Tür öffnet, es ist die Weisheit, die jeden Tag Licht gibt und es ist die Wahrheit, die den Gefangenen die Tür öffnet und sie frei macht. Freut euch über das, was Christus getan hat. Jetzt sagt ihr: „Wir wollen wissen, wer Christus ist.“ Wer Christus ist und was Er ist, sollte euch nicht beschäftigen. Christus sagt: „Niemand kennt den Vater, nur den Sohn.“ Und niemand kennt den Sohn außer dem Vater. Du kannst niemals Christus erkennen, wenn du kein Sohnesverhältnis zu Gott hast. Du kannst Gott nicht kennen, wenn Er dich nicht kennt. Zuerst muss Gott und kennen und dann werden wir Ihn kennen, Er wird unser Bekannter sei.

Ich sage, fangt jetzt mit dem Gesetz der Liebe an. Ich rede euch seit so vielen Jahren über die Liebe. Was ist die Liebe? Die Liebe, das ist das neue Kleid, das ihr anziehen werdet. Aber dieses Kleid ist die äußere Seite der Liebe. Die Liebe ist also das neue Gewand, das wir anziehen werden. Die Liebe ist der neue Leib, in den wir einziehen werden, das neue Verständnis, das wir haben werden, das neue Leben, das neue Licht, das in die Welt kommen wird. Das ist die Liebe, die auf die Erde kommen wird. Wir wollen jetzt im vorübergehenden Leben, das wir haben, die Liebe erwerben. Dafür kam Christus auf die Erde. Da Christus aufgestiegen ist, werdet ihr die gleichen Schritte befolgen. Vorläufig befindet ihr euch zwischen dem Paradies und der Hölle und stößt mit einem Ellbogen daran. Ihr habt bereits die Grenze überschritten, aber in euch ist immer noch der Einfluss jener Welt vorhanden. 

Manchmal befindet ihr euch in der Position der Juden in der Wüste. Ihr habt Manna zur Verfügung, aber ab und zu bereut ihr immer noch das Leben in Ägypten und das Fleisch und die Gurken, die ihr dort hattet. Ihr wollt Dinge, die nicht hygienisch sind. Ihr müsst euch doch vom Einfluss der Hölle, von den alten Gewohnheiten befreien, von dem, was ihr „erbliche“ Merkmale“ nennt.

Meiner Meinung nach stellt Karma die erblichen Merkmale jenes Lebens dar, das der Mensch einst gelebt hat. Er hat in der Welt der Sünde gelebt und all seine Gedanken, all seine alten Gewohnheiten, all das wurde in seinen Leib hineingebracht, das er verarbeiten soll. Manchmal fragt ihr euch, nachdem ihr lange gearbeitet habt, woher diese Schwierigkeiten kommen. Manchmal habt ihr so schlechte Gedanken und Wünsche, dass ihr es bereut, diesen Weg bestiegen zu haben. 

Ein orthodoxer Priester erzählte mir folgende Erfahrung, die er hatte. Er sagte zu mir: „Ich bin schon fünfzig und habe Gott so viele Jahre gedient. Warum plage ich mich damit, diese Rinder zu weiden? Warum mache ich mir nicht ein schönes Leben? Solche Gedanken gingen mir durch den Kopf. Dann sagte ich zu diesem Teufel, der mich quälte: „Verschwinde von hier. Ich will mich nicht mit r beschäftigen. Kaum war ich ihn los, da kam er wieder. Es hätte wenig gefehlt und ich wäre vom Weg abgegangen.“

Welcher ist jetzt der richtige Weg? Der richtige Weg ist der Weg, der mit Dunkelheit beginnt und mit Licht endet. Ein krummer Pfad beginnt mit Licht und endet mit Dunkelheit. Jedes Leben, in dem, je mehr man da hineingeht, desto weniger das Licht und desto undeutlicher die Dinge werden, ist der krumme Weg. Ich sage nicht, dass ihr kein Verständnis habt, aber auf dem Weg, den ihr geht, werden euch Schwierigkeiten begegnen. Ich führe diese Beispiele an, damit ihr leichter mit den Schwierigkeiten fertig werdet, die ihr habt. Es geht nicht darum, das irdische Leben aufzugeben. Der Verzicht sollte innerlich, nicht äußerlich sein. Äußerlich kann ein Mensch auf das Irdische verzichten, doch das, was er begehrt, hat er nicht aufgegeben. Um aufzugeben, müsst ihr das Gesetz verstehen.

Um auf Fleisch zu verzichten, müsst ihr es durch Obst ersetzen. Man kann nicht auf die Fleischnahrung verzichten, solange man sie nicht durch Obst ersetzt. Alle Fleisch fressenden Tiere haben eine erbliche Eigenschaft, die später kam. Ursprünglich wurden sie nicht als Fleischfresser geschaffen. Sie waren ursprünglich Pflanzenfresser, aber Fleischfressen hat sich in ihr Leben hineingeschoben. In der Schrift steht, dass der Tag kommen wird, an dem sowohl der Löwe als auch der Wolf sich von Gras ernähren werden, wie sie sich ursprünglich ernährt haben. Wann wird das sein?

Wenn die Menschen anfangen richtig zu denken. Die Wölfe leben immer noch in den Menschen. Derjenige, der wie ein Wolf denkt, kann nicht anders als Fleisch zu essen. Derjenige, der wie ein Fuchs denkt, kann nicht anders als Hühner zu essen. Was ist daran schlimm? Da ist nichts Schlimmes daran. Der Wolf sagt: „Da ich jetzt von Natur aus schlecht bin, muss ich Schafe und Lämmer essen, um mich zu verbessern.“ Und die Schrift sagt: „Wenn du nicht mein Fleisch isst und nicht mein Blut trinkst, hast du kein Leben in dir.“ Da Christus das Lamm ist und erlaubt hat, Sein Fleisch zu essen, habe ich aufgrund der Lehre Christi das Recht, Lämmer und Schafe zu essen, um gut zu werden.“ 

Seine Überlegung ist richtig, aber wann? Wenn er beide Seiten der Frage versteht. Wann ist sie falsch? Wenn nur eine Seite der Frage verstanden wird. Der Wolf versteht nur die eine Seite des Problems. Und das Böse liegt darin, die Dinge nicht zu verstehen. Worin liegt das Böse? – Nicht im Reichtum des Menschen. In dem Missbrauch, den die Reichen ihren Arbeitern antun. Es gibt einen Fabrikbesitzer mit zweitausend Arbeitern und wenn er sie bezahlt, möchte er von jedem von ihnen fünfzig Stotinki nehmen. Er will jedem einen halben Lev weniger zahlen, als er bestimmt hat, ihnen zu geben. 

Was ist das Gute? Wenn in ihm der Wunsch entsteht, jedem Arbeiter einen halben Lev mehr zu geben, als er ihm ursprünglich bestimmt hatte. Das ist der richtige Weg. Anstatt jedem Arbeiter einen halben Lev abzunehmen, sollte der Fabrikbesitzer jedem Arbeiter einen halben Lev mehr als das festgelegte Gehalt geben. 

Wir tun also immer das, was nicht richtig ist, was uns schadet. Mach, was du nicht magst. Daher tut ein Mensch im göttlichen Leben immer das, was das Richtige ist, was niemandem schadet. Was uns schadet, ist der menschliche Weg. Was uns belohnt, ist der göttliche Weg. Der Mensch möchte immer etwas an sich reißen, jemandem Schaden zufügen. Im Gegenteil, lasst uns immer großzügig sein. Das ist der Weg der Liebe. 

Ich sage jetzt, die großen Dinge sind euch gelungen, aber in den kleinen Dingen habt ihr versagt. Es gibt Dinge, bei denen seid ihr ungerecht. Ihr seid euch selbst gegenüber ungerecht. Wenn wir lernen, wissen wir nicht, was wir lernen sollen. Jemand sagt: „X ist talentierter als ich.“ Also beneidest du ihn. „Nun, er spricht mehrere Sprachen.“ Freue dich darüber. Wenn er mehrere Sprachen beherrscht, kannst du das auch. Jemand ist Musiker, er spielt gut. Du kannst auch so gut wie er spielen und Musiker sein. Du triffst jemanden und sagst, dass er ein guter Mensch ist. Du kannst so gut sein wie er. Es ist schlecht, wenn man keine guten Musiker trifft oder wenn man keine guten Sänger, keine guten Menschen trifft. Alles Gute, dem du in deinem Leben begegnest, kannst du auch erreichen. Dem du nicht begegnest, kannst du nicht erreichen. 

Wenn also die Widersprüche im Leben kommen, müsst ihr den Gedanken im Kopf haben, dass hinter jedem Widerspruch der göttliche Geist steht, der heimlich arbeitet. Durch jede Prüfung prüft der Herr Verstand und Herz des Menschen. 

Als der Herr Adam sagte, er dürfe nicht vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse essen, wollte Er Adam prüfen, um zu sehen, wie weit er ist. Adam machte keinen Fehler wie Eva, aber sein Fehler bestand darin, dass er Eva nicht allein lassen wollte. Als der Herr Eva aus dem Paradies vertreiben wollte, sagte Adam: „Ich werde auch mit ihr gehen.“ Und der Herr erlaubte ihm, aus dem Paradies herauszugehen. Adam entschied sich, Gott zu verlassen, aber sich nicht von seiner Frau zu trennen. Jetzt verlasst ihr alle Gott wegen eurer Ehemänner und Ehefrauen. Das ist die Freiheit, die ihr habt. Der Herr sagte: „Sehr gut, probiert auch das.“ Und dann sagte Er zu der Frau: „Da du auf den fremden Ratschlag der Schlange hörtest, wirst du unter Schmerzen gebären. Was du auch tust, du wirst immer Schmerzen empfinden.“ Und dem Mann sagte Er: „Weil du dem Rat deiner Frau Folge geleistet hast, wirst du pflügen  und säen und nichts gewinnen.“ Wenn du also innerlich leidest, bist du eine Frau. Wenn du äußerlich leidest, bist du ein Mann. Wenn du also auf den Rat eines anderen hörst und innerlich leidest, bist du eine Frau. Wenn du äußerlich leidest und die Dinge draußen nicht gut laufen, bist du ein Mann, der auf seine Frau hört. Und deshalb sage ich den Frauen: „Hört auf, auf die Ratschläge anderer zu hören.“ Und ich sage den Männern: „Hört auf, auf die dummen Ratschläge eurer Frauen zu hören.“

„Das gute Gebet“